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Sportvorstand Matthias Sammer (l.) arbeitet seit 2012 für den FC Bayern © imago

Der Terminplan ist heftig, die Weltmeister werden gar in die USA nachgeflogen. Dennoch erteilen die FCB-Bosse der Reise Priorität.

Von Mathias Frohnapfel und Martin Volkmar

München - Der begehrteste Spieler des FC Bayern während der USA-Reise? Ein 19-Jähriger mit null Bundesliga-Spielen.

Allerdings - und das ist entscheidend - hat Julian Green bereits ein Länderspiel für die Vereinigten Staaten bestritten.

Beim WM-Achtelfinal-Aus gegen Belgien traf Green, vielen Fußballfans in Nordamerika ist er seitdem mindestens genauso ein Begriff wie Bayerns Prachtstürmer Robert Lewandowski.

Wenn der FC Bayern am Mittwoch zu seinem einwöchigen Marketing-Trip nach New York und Portland startet, wird Green bei insgesamt vier Werbe- und Presseterminen in die Mikrofone sprechen. Lewandowski nur zweimal.

Ein Unterschied, der viel über die Reise des deutschen Rekordmeisters verrät. Es geht in erster Linie darum, sich auf einem gigantischen Markt zu zeigen und die Marke FC Bayern zum Leuchten zu bringen. Erst dann kommen sportliche Aspekte.

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Training, Werbung und Presserunden

Der Zeitplan der "Audi Summer Tour USA 2014", wie der offizielle Titel lautet, belegt das.

Zwar trainieren die Münchner in acht Tagen neunmal vor Ort und absolvieren zwei Testspiele, doch dazu gesellen sich eben noch mindestens drei Presserunden und sechs Meet-and-Greet-Termine, plus Autogrammstunde.

Ein Beispiel: Xherdan Shaqiri und Holger Badstuber lassen sich am Freitag in New York im Paulaner Brauhaus blicken, während zeitgleich Lewandowski und Claudio Pizarro bei T-Mobile sowie Green, David Alaba und Javier Martinez bei adidas "Hello" sagen.

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Zur Freiheitsstatue

Am selben Tag schippert das ganze Team zur Freiheitsstatue - auch der beeindruckenden (Werbe-)-Bilder wegen.

Das USA-Projekt genießt im Klub allerhöchste Priorität.

Und das Match gegen ein Allstar-Team der Major League Soccer (7. August, ab 3.50 Uhr MESZ, LIVE im TV auf SPORT1 US, Wiederholungen ab 10.30 Uhr und 17.15 Uhr bei SPORT1) wird derart hoch eingestuft, dass die sechs Weltmeister Manuel Neuer, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Jerome Boateng, Mario Götze sowie Superstar Arjen Robben eigens eingeflogen werden.

"Wir wollen mit der bestmöglichen Mannschaft spielen", begründet Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, der wegen Problemen mit seinem Visum (News) zunächst nicht mit in die USA reisen durfte, die ungewöhnliche und äußerst anstrengende Maßnahme.

United, Real und Barca als Bezugsgrößen

Die Bayern planen mit Karacho in einem Markt zu starten, in dem Manchester United, Real Madrid und der FC Barcelona schon längst Fuß gefasst haben.

"An diesen Vereinen müssen wir uns orientieren", gesteht Jörg Wacker im Gespräch mit SPORT1. Wacker ist an der Säbener Straße als Vorstand für Internationalisierung und Strategie zuständig und hat die Reise präzise vorbereitet.

Als "sehr großen Fußballmarkt mit hohem Potenzial" sieht Wacker die USA. "Über 300 Millionen Menschen leben dort, davon 60 Millionen Fußballinteressierte und über 15 Millionen Bayern-Sympathisanten."

Vorbereitung beeinträchtigt

Gemeinsam mit Vorstandsboss Rummenigge und Sportvorstand Matthias Sammer hat sich Wacker für die Fernreise mitten in der Saisonvorbereitung entschieden "auch wenn wir wussten, dass es vielleicht nicht ganz optimal sein könnte."

Wenn die Münchner am 7. August nach zehneinhalb Stunden Flug wieder in der Heimat landen, geht es für sie Schlag auf Schlag: Am 13. August folgt das Supercup-Spiel in Dortmund, danach kommen der Auftakt in DFB-Pokal (17. August) und Meisterschaft (22. August).

Eingespielt wird das Team so schnell nicht sein, allerdings demontierte der FC Bayern in der Vorbereitung - ohne zig WM-Stars - bereits phasenweise die Konkurrenz.

Die Chancen-Risiko-Abwägung ist eindeutig ausgefallen, was bei den ehrgeizigen Vermarktungszielen des Champions-League-Siegers von 2013 einleuchtet.

[kaltura id="0_7itv7b74" class="full_size" title="Bayern gegen Wolfsburg wie im Rausch"]

"Wir können weniger trainieren"

Trainer Pep Guardiola trägt das Ringen des Klubs um weltweite Aufmerksamkeit mit. "Die wichtigsten Vereine der Welt machen so eine Reise. Das ist eine große Gelegenheit, sich zu präsentieren, zu zeigen, wer wir sind", sagte der Spanier.

Als Trainer werde er sich daher in den nächsten acht Tagen anpassen. Kommerz statt Fußballkunst. "In New York hat es vielleicht 50 Grad, in Portland ein bisschen weniger", sagte Guardiola. "Wir können weniger trainieren."

Van Gaal meckert über USA-Trip

Das nahm auch Manchester United bereits so hin. Die "Red Devils" sind derzeit für vier Spiele in vier US-Städten unterwegs, ein Umstand, den Trainer Louis van Gaal grimmig kommentierte.

"Nächstes Jahr werden wir nicht so viel fliegen in der Vorbereitung", meinte er, "das ist nicht positiv für die Vorbereitung auf eine Premier-League-Saison."

Van Gaal trainerte einst selbst den FC Bayern, weiß eigentlich um die Wichtigkeit dieser Trips für die internationalen Topklubs. Seine Kritik dürfte daher auch als erstes Ausrufezeichen seiner Amtszeit zu verstehen sein.

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Hilfe für die Liga?

Die Münchner machen sich über die Reisestrapazen keine Illusionen.

Gehört zum Geschäft, finden sie. Sportvorstand Sammer interpretiert die Unternehmung sogar so, dass nicht nur sein Klub davon profitiert.

"Wir gehen natürlich für den FC Bayern in die USA. Aber eben auch für den deutschen Fußball", erklärt er. Die erhoffte bessere internationale Vermarktung nütze letztlich der ganzen Bundesliga.

Sicher ist schon jetzt: Zumindest Julian Green wird sie viel Rampenlicht bringen.

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