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Josip Simunic kam 2000 vom Hamburger SV zur Hertha nach Berlin © getty

Nach der Niederlage der Berliner in Hannover warnt Trainer Favre vor dem Absturz. Die Niedersachsen atmen auf und bangen um Enke.

Von Felix Götz

München - "In diesem Jahr ist viel möglich. Warum sollten wir nicht von der Meisterschaft sprechen."

Gerade vier Wochen ist es her, dass Herthas Innenverteidiger Josip Simunic derart forsch die Titelträume einer ganzen Stadt zum Ausdruck brachte.

Nach der dritten Pleite in Folge beim 0:2 gegen Hannover 96 herrscht bei der Hertha aber Katerstimmung. (SPIELBERICHT: Nächster Dämpfer für Berlin)

Von der Meisterschaft spricht außer Simunic keiner mehr, stattdessen warnt Trainer Lucien Favre davor, trotz sechs Punkten Vorsprung auf Platz sechs, am Ende alles zu verspielen. (DATENCENTER: Die Bundesliga-Tabelle)

"Wir haben alle vom Titel geträumt und nur über Siege nachgedacht. Jetzt müssen wir uns konzentrieren und einen UEFA-Cup-Platz sichern", sagte der Schweizer.

Favre ratlos

Die Frage, mit welchem Personal der 51-Jährige das anstellen möchte, konnte selbst Favre nicht beantworten: "Ich weiß es nicht."

Denn nach Kapitän Arne Friedrich (Friedrich droht das Saisonaus) fallen nun noch zwei Stammspieler aus.

Dass Patrick Ebert gegen die Niedersachsen seine fünfte Gelbe Karte sah und in der nächsten Woche gegen Werder Bremen aussetzen muss, ist noch einigermaßen zu verkraften.

Voronin geht der Gaul durch

Aber das unrühmliche Jubiläum, für das Top-Torjäger Andrej Voronin sorgte, konnte Manager Dieter Hoeneß nicht akzeptieren.

"Dafür gibt es keine Entschuldigung. Ihm ist der Gaul durchgegangen", schimpfte der 56-Jährige.

Folgendes war passiert: Der Ukrainer verlor nach einem bissigen Zweikampf mit Leon Andreasen die Nerven und trat nach - Schiedsrichter Michael Kempter hatte keine Wahl und verwies den Stürmer als 1000. Spieler in der Bundesliga-Geschichte mit der Roten Karte des Feldes.

Voronins Aktion erklärbar

Die Aktion von Voronin ist zwar nicht zu entschuldigen, aber erklärbar. Denn die Leihgabe vom FC Liverpool vergab ungewohnt viele gute Torchancen und war deshalb frustriert.

Insgesamt kam für die Berliner in Hannover einiges zusammen. Die auf Rang vier abgerutschte Hertha feuerte mehr Torschüsse ab, gewann mehr Zweikämpfe, hatte mehr Ballbesitz und traf bereits in der ersten Minute die Latte - die Tore erzielte aber Hannover.

"Wir hatten gute Chancen und haben die Tore nicht geschossen. Dafür haben wir Gegentreffer kassiert, ohne große Chancen zuzulassen", analysierte Favre frustriert.

Hannover im Stile der Hertha

Den Gegner zeichnete kurioserweise genau das aus, was die Berliner vor einiger Zeit noch stark gemacht hatte - die Effizienz.

Es dauerte nämlich bis zur 29. Minute, ehe Hannover den ersten passablen Angriff vortrug.

Von der linken Seite schlug Konstantin Rausch eine herrliche Flanke auf die einzige Spitze Mike Hanke. Der ließ aus sieben Metern Hertha-Keeper Jaroslav Drobny mit einem Kopfball in die lange Ecke keine Chance.

Simunic erkennt die Realität

Noch vor der Pause hatte die Hertha mehrfach die Chance zum Ausgleich, scheiterte aber entweder am guten 96-Torhüter Robert Enke, oder am eigenen Unvermögen.

"Wenn man keine Tore macht, dann kann man auch kein Spiel gewinnen", erkannte "Chef-Träumer" Simunic die bittere Realität.

So klingelte es nach gut einer Stunde erneut, als Hanke den Ball flach von rechts nach innen spielte, Sergio Pinto für Arnold Bruggink auflegte, und der Niederländer aus sechs Metern locker zum 2:0 einschob. An diesem Ergebnis änderte sich bis zum Schluss nichts mehr.

Hannovers Befreiungsschlag

Bei all den Enttäuschungen regte sich auf Berliner Seite im Nachhinein auch keiner mehr darüber auf, dass ein regulärer Treffer von Raffael wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht gegeben wurde.

Während die Hertha einen herben Dämpfer einstecken musste, gelang den abstiegsgefährdeten Hannoveranern ein Befreiungsschlag.

"In unserer Situation war das ein wichtiger Sieg", atmete 96-Trainer Dieter Hecking auf.

Gerüchte um Enke

In der Tat: Dadurch dass im Tabellenkeller weder Borussia Mönchengladbach noch Arminia Bielefeld punkteten, verdoppelten die Niedersachsen ihren Vorsprung auf den Relegationsplatz auf sechs Punkte.

Im Abstiegskampf hat sich die Hecking-Elf also Luft verschafft, dafür hält sich eisern das Gerücht, dass der FC Bayern an Enke interessiert sei.

"Es gibt weder telefonischen Kontakt, noch eine Anfrage", beschwichtigte 96-Boss Martin Kind zwar, fügte aber hinzu: Wenn eine Anfrage kommt, sind wir offen für Gespräche."

Den Nationaltorhüter selbst ließen die Spekulationen kalt: "Wer sagt denn, dass die Bayern mich überhaupt wollen."

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