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Michael Reschke war vor seiner Zeit bei Bayern 35 Jahre für Bayer Leverkusen tätig
Michael Reschke wird Matthias Sammer beim FC Bayern als Technischer Direktor assistieren © imago

Michael Reschke wird beim FC Bayern die neue rechte Hand von Matthias Sammer. Bei SPORT1 spricht er über seine neue Aufgabe.

Von Reinhard Franke

München - Die ganz große Transfer-Offensive ist das noch nicht, die die Verantwortlichen des FC Bayern im Hinblick auf die neue Saison bisher gestartet haben.

Von Borussia Dortmund kommt Robert Lewandowski, von Eintracht Frankfurt wurde Sebastian Rode verpflichtet und von Bayer Leverkusen - Michael Reschke.

Die ersten zwei Namen sind bekannt, klar, aber der dritte Zugang überrascht doch sehr. Reschke, bisher Leiter des Kadermanagements bei den Rheinländern, wird Technischer Direktor beim Rekordmeister und verstärkt das Team hinter der Mannschaft.

Der 56-Jährige war 35 Jahre beim Werksklub und soll ab dem 1. Juli die rechte Hand von Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer werden, ihn in den Bereichen Lizenzspielerabteilung, Junior Team, Scouting sowie Transfers unterstützen.

"Besondere Herausforderung"

"Wenn ich das nicht als besondere Herausforderung betrachten würde, hätte ich es nicht gemacht", sagt Reschke im Gespräch mit SPORT1 und fügt etwas wehmütig hinzu: "Ich hatte ein wunderbar erfülltes und anspruchsvolles Arbeiten bei Bayer Leverkusen gehabt, war schließlich 35 Jahre dort aktiv, bin daher tief verwurzelt mit dem Klub."

Er empfinde daher "eine große Portion Abschiedsschmerz, weil ich mich von vielen Menschen beruflich trennen muss, die mir viel bedeuten".

Beeindruckender Abschied

Doch es gibt nur Gönner, keine Neider. "In den letzten drei Tagen bekam ich rund 80 Mails, da war keine einzige negativ. Alle wünschen mir viel Glück. Der Abschied ist schon beeindruckend", so Reschke.

Wer ist dieser Mann, der Vollprofi Sammer da unter die Arme greifen soll? Reschke startete 1974 seine Fußball-Karriere als Jugendtrainer bei Viktoria Frechen in der Nachbarschaft des 1. FC Köln, wechselte dann 1979 auf die andere Rhein-Seite und arbeitete in Leverkusen.

Unterm Bayer-Kreuz war der gelernte Fußball-Lehrer zunächst 17 Jahre U-19- und U-17-Jugendtrainer und leitete zudem erfolgreich das Bayer 04-Nachwuchszentrum, ehe er 2004 den Posten des Sportmanagers übernahm.

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Erfolgreiches Kadermanagement

Und das mit großem Erfolg, was den FCB-Bossen nicht verborgen blieb. Es sei daher Sammers ausdrücklicher Wunsch gewesen, Reschke nach München zu holen.

"Ich weiß, dass wir einen fachkompetenten Mitarbeiter hinzubekommen und freue mich auf die künftige Zusammenarbeit mit ihm", sagte Sammer zuletzt.

Reschke spricht voller Ehrfurcht und mit Herzklopfen von seinem neuen Job: "Wenn die Anfrage von Bayern München nicht so sportlich und auch perspektivisch lukrativ und interessant gewesen wäre, dann hätte ich mich nicht dazu entschlossen."

Es sei "keine wochenlange Geschichte" gewesen, doch es sei eine Entscheidung, "die trotzdem einen gewissen Reifeprozess benötigt".

Riesige Vorfreude

Die Vorfreude auf die neue Aufgabe sei "riesig", betont Reschke. Die Gespräche mit Sammer und FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge "waren einfach nur positiv." (SHOP: Jetzt Bayern-Fanartikel kaufen)

Reschke weiter: "Ich bin auch seit vielen Jahren mit Hermann Gerland befreundet, mit dem ich mich auch schon kurz geschlossen habe. Mich reizt vieles beim FC Bayern."

Mit Reschke verliert Leverkusen einen seiner wichtigsten Köpfe.

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Exzellenter Ruf

In der Öffentlichkeit ist er weitestgehend unbekannt, weil er stets im Hintergrund die Fäden zog. Doch in der Bundesliga genießt er einen exzellenten Ruf.

Der Grund: Reschke ist sehr gut vernetzt. Der gebürtige Frechener bereitete in der Vergangenheit in stoischer Ruhe viele Transfers für Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler vor.

Auch wegen ihm geht Reschke schweren Herzens. "Ich habe seit Jahren jeden Tag mit Rudi Völler zusammen gesessen, wenn wir unterwegs waren, haben wir zumindest miteinander telefoniert", erinnert sich Reschke.

HSV-Interesse am Schattenmann

Der Wechsel zu den Bayern sei jetzt "ein großer und auch schwieriger Schritt." Bislang hatte Bayers Schattenmann Angebote von anderen Klubs immer abgelehnt.

Unter anderem soll der Hamburger SV mal großes Interesse bekundet haben. Doch Sammers Lockruf konnte Reschke nicht widerstehen. Er sieht sich aber nicht als "Gehilfe" von Sammer, sondern als "Partner".

Und natürlich mache es ihn "stolz, mit ihm zusammenzuarbeiten. Das ist eine hohe Kompetenz im deutschen Fußball und ich bin überzeugt, dass wir sehr gut zusammen passen."

Genug Arbeit für Zwei

Und wieviel Kompetenz gibt ein Sammer ab? "Man muss nur die Teilbereiche nehmen, die in der sportlichen Verantwortung von uns liegen in Zukunft - vom Scouting, über Kaderbildung bis zum Nachwuchsbereich", erklärt Reschke:

"Das ist ein so komplexes Feld, da wäre es naiv zu glauben, dass das ein Mann alles leisten kann. Da fällt genug sinnvolle Arbeit für zwei Leute ab."

"Noch keinen Krümel bewegt"

Zu viel möchte Reschke nicht über Konkretes reden - auch langfristig gesehen.

"Wenn ich am 1. Juli antrete, dann will ich mich in der Öffentlichkeit weitestgehend zurückhalten, das ist so besprochen", sagt Reschke und fügt hinzu: "Ich habe bei den Bayern ja noch keinen Krümel von links nach rechts bewegt und von daher steht es mir eigentlich auch nicht zu, über Bayern München zu sprechen."

Reschke wird erstmal zwischen seinem Wohnort Leichlingen und München pendeln. Viel Zeit für die Familie wird er nicht haben, weiß Reschke.

In München erwartet ihn schließlich "eine sehr arbeitsintensive Zeit."

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