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Juan Bernat (l.) spielte 51-mal für den FC Valencia in der Primera Division © getty

Juan Bernat verstärkt beim FC Bayern die linke Seite. Matthias Sammer schwärmt vom 21-Jährigen. Diego Contento wird wohl gehen.

Von Florian Bogner

München - In Paterna ahnten sie schon Böses.

Juan Bernat war am Montagmorgen beim Trainingsstart des FC Valencia im Trainingszentrum in Paterna nicht dabei, der Verein führte auf Nachfragen "persönliche Gründe" fürs Fernbleiben des 21-Jährigen an.

Persönliche Gründe ? das war in dem Fall eine Reise nach München: Medizincheck beim FC Bayern, der am Nachmittag die Verpflichtung des Linksverteidigers vermeldete (BERICHT: FC Bayern holt Spanier Bernat).

Sammer schwärmt

Die wichtigsten Zahlen: Fünf Jahre Vertrag, zehn Millionen Euro Ablöse plus bis zu zwei weitere Millionen Erfolgsprämie. (840492DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt)

"Juan Bernat ist ein außergewöhnlicher, junger Spieler, den wir schon lange beobachtet haben. Er ist schnell, zweikampfstark, hat einen unglaublichen Zug zum Tor", sagte Sportvorstand Matthias Sammer zur Verpflichtung. "Wir sind sicher, dass wir mit Juan Bernat eine sehr gute Investition für die Zukunft unserer Mannschaft getätigt haben."

Womit Sammer Recht haben könnte. Die Münchner hatten Bernat schon seit längerem auf dem Zettel. Erste Verbindungen wurden Bernat und Bayern bereits im Januar nachgesagt, nun schlug der Deutsche Meister zu. An Bernat war auch Inter Mailand interessiert, der 21-Jährige entschied sich aber für München.

Rückennummer wie zuletzt Klose

"Ich bin sehr glücklich, dass ich künftig bei diesem großen Klub spielen darf", sagte Juan Bernat und schwärmte vom FC Bayern als einem "der größten Klubs Europas und der Welt". Bernat wird die Rückennummer 18 tragen, die hatte zuletzt Miroslav Klose bis 2011 benutzt.

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"Ich freue mich sehr, künftig mit Spielern wie Lahm, Neuer, Schweinsteiger, Robben und Ribery in einem Team zu stehen und Pep Guardiola als Trainer zu haben. Ich werde alles geben, um mit diesem Klub Erfolg zu haben", so sein Statement.

Dass Bernat es auf Anhieb zum Stammspieler schafft, ist kaum zu erwarten. Wenn er am Donnerstag ? einen Tag nach dem offiziellen Trainingsauftakt ? zum FC Bayern stößt, wird er sich erst mal hinter David Alaba einreihen müssen, soll aber auf den Österreicher Druck machen.

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Contento kann gehen

Letztlich ist Bernats Verpflichtung konsequent und Teil des Bayern-Plans, jede Position doppelt mit starken Spielern besetzt zu haben. Da war auf der Linksverteidigerposition noch Bedarf - Guardiola hatte dort den bisherigen Alaba-Ersatz, Diego Contento, nur sporadisch eingesetzt.

Alaba spielte dafür von allen Bayern-Feldspielern mit am häufigsten. Mit Bernat im Kader wird Guardiola dem Österreicher künftig mehr Verschnaufpausen gönnen können. Bernat biedet Alaba also Druck und Entlastung.

Will Guardiola sowohl Bernat als auch Alaba aufbieten, könnte er den Österreicher auch (als Kroos-Ersatz?) im Mittelfeld einsetzen, was ohnehin Alabas präferierte Position ist.

Durch den Transfer ist derweil so gut wie sicher, dass Diego Contento (Vertrag bis 2016) den Verein nach 19 Jahren verlässt. Bernat ist nach Stürmer Robert Lewandowski und Mittelfeldspieler Sebastian Rode Bayerns dritter Neuzugang für diese Saison. Ein Innenverteidiger soll noch kommen.

Angebot abgelehnt

Bernat, der bei Valencia bis 2015 unter Vertrag stand, hatte zuvor ein Angebot zur Vertragsverlängerung bei Valencia ablehnt, wollte unbedingt den nächsten Schritt in seiner Karriere machen.

In seinem Vertrag war eine Ausstiegsklausel über 20 Millionen Euro verankert, Bayern und Valencia einigten sich aber nun auf rund die Hälfte. Ab 1. Januar hätte Bernat ohnehin für die Spielzeit 2015/2016 frei verhandeln dürfen, Valencia wäre dann ohne Ablöse dagestanden.

"Wir sind sehr zufrieden, sowohl mit dem Spieler als auch dem FC Valencia eine sehr gute und schnelle Lösung gefunden zu haben", sagte Bayerns Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen.

Nur ein Tor, zwei Vorlagen

Bei Valencia hatte der 1,72 große Linksfuß erst in der vergangenen Saison den Durchbruch geschafft und es in 32 Einsätzen in der Primera Division auf ein Tor und zwei Vorlagen gebracht, was nicht unbedingt den von Sammer erwähnten "unglaublichen Zug zum Tor" widerspiegelt.

Zum Vergleich: Alaba hatte vergangene Saison sechs Treffer vorbereitet, zwei selbst erzielt.

Was Bernat für Bayern interessant machte, ist dessen technische und mannschaftstaktische Versiertheit, sein gutes Kurzpassspiel. Flanken gehören dagegen nicht zu seinen besten Qualitäten ? wenn er auch im Europa-League-Halbfinale gegen Sevilla ein Tor von außen vorbereitete.

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Seit 2000 bei Valencia

In seiner ganzen Fußballerlaufbahn hat Bernat für keinen anderen Verein als Valencia gespielt. In Cullera südlich von Valencia geboren, ging er mit sieben Jahren bereits auf Valencias Sportschule in Paterna und durchlief alle Jugendmannschaften.

Sein Profidebüt für Valencias Reserve gab Bernat mit 17, debütierte in der ersten Mannschaft mit 18 und brachte es bis dato auf 51 Erstliga- und 15 Europacup-Einsätze (1 Tor).

Für die spanische Nationalmannschaft war Bernat bis dato noch kein Thema, durchlief aber alle U-Teams von der U16 bis U21. 2012 wurde mit der U19 in Estland Europameister, kam in fünf Spielen aber nur dreimal als Einwechselspieler zum Einsatz.

"Professionell und einwandfrei"

In der laufenden EM-Quali der U21 kam er in vier der sechs Spiele von Beginn an zum Einsatz und spielte auch beim 2:0-Testspielsieg gegen die deutsche Elf im März 66 Minuten lang.

Valencia verabschiedete Bernat in einer offiziellen Pressemitteilung mit warmen Worten, bedankte sich für seinen "professionellen und einwandfreien" Einsatz von der Fußballschule in Paterna an bis ins Profi-Team.

Am Dienstag wird sich Bernat in Valencia von den Fans verabschieden.

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