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Marko Pantelic (r.) erzielte sein erstes Saisontor © getty

Berlin zelebriert gegen Bielefeld 90 Minuten Einbahnstraßen-Fußball, verpasst aber durch ein "Geschenk" den verdienten Sieg.

Berlin - Einbahnstraßen-Fußball zelebriert, die positive Entwicklung eindrucksvoll unterstrichen, am Ende aber noch zu hitzköpfig agiert:

Hertha BSC Berlin untermauerte beim 1:1 (1:1) gegen Arminia Bielefeld mit einer technisch feinen Spielanlage zwar seine Ambitionen, unter die besten sechs Teams der Bundesliga zu kommen.

Obwohl die Handschrift von Trainer Lucien Favre in seinem zweiten Jahr als Chefcoach klarer erkennbar ist, fehlte am Ende aber immer noch das letzte Stück Entschlossenheit.

"Es ist schade, denn wir haben besonders in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt. Nach der Pause wollten wir unbedingt das 2:1 machen, aber wir haben vergessen, weiter zusammenzuspielen. Da müssen wir kühlen Kopf bewahren", sagte Favre.

Simunic-Verzicht sorgt für Unverständnis

Dessen Entscheidung, Jo Simunic auf die Bank zu setzen, stieß beim Team jedoch auf Unverständnis.

"Der Trainer stellt die Mannschaft auf. Im letzten Spiel hat er 88 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen. Für mich und für den Rest des Teams ist es schon verwunderlich, dass er heute nicht gespielt hat", sagte Mittelfeldspieler Patrick Ebert.

Und Marko Pantelic lief nach seinem Treffer zum 1:0 (32.) beim Jubel demonstrativ zu Simunic.

Dessen Ersatz Kaka durch einen groben Schnitzer auch noch das 1:1 durch den Ex-Herthaner Artur Wichniarek verschuldete (37.).

Zahlen sprechen Bände

Auf dem Feld schienen die Berliner aber die Philosophie ihres Trainers jedoch verstanden zu haben.

Die nackten Zahlen sprachen Bände: 29 zu 4 Torschüsse, 11 zu 3 Ecken und 59 zu 41 Prozent Ballbesitz.

Am Ende stand vor 36.302 Zuschauern nur ein Punkt.

"Wie eine Niederlage"

"Das fühlt sich wie eine Niederlage an. Bielefeld hatte kaum Chancen. Das Problem war, dass wir das zweite Tor nicht gemacht haben", sagte der sichtlich geknickte Hertha-Verteidiger Steve von Bergen.

Der Schweizer ärgerte sich besonders über den eklatanten Fehler seines Nebenmannes Kaka: "Wir hätten es bis auf drei Sekunden verdient gehabt, zu gewinnen." Auch Favre sprach beim Ausgleich von einem "Geschenk".

Hertha-Boss zufrieden

Obwohl die Hertha es verpasste, zum ersten Mal in eine Bundesliga-Saison mit zwei Siegen in Folge zu starten, zeigte der Hauptstadtverein immerhin sehenswerten Kombinationsfußball und blieb auch im sechsten Saison-Pflichtspiel ungeschlagen.

Präsident Werner Gegenbauer nahm die gefühlte Niederlage daher gelassen: "Unser Spiel war ja gut anzusehen, deshalb gibt es Schlimmeres. Im Moment macht es allen so viel Spaß, dass vielleicht ein wenig die Zielstrebigkeit gefehlt hat", erklärte der Klub-Boss.

Friedrich feiert Rückkehr

Hertha-Kapitän Arne Friedrich sah vor dem UEFA-Cup-Rückspiel am kommenden Donnerstag gegen NK Ljubljana dennoch Steigerungsbedarf.

"Wir müssen zukünftig einfacher und noch mehr über außen spielen", forderte der Nationalspieler, der nach überstandener Wirbelverletzung sein Saisondebüt feierte.

Ausgleichende Gerechtigkeit

Die Ostwestfalen, die weiter auf den ersten Bundesliga-Auswärtserfolg in der Hauptstadt seit knapp 30 Jahren warten (2:1 am 21. Oktober 1978), verbuchten den Punktgewinn derweil unter der Kategorie "ausgleichende Gerechtigkeit".

"Im letzten Jahr haben wir hier unverdient in der Nachspielzeit verloren, diesmal hatten wir halt Glück", sagte Arminia-Coach Michael Frontzeck in Erinnerung an die unverdiente 0:1-Niederlage in Berlin am 20. Spieltag der vergangenen Saison.

Sonderlob für Wichniarek

Ein Sonderlob verteilte Frontzeck an Torjäger Wichniarek, der bereits zum dritten Mal in dieser Spielzeit traf.

"Artur ist momentan in sehr guter Verfassung und spielt auch sehr mannschaftsdienlich", erklärte Frontzeck.

Der Pole wollte sich dagegen nicht in den Mittelpunkt stellen: "Im Endeffekt zählt nur die Mannschaft. Das Tor war die Belohnung für unseren Kampfgeist."

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