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Leverkusen feiert den Patrick Helmes' Führungstreffer © getty

Der VfB weiß nach der Pleite gegen Bayer nicht, wo er steht. Bayer-Coach Labbadia freut sich über eine neue Seite seines Teams.

Von Andreas Messmer

München - Stuttgarts Keeper Jens Lehmann wird der unbedingte Siegeswille nachgesagt. Es ist eine der Eigenschaften, wegen der ihn die VfB-Verantwortlichen an den Neckar geholt haben.

Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass er äußerst ungern verliert. Entsprechend angefressen stellte sich der Torwart nach der 0:2 (0:1)-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen vor die Mikrofone der Journalisten.

Die Pleite nagte an ihm - das sah man dem kürzlich zurückgetretenen Nationaltorhüter an. Erst recht, weil er wohl wusste, dass er beim ersten Gegentreffer durch Patrick Helmes nicht ganz glücklich aussah (35.). Ein Schuss aus kurzer Distanz war ihm durch die Arme gerutscht.

"Wenn der Ball normal weggesprungen wäre, hätte ich ihn gehalten", sagte Lehmann: "Das ist problematisch hier: Der Platz ist sehr holprig. Das ist nicht förderlich - sowohl für die Spieler als auch für den Torwart."

Leistungsabfall der Leistungsträger

Er hatte sich sein Heimdebüt in der Liga nach dem Traumstart in Mönchengladbach am vergangenen Wochenende anders vorgestellt. Beim 3:1 gegen den Aufsteiger war er noch einer der Besten auf dem Platz gewesen.

Weil der Keeper nicht der einzige VfB-Spieler war, der nicht an die Leistung der Vorwoche anknüpfen konnte, folgte bereits beim ersten Heimauftritt die Ernüchterung.

Spielmacher Jan Simak, der vergangenes Wochenende als Vorbereiter geglänzt hatte, blieb gegen seinen Ex-Klub ebenso blass wie die Torschützen der Vorwoche Thomas Hitzlsperger und Mario Gomez.

"Nicht präsent, nicht aggressiv genug"

Zu behäbig spielten die Schwaben nach vorne, zu viele Fehler leisteten sie sich im Spielaufbau und in der Defensive.

Die Abwehr um Neu-Nationalspieler Serdar Tasci, die schon beim ersten Gegentreffer bereitwillig Beihilfe leistete, wirkte auch beim 0:2 durch Theofanis Gekas (89.) unorganisiert.

"Wir waren nicht präsent, nicht aggressiv genug", haderte VfB-Trainer Armin Veh: "Leverkusens Sieg geht völlig in Ordnung, sie waren das klar bessere Team."

"Das ist alles Kopfsache"

Vor dem Rückspiel in der UEFA-Cup-Qualifikation in Györ am Donnerstag (Hinspiel 2:1) weiß Veh derzeit offenbar selbst noch nicht, wo sein Team genau steht.

Weil seine Akteure zuletzt durchaus zu überzeugen wussten, appellierte der Augsburger vor allem die Einstellung seiner Schützlinge.

"Das ist alles Kopfsache", sagte Veh: "Man muss mehr Verantwortung übernehmen. Das haben wir nicht getan."

"Leverkusen hatte das gleiche Problem"

Die Spieler, die Verantwortung übernehmen sollten, wirkten müde. Der Mannschaft war anzumerken, dass die frühe Länderspielpause den reibungslosen Start in die Runde erschwert. Sieben VfB-Spieler waren unter der Woche auf Länderspielreise.

"Viele sind müde von der Nationalmannschaft", sagte Hitzlsperger: "Leverkusen hatte wahrscheinlich das gleiche Problem, aber sie kamen damit besser zurecht."

Tatsächlich gelangen dem Team von Bruno Labbadia trotz ebenfalls hoher Fehlpassquote noch die gefälligeren Kombinationen.

Helmes und Rolfes stark

Angetrieben von Helmes und dem emsigen Simon Rolfes erspielten sich die Gäste die besseren Möglichkeiten.

Renato Augusto bestätigte in der ersten Halbzeit mit feinen Pässen und Tempodribblings den Eindruck, dass sich Leverkusen mit dem Brasilianer ein Mittelfeld-Juwel geangelt hat.

Weniger individuelle Fehler

Zwar ließ die Hintermannschaft auch mehrere VfB-Chancen zu, insgesamt wirkte das Team aber gefestigter als bei der Auftaktniederlage gegen den BVB.

"Wir waren konzentrierter. Wir haben keine individuellen Fehler gemacht, die letzte Woche gegen Dortmund noch passiert sind", analysierte Sportdirektor Rudi Völler.

Wie schon am ersten Spieltag beeindruckte die Labbadia-Elf mit Spielfreude und schnell vorgetragenen Angriffen über die Außenbahnen.

"Dreckig dazwischen hauen"

Anders als gegen Dormund stimmte dieses Mal auch das Resultat.

"Wir haben in der ersten Halbzeit aggressiv gespielt, haben den Ball laufen lassen und Stuttgart nicht zur Entfaltung kommen lassen", sagte Labbadia.

Sein Team habe gelernt, dass "das Ergebnis zählt, dass manchmal auch ganz dreckig dazwischen gehauen werden muss."

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