Im SPORT1-Interview spricht der frühere HSV-Trainer Thorsten Fink über seinen Ex-Verein, Oliver Kreuzer und die Nationalelf.

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Von Reinhard Franke und Sebastian Mittag

München - Und täglich grüßt der Dinosaurier.

Pünktlich zum Trainingsauftakt knallte es beim Hamburger SV wieder (Bericht).

Die Sommerpause ist für den "Dino der Liga" vorbei, doch der Ärger ist geblieben. Zum Aufgalopp fehlte Mittelfeld-Juwel Hakan Calhanoglu.

Der 20-Jährige wurde von einer Psychologin für vier Wochen krankgeschrieben.

Für den zweiten Aufreger sorgte Investor Klaus-Michael Kühne.

Der 77-Jährige holte zum großen Rundumschlag aus, indem er sich gegen den Verbleib von Trainer Mirko Slomka aussprach.

Zudem teilte Kühne gegen seinen einstigen Lieblings-Spieler Rafael van der Vaart aus. Ihn will der Milliardär nicht mehr im HSV-Trikot sehen.

Jetzt meldet sich auch Ex-Trainer Thorsten Fink zu Wort.

Im SPORT1-Interview spricht der 46-Jährige über seinen früheren Klub, Hamburgs Sportchef Oliver Kreuzer, persönliche Ziele - und gesteht eigene Fehler ein.

SPORT1: Herr Fink, am Mittwoch war Trainingsauftakt beim HSV. Wie sehen Sie ihren Ex-Klub mit etwas Abstand?

Thorsten Fink: Die Entlassung beim HSV tat weh, aber ich habe das Thema abgehakt. Ich habe mich sehr über den Klassenerhalt gefreut. Der HSV ist ein großer, wunderbarer Verein, der jetzt durch die Reform auf dem richtigen Weg zu sein scheint. Mit Dietmar Beiersdorfer (neuer HSV-Vorstandsboss, Anm. Red.) haben sie einen sehr erfahrenen und guten Mann dazugewonnen. Ich hoffe, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Ich habe dort zwei Jahre gut gearbeitet und die Arbeit hat mir großen Spaß gemacht. Ich wäre gerne da geblieben, das habe ich ja schon oft gesagt. Im Fußball gehen die Wege irgendwann auch auseinander. Ich wünsche dem HSV alles Gute.

Die SPORT1-Reporter Sebastian Mittag (l.) und Reinhard Franke (r.) trafen Thorsten Fink in München zum Interview

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SPORT1: Beim ersten Training fehlte Hakan Calhanoglu. Er hat sich krankschreiben lassen, will unbedingt zu Bayer Leverkusen wechseln. Wie denken Sie über ihn?

Fink: Hakan ist ein Top-Talent. Und was das Beste für ihn ist, muss der Berater entscheiden. Grundsätzlich ist es immer schwer, Spieler zu halten, die unbedingt weg wollen.

SPORT1: Hätten Sie sich gewünscht, dass HSVplus schon zu Ihrer Zeit gekommen wäre?

Fink: Man lernt immer dann dazu, wenn etwas schmerzhaft ist. Die Leute hatten eine panische Angst abzusteigen, was zu meiner Zeit noch nicht so krass war. Natürlich ist es immer besser, mehr finanzielle Mittel zu haben, um voran zu kommen. Mit kräftiger Unterstützung von dem einen oder anderen Sponsor kann es nur besser werden. Man muss Schritt für Schritt nach oben kommen, um wieder mal eine gute Rolle zu spielen.

SPORT1: Warum ist Dietmar Beiersdorfer als neuer Vorstandsboss der Richtige?

Fink: Er verkörpert als ehemaliger Hamburger den HSV und man hat erst gemerkt, dass er gute Arbeit abgeliefert hat, als er weg war. Ich glaube, dass er trotzdem bescheiden ist und nicht gleich von heute auf morgen alles erreichen will. Es braucht seine Zeit. Er kennt die Strukturen und weiß, was richtig ist. Er passt super da rein.

SPORT1: Herr Beiersdorfer hält an Trainer Mirko Slomka und Sportchef Oliver Kreuzer fest. Zu recht?

Fink: Das ist seine Sache, dazu will ich mich gar nicht äußern. Er hat sicherlich seine Gespräche geführt und wenn er das dann für richtig hält, dann ist das doch in Ordnung. Man sollte ihn jetzt in Ruhe arbeiten lassen. Noch so eine Saison wie die letzte wünscht sich keiner.

SPORT1: Mit Ihnen wollte der HSV hoch hinaus. War das Ziel Europa zu hoch?

Fink: Wir wurden vorletzte Saison Siebter und dann kannst du danach schlecht sagen, dass du Neunter werden willst. Man verkennt dann auch schnell die Situation und damals haben einige Herren sicher früh gesehen, dass die Qualität in der Truppe fehlt. Die Ziele wurden ganz klar zu hoch gesteckt und das ist immer Ballast für eine Mannschaft. Rafael van der Vaart ist ein guter Junge, er hatte aber viele private Baustellen. Jetzt sollte man die richtigen Ziele ausgeben und nicht zu viel wollen.

SPORT1: Was muss in Zukunft beim HSV besser werden?

Fink: Man sollte realistischer denken. Und es dürfen nicht zu viele Leute mitreden. Mit Mirko Slomka haben sie einen erfahrenen Trainer, der einiges erreicht hat in seiner Karriere. Ob er es dauerhaft schafft, den Klub in die Spur zu kriegen, weiß ich nicht. Es gab einige Spieler, die für die ausgegebenen Ziele einfach zu schlecht waren. Von denen sollte sich der Verein trennen. Man hat viele gute junge Spieler, mit denen man etwas erreichen kann. Es muss aber einiges verändert werden.

SPORT1: Was war Ihr größter Fehler?

Fink: Natürlich habe ich Fehler gemacht, die ich so nicht mehr machen werde. Es gibt aber immer Dinge, die man besser machen kann. Da sollte man nicht zu sehr nach hinten schauen. Ich werde meine Erfahrungen mitnehmen zu meinem nächsten Klub. Ich bin noch nicht im Rentenalter, kann von jedem meiner Vereine etwas mitnehmen.

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis zu Oliver Kreuzer? Er hat es Ihnen übel genommen, dass Sie öffentlich sagten, man hätte mit Ihnen früher die Klasse gehalten.

Fink: Ich habe mit ihm nicht mehr gesprochen. Wir waren nie Freunde, haben auch früher nie zusammengespielt. Er hatte nicht gesehen, dass ich vorher viel erreicht habe als Trainer. Die Nerven lagen damals blank. Es ist doch klar, dass man gewisse Aussagen trifft, die man hinterher nicht mehr so gemeint hat, wenn man kurz vor dem Abstieg steht. Ich schaue nach vorne und nicht zurück.

SPORT1: Was müsste Ihr nächster Klub haben?

Fink: Es müsste ein Projekt sein, wo es vorwärts geht und wo man Ziele hat. Ich würde auch in die Zweite Liga gehen, wenn ich da etwas erreichen und langfristig aufbauen könnte. Die Arbeit muss mir Spaß machen, auch die Arbeit mit jungen Spielern, die ich weiterentwickeln könnte. Die Tendenz wäre für mich aber die Erste Liga. Jede Aufgabe will ich nicht machen.

SPORT1: Zum Schluss noch ein Wort zur Nationalmannschaft. Was sagen Sie zum starken Auftakt bei der WM?

Fink: Mit dem 4:0 gegen Portugal lief es natürlich hervorragend. Sie haben schnellen Power-Fußball gespielt und zeigten ein enormes Selbstvertrauen. Im entscheidenden Moment war man gegen Portugal da. Hinten stand man sehr sicher und in den entscheidenden Momenten hat man die Tore gemacht. Das Gute an der Mannschaft ist, dass es keinen Star in der Truppe gibt wie bei Portugal Cristiano Ronaldo. Bei den Deutschen herrscht ein guter Teamgeist, jeder ist wichtig. Da ist dann ein Schweinsteiger auch nicht sauer, wenn er draußen sitzt. Das sind alles Spieler auf Top-Niveau. Keiner lässt sich gehen. Diese Mannschaft harmoniert.

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