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Mario Mandzukic wechselte 2012 vom VfL Wolfsburg zum FC Bayern © imago

Mario Mandzukic will den FC Bayern verlassen - wegen Pep Guardiola. Es ist das Ende einer von Beginn an gestörten Beziehung.

Von Martin Hoffmann

München - Mario Mandzukic hat seine Gedanken für sich behalten. Sehr lange und sehr beharrlich.

Während alle über ihn redeten, über sein gestörtes Verhältnis zu Pep Guardiola, seine Ausbootung und seine Zukunft beim FC Bayern, sagte Mandzukic: nichts.

Dass der Stürmer nun im kroatischen WM-Trainingslager sein erstes Interview seit langem gegeben hat, ist da schon eine Nachricht für sich.

Und beinahe die größere Überraschung, als das, was er in diesem Interview mit der Zeitung "Sportske Novoski" verkündet hat: Mario Mandzukic will die Münchener verlassen, trotz seines noch bis 2016 laufenden Vertrages. Wegen Pep Guardiola.

Mandzukic: Passe nicht ins System Guardiola

"Ich habe zusammen mit meinem Berater Ivan Cvjetkovic rund um den 8. Mai ein konkretes Gespräch mit Karl-Heinz Rummenigge geführt", verrät der 28-Jährige: "Dort habe ich ihm mitgeteilt, dass ich mich verändern will und um eine Lösung gebeten."

Es war also nicht Guardiolas Entscheidung, ihn nicht für das Pokalfinale am 17. Mai zu nominieren, die das Tischtuch zerschnitt.

Das Tischtuch bestand da schon längst aus zwei Teilen, die nicht mehr zusammenpassten. Und es womöglich nie getan haben.

"Um ehrlich zu sein, mir entspricht Guardiolas Spielstil nicht, den er dem FC Bayern unterziehen möchte", sagt Mandzukic: "Nach dem ersten Spiel gegen Real Madrid habe ich endgültig begriffen, dass ich, egal wie sehr ich mich anstrenge, mit dieser Art von Fußball nicht mein bestes Spiel abrufen kann."

Top-Klubs interessiert

FC Chelsea, FC Arsenal, Juventus Turin: Mandzukic wird sich nach der WM eine europäische Top-Adresse aussuchen, wo er sein Scheitern am System Guardiola verdauen kann.

Schon im Juli 2013 soll Guardiola Mandzukic deshalb hinter verschlossener Tür vermittelt haben, dass er womöglich keinen Platz für ihn finden würde - trotz seiner Triple-Verdienste.

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Wechselhafte Beziehung

Es war kein guter Start für die Beziehung, die dann aber durchaus noch bessere Tage hatte. "Ich liebe diesen Spieler", rief Guardiola an einem dieser Tage.

Er lernte im Lauf der Saison zu schätzen, dass Mandzukic mit seiner Körperlichkeit und seinem Torinstinkt Spiele für ihn gewinnen konnte, in denen seine Lehre vom totalen Mittelfeld nicht zum Erfolg führte.

In der Liga traf der Angreifer 18 Mal, häufiger als in der Triple-Saison und nur getoppt von Robert Lewandowski (20), dem künftigen Bayern-Stürmer.

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Lewandowski verstärkte das Fremdeln

Genau der aber trug dazu bei, dass das Fremdeln zwischen Mandzukic und Guardiola nicht aufhörte.

Als der Lewandowski-Deal im Januar offiziell wurde, soll Mandzukic ein klares Wort von Guardiola vermisst haben, ob seine Dienste im Sommer noch gefragt sein würden.

Der Trainer wiederum registrierte bei seinem Stürmer Frustreaktionen, die ins Unprofessionelle drifteten: Zum Rückrundenauftakt gegen Mönchengladbach strich er ihn wegen nachlassendem Trainingsfleiß aus dem Kader.

Real als Bruchpunkt

Das krachende Aus gegen Real Madrid in der Champions League war schließlich der Bruchpunkt.

Dahingestelllt, ob es wirklich Mandzukic' Grinsen bei Guardiolas Ansprache nach dem 0:4 im Rückspiel war, das sein Schicksal besiegelte.

Fest steht: Guardiola will nach der Demütigung erklärtermaßen nur noch auf Spieler setzen, von deren Systemtauglichkeit er voll überzeugt ist.

Mandzukic gehört nicht dazu. Er hat es nun selber amtlich festgestellt.

Nicht das erste Systemopfer

Vielleicht tröstet ihn, dass er nicht der erste prominente Stürmer ist, der Guardiola zum Opfer fällt.

Beim FC Barcelona wurden sowohl Samuel Eto'o und Zlatan Ibrahimovic nach nur einer Saison abserviert - und ließen hinterher wütende Verwünschungen in Guardiolas Richtung los.

Mandzukic macht das nicht.

"Ich wünsche allen nur das Beste"

Der Kroate betont, dass er ausschließlich aus sportlichen, nicht aus zwischenmenschlichen Gründen weg will: "Ich bedanke mich beim Klub, der mir sogar eine Vertragsverlängerung angeboten hatte, danke auch an Guardiola, der ein großer Trainer ist und ich wünsche allen nur das Beste in der Zukunft."

Möglich, dass Mandzukic nach all dem, was ihm in dieser Saison widerfahren ist, noch andere Gedanken hat.

Mit denen macht er allerdings, was sich für ihn in den vergangenen Jahren bewährt hat: Er behält sie für sich.

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