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Jürgen Klinsmann trainierte bis 2006 die deutsche Nationalelf © getty

"Er hat die Mannschaft verloren." Günter Netzer greift Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann an - der wehrt sich gegen die Kritik.

Von Melanie Läufle

München - Kritik hat sich Jürgen Klinsmann in seiner Zeit als Bayern-Trainer schon einige anhören müssen. Doch wie nun Günter Netzer loslederte, dürfte selbst den Berufs-Optimisten Klinsmann verwundert haben.

"Jürgen Klinsmann ist bei Bayern gescheitert", behauptet Netzer. Der ehemalige Nationalspieler wirft Klinsmann in der "Bild am Sonntag" unter anderem "Arroganz und Selbstüberschätzung" vor und kommt zu dem Schluss: "Bayern und Klinsmann - es ist ein einziger Irrtum."

"Klinsmann hat die Mannschaft verloren"

Ex-Bundestrainer Klinsmann habe "nichts von dem erfüllt, was ihm als Ruf vorausgeeilt war". Das 0:4 im Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League am vergangenen Mittwoch (Artikel: Bayern erlebt Desaster in Barcelona) "spricht für sich - und gegen Klinsmann. Seine Mannschaft hat sich verselbstständigt, er hat die Mannschaft verloren", schrieb Netzer in seiner Kolumne.

Der Bayern-Trainer wehrt sich

"Ich habe kein Problem mit Günter Netzer. Ich würde mir nur wünschen, dass er, wenn er sowas sagt, an die Säbener Straße kommt und unser Training anschaut. Denn er war noch nie da und gibt Dinge von sich, von denen er letztlich keine Ahnung hat", wehrte sich Klinsmann im DSF gegen die harsche Kritik.

Vorwurf: Kein Realitätsbezug

Klinsmann sei mit dem Anspruch angetreten, jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen, doch "auch diesen groß angekündigten Vorsatz können wir als misslungen abhaken", meinte Netzer.

Dass der umstrittene Coach unlängst davon sprach, noch "viele, viele Jahre" bei den Bayern bleiben zu wollen, beweist laut Netzer: "Er hat den Sinn für die Realität verloren."

Netzer kreidet Klinsmann auch an, dem Team gegen Barcelona nicht genug Kampfkraft und Leidenschaft eingeimpft zu haben.

Klinsmanns Fitness-Versprechen kommentiert Netzer süffisant: "Die Wolfsburger von Felix Magath wirkten im direkten Vergleich wesentlich stärker als die Bayern mit ihrer Riege von amerikanischen Fitmachern."

Bilanz bisher enttäuschend

Auch wenn der Bayern-Trainer Netzers Fundamentalkritik zurückweist, sprechen einige Fakten dafür, dass das Projekt Klinsmann bisher in München nicht von Erfolg geprägt war:

Acht der bisher 13 Bayern-Trainer hatten in ihrem ersten Jahr an der Isar nach 27 Spielen mehr Punkte auf dem Konto als Klinsmann.

Und zwei Pflichtspiel-Niederlagen in Folge mit vier Toren Differenz erlebten die Bayern zuletzt vor über 30 Jahren - im November 1977.

Eine Saison ohne Tabellenführung gab es für den Rekordmeister zuletzt 2003/04 unter Ottmar Hitzfeld. Der "General" musste anschließend gehen.

Der Schwabe am Kommando-Stand der Bayern wird nach dem Aus im DFB-Pokal und der 0:4-Schlappe von Barcelona mit vielerlei Vorwürfen konfrontiert.

"Nichts aus der Mannschaft gemacht"

Bayerns-Torwartlegende Sepp Maier polterte unlängst: "Klinsmann hat gar nichts aus der Mannschaft gemacht."

Und Lothar Matthäus kritisierte bereits nach dem mäßigen Rückrundenauftakt die Taktik der Roten. "Trainer Jürgen Klinsmann strahlt immer Optimismus aus. Seine Philosophie ist sehr offensiv ausgerichtet", erklärte der Rekordnationalspieler.

Doch: "Nur mit der Offensive kann man jedoch keine Titel gewinnen, sondern man darf auch die Defensive nicht vernachlässigen".

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