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Jürgen Klinsmann wurde mit der DFB-Elf 1990 Welt- und 1996 Europameister © getty

Nach dem Desaster von Barcelona steht für Klinsmann am Samstag gegen Eintracht Frankfurt ein echtes Endspiel an.

München - Jürgen Klinsmann hat nach eigener Auskunft "noch Freude" an seinem Job, doch nach dem Desaster beim FC Barcelona (Spielbericht) ist klar: Er ist bei Bayern München nur noch Trainer auf Abruf.

Schon bei einem Remis am Samstag gegen Eintracht Frankfurt (ab 15 Uhr LIVE) wäre seine Amtszeit wohl vorzeitig beendet, die Nachfolgediskussion ist bereits in vollem Gange.

Denn an eine Fortsetzung des "Projekts Klinsmann" über das Saisonende hinaus will an der Isar niemand mehr glauben. Außer Klinsmann selbst.

"Helm auf und durch"

"Ich bin ein Kämpfer und sage 'Helm auf und durch'. Ich mache weiter und bin sicher, dass ich die Mannschaft noch erreiche. Ich kann mit diesem Team noch sehr viel bewegen. Und ich weiß, wo man die Hebel ansetzen muss", sagte er nach dem 0:4 im Camp Nou.

Es sei weiter "eine Freude, für den Klub in der Verantwortung zu stehen". Die Mannschaft wirkt allerdings demoralisiert: "Aktuell sind wir am Boden", räumte Luca Toni ein.

Auch Klinsmanns Vorgesetzten war der Spaß nach der neuerlichen Klatsche vergangen.

Rummenigge will rational bleiben

"Ich weiß nicht, was ich mehr bin: schockiert, traurig oder wütend", hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in einer denkwürdigen Bankett-Ansprache nach der "Blamage" gesagt.

Udo Lattek war sogar in Tränen ausgebrochen. "Ein bisschen habe ich geweint. Ich habe so eine Wut gehabt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr", erklärte der frühere Bayern- und Barca-Trainer im DSF.

Trotz aller dieser Vorkommnisse schloss Rummenigge den sofortigen Rauswurf Klinsmanns aber aus:

"Es gilt jetzt, rational zu bleiben, keine unsinnigen Entscheidungen zu treffen." Allerdings könnte auch die vermutlich hohe Abfindung für den früheren Bundestrainer im Falle einer Entlassung eine Rolle spielen.

Rummenigge hatte die Idee, Klinsmann nach München zu holen, und gilt nach wie vor als Fürsprecher des Trainers. Manager Uli Hoeneß dagegen steht trotz jüngster Lippenbekenntnisse weniger deutlich zu ihm.

Große Namen als Nachfolger gehandelt

Man müsse nun versuchen, in der Meisterschaft "unsere Ziele zu erreichen", forderte Hoeneß: "Gelingt das nicht, wird es sehr, sehr schwierig" - für Klinsmann.

Armin Veh, Matthias Sammer, Bernd Schuster, Frank Rijkaard und Sven-Göran Eriksson gelten als mögliche Klinsmann-Erben, bei einer Trennung noch in dieser Saison ist auch das Duo Paul Breitner und Michael Henke denkbar.

Angebot an Wenger

Wie die englische Tageszeitung "Daily Mail" berichtet, sollen die Bayern auch Arsenals Coach Arsene Wenger ein Angebot unterbreitet haben.

Die Münchner sollen dem Franzosen 5,6 Millionen Jahresgehalt bieten. Zudem würde Wenger angeblich in München die gleiche Möglichkeit erhalten, afrikanische und französische Spieler zu verpflichten wie in London. Auch Geld für den Einkauf von Superstars würde ihm zur Verfügung gestellt.

Klinsmann mit Durchhalteparolen

Klinsmann verbreitet davon unbeeindruckt weiter Durchhalteparolen.

"Jetzt weiß die Mannschaft, dass es fünf vor zwölf ist, dass sie die drei Punkte Rückstand wettmachen muss. Daran werden der Trainer und jeder einzelne Spieler gemessen. Aber ich bin absolut davon überzeugt, dass wir das schaffen", sagte Klinsmann.

"Können keine Rücksicht auf Bayern nehmen"

Die Eintracht hingegen weiß um die prekäre Situation bei den Bayern, das Debakel bei Barca hat das Team gemeinsam verfolgt.

"Man wünscht es Klinsmann nicht, aber wir können keine Rücksicht auf ihn nehmen und wollen das Beste aus der Lage bei Bayern machen", sagte Verteidiger Marco Russ.

"Wir müssen punkten", forderte Michael Fink. Schließlich hat sich auch die Eintracht noch nicht endgültig aller Abstiegssorgen entledigt. 91171(DIASHOW: Historie Bayern - Frankfurt)

Nach dem Heimsieg gegen Cottbus in der vergangenen Woche dürften die Hessen aber dennoch relativ befreit aufspielen.

Lucio kehrt zurück - Rensing auch?

Immerhin gibt es eine gute Nachricht für die Münchner: Lucio kehrt in den Kader zurück. Dafür fällt aber Philipp Lahm weiterhin aus, Daniel van Buyten weilt weiter bei seinem schwer erkrankten Vater in Belgien.

Eine neue Baustelle hat sich zudem im Tor aufgetan (Klinsmanns Torwart-Debakel). Nach der Degradierung von Stammkeeper Michael Rensing in Barcelona geht dieser davon aus, am Samstag gegen Frankfurt wieder zu spielen.

In welcher Verfassung er nach der persönlichen Demontage ist, müsste dann das Spiel zeigen.

Toni: Team will für Klinsmann spielen

Luca Toni versprach allerdings, dass die Mannschaft für Klinsmann spielen werde.

"Der Trainer ist der Trainer des FC Bayern, und wir müssen versuchen zu gewinnen: Für den Trainer und die ganze Mannschaft", sagte der italienische Weltmeister am Freitag.

Den Spielern scheint durchaus bewusst zu sein, was für den ganzen Klub auf dem Spiel steht. Toni: "Werden wir Meister, ist die Saison einigermaßen gerettet." Wenn nicht, sei die "ganze Spielzeit gescheitert".

Gegen Frankfurt erweist sich, ob die Mannschaft den Ernst der Lage und die Worte Tonis wirklich begriffen hat und loyal zum Trainer steht.

Sonst darf sie schon bald mit einem neuen Coach arbeiten.

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