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Lange Gesichter in Hoffenheim: Christoph Janker (l.) und Tobias Weis © getty

Drei Gegentore und zwei Rote Karten bringen die kurz zuvor ausgelobten internationalen Absichten des Rangnick-Teams in Gefahr.

Sinsheim - Als sich Bochums Matchwinner Stanislav Sestak nach seinem Dreierpack feiern ließ, waren Hoffenheims "Rambos" längst in der Kabine verschwunden.

Nach dem 0:3 (0:1) gegen den Abstiegskandidaten VfL Bochum, Platzverweisen für Carlos Eduardo und Daniel Haas innerhalb von zwei Minuten und neun Spielen in Folge ohne Sieg sind die einstigen Himmelsstürmer von 1899 Hoffenheim endgültig auf dem Boden der Tatsachen gelandet. (zum Spielbericht)

Vom Sprung auf Europas Fußball-Bühne spricht beim Bundesliga-Herbstmeister niemand mehr.

"Wir brauchen uns nicht mehr über Saisonziele unterhalten. Nun geht es darum, erstmal überhaupt wieder ein Spiel zu gewinnen", sagte Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick, der am Tag zuvor noch Rang fünf und die Qualifikation für den Europapokal als Ziel ausgegeben hatte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Rangnick gesteht "Ergebniskrise" ein

Doch nach der Pleite gegen Bochum gestand auch Rangnick eine "Ergebniskrise" ein, und sein hochroter Kopf bei der Analyse passte zum Geschehen auf dem Platz.

Erst musste Spielmacher Eduardo nach einem Ellbogencheck gegen Phillip Bönig vom Platz (59.). Zwei Minuten später wurde auch Torhüter Daniel Haas, der den verletzten Ex-Nationaltorhüter Timo Hildebrand vertrat, nach einer Notbremse in Tateinheit mit einem groben Foulspiel gegen Sestak von Schiedsrichter Babak Rafati ebenfalls mit Recht des Feldes verwiesen.

Vor allem die erneute Unbeherrschtheit von Eduardo vor 30.150 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena ließ Rangnick die Zornesröte ins Gesicht steigen. "Solche Dinge wollen wir nicht sehen", sagte der Coach, der offen ließ, ob er interne Sanktionen gegen seinen Mittelfeldregisseur verhängen wird.

Hoffen auf Hildebrand

Klar ist, dass Eduardo als Wiederholungstäter mit einer längeren Sperre zu rechnen hat. Der Brasilianer wird Hoffenheim nicht nur im Derby am kommenden Samstag beim Karlsruher SC fehlen.

Da auch Haas in Karlsruhe gesperrt sein wird, hofft Rangnick, dass zumindest Hildebrand bis dahin seine Schleimbeutelentzündung im linken Knie auskuriert hat und zwischen die Pfosten zurückkehren kann.

"Der erste Salto meines Lebens"

Während Eduardo und Haas als Sünder in die Feiertage schlichen, genoss Sestak seinen ersten Dreierpack in der Bundesliga.

"Ich hatte zuletzt keine einfache Zeit, aber heute bin ich ein glücklicher Mensch", sagte der Slowake, der im Nachhinein sogar über das Foul von Haas schmunzeln konnte: "Das war der erste Salto meines Lebens."

Sestak war nach einem harten Tackling des 1899-Keepers in hohem Bogen durch die Luft geflogen und hatte sich nur mit viel Glück nicht verletzt.

Dreierpack in 27 Minuten

Zuletzt hatte der Slowake zweimal nicht in der Anfangsformation gestanden.

Nur wegen der Verletzung von Diego Klimowicz durfte der 26-Jährige im Sturmzentrum auflaufen und verschaffte den Westfalen mit drei Toren innerhalb von 27 Minuten (42., 55., 69.) Luft im Abstiegskampf.

"Stanislav hat sich vorbildlich und professionell verhalten. Er hat im Training richtig Gas gegeben, deshalb freue ich mich für ihn", sagte VfL-Coach Marcel Koller.

Klassenerhalt "steht über allem"

Kurios: Sestak sollte in der Winterpause als Ersatz des verletzten Torjägers Vedad Ibisevic nach Hoffenheim wechseln, schlug das Angebot des Herbstmeisters aber aus.

Für den Stürmer zählt nur der Klassenerhalt mit Bochum. "Dieses Ziel steht über allem. Das ist auch wichtiger als meine drei Tore", sagte Sestak und blickte voraus:

"Wenn wir jetzt in der nächsten Woche im Revierderby gegen Borussia Dortmund nachlegen, bin ich fest davon überzeugt, dass wir mit dem Abstieg nichts mehr zu tun bekommen."

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