vergrößernverkleinern
Friedhelm Funkel ist seit Sommer 2004 Eintracht-Coach © imago

Für die Zukunft von Eintracht-Coach Funkel könnte das Spiel gegen Köln schon richtungweisend sein. Daum sitzt beim FC fest im Sattel.

Von Andreas Messmer

München - Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel fährt gerne nach Köln. Wenn er dann auch noch beruflich in die Domstadt muss, freut er sich natürlich besonders.

In der Sonntagspartie des zweiten Spieltags (16.30 Uhr LIVE) trifft seine Eintracht auf den heimischen FC.

"Klar ist das ein besonderes Spiel für mich", erklärte Funkel, der nicht verhehlt, dass die "Geißböcke" seine alte Liebe sind.

"Köln ist eine tolle Stadt, der FC ein toller Verein, und ich habe weiterhin gute Kontakte zu den handelnden Personen", sagt der 54-Jährige, der von Februar 2002 bis Oktober 2003 bei Köln an der Linie stand.

Die Kritiker verstummen nicht

Nach dem Abstieg 2002 führte er das Team in der Folgesaison zum direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga. Im Oktober 2003 musste er seinen Posten aber wegen Erfolglosigkeit räumen.

Wenige Monate später heuerte er bei der Eintracht an. Seit vier Jahren wirkt Funkel nun in Frankfurt. Nach dem Wiederaufstieg 2005 stehen in der Bundesliga zweimal Rang 14 und ein neunter Platz zu Buche.

Obwohl Funkel damit das beste Eintracht-Ergebnis seit langem gelang, verstummen seine Kritiker nicht. Angesichts Millioneneinkäufen wie Martin Fenin und Caio träumt sich der Eintracht-Anhang längst in anderen Sphären.

Zudem wird bis in die Kreise der Vereinsführung das Abrutschen am Saisonende moniert, nachdem die "Adler" zwischenzeitlich auf Uefa-Cup-Kurs waren.

"Weiß, was die Mannschaft leisten kann"

Funkel hatte schon damals darauf hingewiesen, dass sein Team nicht gut genug für das obere Tabellendrittel sei. Er ist eben kein Visionär, eher der Typ Fußball-Handwerker - genau das wird ihm oft vorgeworfen.

"Ich weiß genau, was meine Mannschaft leisten kann", sagte Funkel nach der 0:2-Niederlage gegen Berlin: "Und an schlechten Tagen verliert man eben so ein Spiel."

Solche Aussagen hören nicht alle Fans gerne. Die emotionslose Art, in der sein Team die Auftaktniederlage hinnahm, ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die ihm nötige Motivationskunst und Weitsicht absprechen.

Er ist ein Trainer der alten Garde und nicht derjenige, der mitreißende Ansprachen hält. "Ein bisschen bockig" komme er in den Medien oft rüber, gibt Funkel immerhin zu.

"Werde von Leidenschaft getragen"

Gegen Köln trifft er auf seinen Gegenentwurf. Der extrovertierte Motivationskünstler Christoph Daum sitzt dort an der Linie und fest im Sattel.

Zum 131. Mal steht Daum gegen Frankfurt für den FC an der Seitenlinie. Damit stellt er einen Klubrekord auf - und zugleich FC-Ikone Hennes Weisweiler in den Schatten, der es auf 130 Partien brachte.

"Ich spüre eine riesige Anspannung und werde von Leidenschaft getragen", sagte der Coach vor dem ersten Heimspiel.

"Sicher, dass Podolski zurückkommt"

Dem 54-Jährigen weht weit weniger Gegenwind entgegen als Funkel in Frankfurt. Dem Motivationskünstler wird zugetraut, den FC wieder dahin zu führen, wo er nach Meinung des ambitionierten Umfelds hingehöhrt: ins obere Drittel der Tabelle.

Aussagen wie die von FC Präsident Wolfgang Overath tun ihr Übriges, um Erwartungshaltung und Euphorie noch höher in den Himmel zu schrauben.

Man werde immer um eine Rückkehr Lukas Podolskis kämpfen, erklärte der 64-Jährige der "Welt am Sonntag": "Ich bin mir ganz sicher, dass er irgendwann zum FC zurückkommt."

Rückendeckung für Daum

Und zum Trainer meint er: "Ich glaube, er ist jetzt da angekommen, wo er sich zu Hause fühlt: in der ersten Liga."

Daum genießt viel Rückendeckung, obwohl auch sein Team eine Auftaktpleite hinnehmen musste.

Egal wie die Partie gegen die Eintracht ausgeht, der FC-Coach wird weiter an der Verwirklichung seiner Vision basteln dürfen.

Für Funkel gilt das nicht. Sollten weitere Niederlagen im Stil der letzten Woche folgen, wird er seine alte Liebe künftig wohl nicht mehr als Eintracht-Trainer besuchen dürfen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel