vergrößernverkleinern
Schock für den HSV in der Nachspielzeit: Mario Gomez trifft zum Sieg der Stuttgarter © getty

Nach dem späten K.o. in Stuttgart zeigen sich die Hamburger frustriert. Die dreifach Belastung könnte zum Nachteil werden.

Von Julian Ignatowitsch

München - Der K.o. kam spät, war dafür aber umso schmerzhafter.

Beim VfB Stuttgart hielt der Hamburger SV lange Zeit einen Punkt fest, um am Ende dann doch mit leeren Händen dazustehen.

Mario Gomez verpasste den Hamburger Titelträumen mit seinem Tor in der Nachspielzeit zum 1:0 (0:0) einen herben Dämpfer.

War der HSV am vergangenen Wochenende noch der große Gewinner, liegen sie nun nur noch auf Platz drei hinter dem Spitzenreiter VfL Wolfsburg und den punktgleichen Bayern und müssen einen psychologischen Rückschlag wegstecken.

Jol: "So ist das ganz bitter"

"Mit einem Punkt wäre ich ja noch zufrieden gewesen", resümierte Trainer Martin Jol: "Aber so ist das ganz bitter."

Noch deutlicher wurde Verteidiger Marcell Jansen: "Dieses Ergebnis ist sehr ärgerlich. Da spielen wir schon nicht gut und dann fangen wir uns in der 90. Minute so ein Scheiß-Ding ein."

HSV zu inkonsequent

Tatsächlich war der Siegtreffer der Schwaben ein typisches Last-Minute-Tor - mehr Zufallsprodukt als planvoller Spielzug.

Dennoch war das Ergebnis letztlich verdient. Hamburg stellte die Offensivbemühungen in der zweiten Halbzeit weitgehend ein und schien mit einem Punkt zufrieden zu sein.

Und dass obwohl "die Stuttgarter heute auch nicht viel gemacht haben und im Spiel nach vorne viel zu harmlos waren", wie es Jansen umschrieb. "Uns hat die letzte Konsequenz gefehlt", meinte der Linksverteidiger.

Dreifach Belastung als Problem?

Ein wenig war dem HSV wohl auch die Müdigkeit aufgrund der englischen Woche mit dem UEFA-Cup-Spiel gegen Manchester City anzumerken.

Auch wenn Jol diese Ausrede nicht gelten lassen will - Hamburg ist neben Werder Bremen als einziges deutsches Team noch in drei Wettbewerben (Bundesliga, UEFA-Cup, DFB-Pokal) vertreten. Im Meisterschaftskampf könnte sich das noch als großer Nachteil herauskristallisieren.

Glänzten die Hanseaten in den vergangenen Wochen immer durch ihre effektive Spielweise, hatten sie gegen Stuttgart auch Pech: Ivica Olic (43.) und Dennis Aogo (90.) trafen in den spielentscheidenden Phasen jeweils die Latte.

Gomez schießt VfB ins Glück

Dafür wurde Mario Gomez einmal mehr zum Matchwinner. Mit seinem 15. Saisontor schoss er den VfB ins Glück.

"Die Emotionen waren riesengroß. Das Stadion ist explodiert, genauso wie wir", beschrieb Trainer Markus Babbel die Stimmung nach dem Siegtreffer.

Bereits zum 14. Mal in dieser Saison, zum neunten Mal unter der Leitung von Babbel, erzielten die Schwaben ein Tor in der Schlussviertelstunde.

Stuttgart festigt Rang fünf

"Das zeigt mir, dass die Mannschaft körperlich und mental topfit ist und nie aufgibt", freute sich Babbel. "Genau so war es heute: Wir haben bis zum Schluss an uns geglaubt und Chancen herausgespielt - dafür wurden wir belohnt."

Stuttgart festigt den fünften Tabellenplatz und liegt sogar nur noch drei Punkte hinter einem Champions-League-Rang.

"Es wäre jetzt aber vermessen nach oben zu schauen", dämpft Babbel die Erwartungen. "Der Konkurrenzkampf ist so hart. Wir wollen einfach Woche für Woche vollen Einsatz zeigen. Mal schauen, was dann herauskommt."

Babbel mit hervorragender Bilanz

Dabei ist die Bilanz seit dem Amtsantritt Babbels hervorragend: Hinter dem VfL Wolfsburg ist Stuttgart das zweitbeste Team der Rückrunde und hat unter dem neuen Teamchef, der in der nächsten Saison als Cheftrainer an den Start geht, erst ein Ligaspiel verloren.

Setzt Stuttgart die Siegesserie weiter fort, ist vielleicht sogar ein Endspurt wie 2006/07 drin, als das Team sensationell zur Meisterschaft marschierte.

Natürlich ist es bis dahin noch ein weiter Weg - den HSV kann man aber schon am nächsten Wochenende abfangen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel