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Mark van Bommel (r.) sah in den letzten zehn Bundesliga-Spielen drei Mal Gelb-Rot © imago

Der Motor des FC Bayern stottert weiter. Immerhin: Das Schlimmste wurde verhindert.

Von Daniel Rathjen

München/Dortmund - War es ein Triumph der Moral oder ein Akt der Offenbarung? Ganz einig waren sich die Verantwortlichen des FC Bayern nach dem 1:1 (0:1) bei Borussia Dortmund und dem schlechtesten Saisonstart seit neun Jahren da nicht.

Die Abwehrleistung ließ einmal mehr zu wünschen übrig, Luca Toni und Miroslav Klose hatten keine echte Torchance und von druckvollem Vertikal-Fußball war immer noch kaum etwas zu sehen.

Doch Trainer Jürgen Klinsmann und Manager Uli Hoeneß waren dennoch guter Stimmung und zeigten sich zufrieden mit dem Resultat.

Aber der "Kaiser" grantelte dagegen. Denn der Präsident sieht bereits das große Ziel akut gefährdet.

"Die alten Fehler!"

"Wir machen immer wieder die alten Fehler. Abwehrfehler, Stellungsfehler - das zieht sich jetzt schon über Jahre", schimpfte der Klub-Boss als TV-Experte.

Der Traum vom baldigen Champions-League-Sieg und höchsten internationalen Weihen sei so garantiert nicht zu erreichen. "Wir müssen was für die Defensive tun. Das kann man sich nicht leisten, wenn man sich so wie wir international positionieren will", meinte Beckenbauer.

Auch Kapitän Mark van Bommel, der innerhalb von drei Minuten zwei mal Gelb gesehen hatte, bekam beim Kaiser-Donnerwetter sein Fett weg: "Der fliegt nach 20, 22 Minuten runter. Der ist unbeherrscht. Er schadet damit der Mannschaft."

Van Bommel beteuert Unschuld

Schiedsrichter Herbert Fandel schickte den "Aggressiv-Leader" vom Platz, weil er Gegenspieler Tamas Hajnal mit dem Unterarm auf den Kopf geschlagen hatte.

"Wenn ich ihn getroffen habe, war es keine Absicht", beteuerte van Bommel: "Bei mir wird es gepfiffen, bei anderen nicht."

Nach der dritten Gelb-Roten Karte in seinen letzten zehn Bundesliga-Spielen fühlt er sich zu Unrecht gebrandmarkt: "Schiedsrichter sind auch nur Menschen und lassen sich von äußerer Stimmungsmache beeinflussen."

Erst in Unterzahl besser

Positiv aus Bayern-Sicht war, dass der frühe Platzverweis eine Energieleistung nach sich zog. In Unterzahl wurde der Rekordmeister besser.

Wie sich das dezimierte Team nach dem 0:1 von Jakub Blaszczykowski (8.), das je nach Sichtweise "unglaublich schön" (BVB-Trainer Jürgen Klopp) oder ein "reiner Glücksschuss" (Hoeneß) war, aufbäumte, war für Klinsmann "bemerkenswert": "Die Mannschaft wollte den Ausgleich erzwingen."

Auch für Hoeneß war das Ergebnis "völlig okay. Wir wussten, dass der Start auf Grund all der Schwierigkeiten mit der Vorbereitung holprig wird. Positiv war, dass wir zurückgekommen sind".

Klinsmann bleibt zuversichtlich

Beide blicken weiterhin optimistisch in die Zukunft. Die Mannschaft findet immer mehr zu sich", beobachtete Klinsmann, obwohl die Statistik den schlechtesten Bundesliga-Start des Rekordmeisters seit 1999 ausweist: "Am nächsten Sonntag müssen wir aber endlich mal loslegen und gewinnen."

Sein Dortmunder Pendant Jürgen Klopp, der seinen unauffällig agierenden Neuzugang Mohamed Zidan von Beginn an gebracht hatte, ärgerte sich indes über zwei verschenkte Punkte: "Wir haben nachgelassen und dann das bekommen, was wir verdient haben. Dennoch war es unnötig. Wenn man die Möglichkeit hat, die Bayern zu schlagen, muss man es auch tun."

Auch Kapitän Sebastian Kehl trauerte einem möglichen Sieg hinterher. "Ich bin enttäuscht. Unser Spiel ist nach dem 1:0 fast komplett zum Erliegen gekommen."

Sensationeller "Kinder-Riegel"

Die junge Dortmunder Viererkette mit einem Durchschnittsalter von unter 21 Jahren dagegen erledigte ihre Arbeit "sensationell", wie Klopp meinte.

Den Ausgleichstreffer durch Tim Borowski nach einer Ecke (74.) konnte sie trotzdem nicht verhindern. Der Ex-Bremer krönte mit seinem Premieren-Tor für seinen neuen Klub die Drangperiode der Gäste.

Gnädig stimmte der Ausgleich den "Kaiser" offenbar nicht. Vermeintlichen Trost gab es für ihn von Hoeneß: "Wenn wir jetzt schon vorne wären, wäre die Bundesliga doch schon langweilig."

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