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Klinsmann (l.) und Hoeneß bleiben noch sieben Spiele, um das Titelrennen zu drehen © getty

Nach dem 4:0-Sieg gegen Frankfurt wirkt der lange Schatten von Barcelona nach. Die Meisterschaft ist der letzte Rettungsanker.

Von Manuel Krons und Christian Stüwe

München - Auf Seiten des FC Bayern war man sich einig nach dem Spiel:

"Frankfurt ist nicht Barcelona", wiederholte Kapitän Mark van Bommel das meistgeäußerte Statement nach dem mühelosen 4:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. (Spielbericht)

Und weil die Bundesliga ebenso wenig die Champions League ist, kam auf Seiten des Rekordmeisters trotz des souveränen Erfolges keine Euphorie auf.

Im Spiel gegen die Hessen ging es nach dem 0:4-Debakel gegen Barca schließlich nur darum, zu "retten, was zu retten ist", wie Manager Uli Hoeneß formulierte.

Das war am Samstagnachmittag nicht weniger als die verlorene Bayern-Ehre und mutmaßlich der Job von Trainer Jürgen Klinsmann.

"Stehen mit dem Rücken zur Wand"

Der Trainer der Münchner zeigte sich nach dem gelungenen Auftakt zur Rettungsmission kämpferisch:

"Der Vorstand weiß sehr gut, was ich kann - und das werde ich mit aller Kraft und Freude weiter tun", sagte Klinsmann. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen fast jedes Spiel gewinnen, aber das werden wir auch."

Auch wenn er eingestand, dass der Erfolg gegen den Tabellenzwölften der Bundesliga "nicht alles reparieren kann".

Meisterschaft als letzter Rettungsanker

Für ihn und die Bayern gibt es in dieser Saison nicht mehr viel zu gewinnen. Wie im Spiel gegen Frankfurt geht es für die Münchner insgesamt darum, den Schaden zu begrenzen.

Nach dem Aus im DFB-Pokal und der schier aussichtslosen Lage für das Champions-League-Rückspiel gegen Barcelona, bleibt den Bayern die Meisterschaft als letzter Rettungsanker.

Auch für Klinsmanns Weiterbeschäftigung ist sie vermutlich der letzte Strohhalm. "Wir wollen um jeden Preis Meister werden. Und dass wir das schaffen, glauben wir", so der ehemalige Nationalstürmer.

Noch kein Mal Tabellenführer

Dass sein Team weiterhin drei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Wolfsburg hat und der Hamburger SV am Sonntag mit einem Sieg ebenfalls vorbeiziehen könnte, sind da eher unangenehme Nachrichten.

Ebenso, dass Bayern seit Saisonbeginn noch kein Mal Tabellenführer war (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Butt der Mann der Stunde

Man werde nun jedes Spiel angehen wie ein Endspiel, betonte Klinsmann.

Und weil solch extreme Situationen, häufig ungewöhnliche Entscheidungen verlangen, gab der Bayern-Coach Torhüter Jörg Butt nicht nur trotz des Einsatz-Versprechens an Konkurrent Rensing den Vorrang, sondern sprach dem erfahreneren Butt auch noch für den Rest der Saison das Vertrauen aus.

In einer "Phase, in der es in jedem Spiel um alles oder nichts geht", sei der ehemalige Leverkusener "einen Schritt voraus".

Darüber hinaus sei Butt innerhalb weniger Monate "zu einem Leader gereift".

Barcelonas langer Schatten

Kölns zukünftiger Stürmer Lukas Podolski ließ nach dem sonnigen Nachmittag in der Allianz -Arena keine Zweifel daran, dass der lange Schatten von Barcelona die Münchener noch im Griff hat.

"Wir stehen alle gemeinsam in der Scheiße", lieferte der Nationalstürmer den Spruch des Tages.

"Man wollte mich abservieren"

Klinsmann will sich der Situation stellen und erinnert an seine Situation als Nationaltrainer nach der 1:4-Niederlage gegen Italien:

"Ich habe ähnliche Situation durchgemacht mit der Nationalmannschaft. Drei Monate vor der WM wollte man mich abservieren, und danach gab es das Sommermärchen. Ich weiß, dass ich mit dem FC Bayern Deutscher Meister werden kann - und werde."

Wenn nötig, werde er seinen Kopf auch "noch mehr gegen den Wind richten".

Starke Worte.

Am Samstagnachmittag hat sich niemand mehr getraut zu sagen, dass Bayern nicht die Nationalmannschaft ist.

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