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Rolf Rojek engagiert sich seit über 40 Jahren auf Schalke © imago

Schalke ist im Aufwind, trotzdem ist dem Fan-Boss Rolf Rojek der Kragen geplatzt. Im Sport1.de-Interview nimmt er Stellung.

Von Matthias Becker

München - Auch für Rolf Rojek war es wahrscheinlich bislang eine der anstrengenderen Saisons "Auf Schalke".

Rojek ist Vorsitzender des Schalker Fan-Club Verbands und hatte dementsprechend in dieser für die Königsblauen bislang so enttäuschend verlaufenen Saison (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle), alle Hände voll zu tun, um die Gemüter zu beruhigen.

Jetzt war es wohl auch deshalb für Rojek an der Zeit, Missstände anzusprechen, die ihm in dieser Zeit auch von Seiten der Fans sauer aufgestoßen sind.

Im Gespräch mit Sport1.de erklärt er, warum die Wogen auch nach zuletzt zwei Siegen in Folge noch nicht geglättet sind, weshalb der Umgang mit den Spielern nicht immer richtig war und ob er Interimscoach Mike Büskens für den richtigen Mann für die Zukunft hält.

Sport1.de: Herr Rojek, der Erfolg ist auf Schalke (VEREINSSEITE: Schalke 04) zumindest zuletzt wieder zurückgekehrt, der UEFA-Cup-Platz ist noch möglich, trotzdem ist Ihnen am Dienstag der Kragen geplatzt.

Rolf Rojek: Ich wollte einfach ein paar Sachen los werden. Wenn es nicht läuft, wird immer ein Schuldiger gesucht. Ich will weder die Mannschaft, den Vorstand oder den Aufsichtsrat in Schutz nehmen, aber die Kritik muss immer sachlich bleiben und wenn etwas gut gemacht wird, muss man auch loben.

Sport1.de: Sie haben einige Fans scharf kritisiert. Was regt Sie besonders auf?

Rojek: Ich verstehe es, wenn die Fans Unmut haben und offene Briefe schreiben und unterstütze das auch. Aber vielfach wird die Außendarstellung des Vereins kritisiert ? was ja auch verständlich ist. Aber wenn wir schon die Außendarstellung kritisieren, müssen wir auch überlegen, ob unsere eigene Außendarstellung immer gut ist.

Sport1.de: Was meinen Sie konkret?

Rojek: Ich bin gegen jede Form von Hass und Gewalt im Stadion. Das hat da überhaupt nichts zu suchen. Wenn ich dann aber mitbekomme, dass Schalker "Fans" auf der Rückfahrt vom Amateur-Spiel in Koblenz einen Kiosk überfallen haben, dass in Bielefeld im Fan-Block ein Bengalo abgefackelt wird und dass wir ein Fangnetz installieren mussten, weil trotz hundertfacher Aufforderung es nicht zu tun Gegenstände geworfen wurden, dann sage ich: Das muss nicht sein.

Sport1.de: Auch ein Angriff auf Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies erregt sie.

Rojek: Plakate auf denen "Vorstand raus" gefordert wird, oder so ähnlich, damit kann ich leben. Aber jemanden anzuspucken, das ist so etwas von eklig. So etwas haben Schalker noch nie gemacht. Deshalb habe ich die Fans gebeten darauf zu achten, dass so etwas nicht wieder passiert.

Sport1.de: Ist denn der Umgang mit den Spielern immer richtig gelaufen?

Rojek: Wenn ein Orlando Engelaar schon vor dem Einsatz ausgepfiffen wird, dann geht das einfach nicht. Wenn Fans, die von sich behaupten der zwölfte Mann zu sein, so etwas machen, dann ist das, wie wenn Lukas Podolski Mannschaftskapitän Ballack ohrfeigt. Wir haben das Recht zu pfeifen, aber nur, wenn keine Leistung gezeigt wird. Vor dem Einsatz zu pfeifen ist unmöglich.

Sport1.de: Sie rufen die Fans also zu mehr Geschlossenheit auf.

Rojek: Ganz genau. Ich rufe nicht dazu auf, die Fehler zu vergessen, die gemacht wurden. Ich rufe nur dazu auf, das auf der Jahreshauptversammlung zu klären. Da wird abgerechnet und jeder hat die Chance, mit den Verantwortlichen zu sprechen. Das ist das richtige Forum. Nach Außen wollen wir aber zeigen: Wir sind Schalker!

Sport1.de: Glauben Sie, dass sich die Fans durch ein Erreichen des Minimalziels UEFA-Cup besänftigen lassen?

Rojek: Der Erfolg ist immer der Richter. Und wenn wir nachher im UEFA-Cup spielen, werden sich die Wogen schon ein wenig glätten. Es wäre aber verkehrt, wenn es dann heißt: "Es ist ja noch mal alles gut gegangen." Das darf man nicht sagen. Wir haben das alles analysiert, was schief gelaufen ist und wir werden mit Vorstand, Spielern und Aufsichtsrat darüber sprechen. Wir werden das nicht einfach so hinnehmen, nur weil wir den UEFA-Cup vielleicht noch geschafft haben. Aber natürlich würde es uns versöhnlicher stimmen, wenn wir durch Europa fahren dürften.

Sport1.de: Wo sehen Sie die dringendsten Baustellen von Schalke? Ein neuer Manager ist ja immer noch nicht gefunden.

Rojek: Ich habe Vertrauen in den Vorstand und den Aufsichtsratsvorsitzenden, dass sie den Richtigen finden werden. Die sollen lieber vernünftig suchen, statt schnell etwas zu machen. Alle Optionen sollen geprüft werden, alle Namen die auf dem Tisch sind, sollen abgearbeitet werden.

Sport1.de: Schon zum zweiten Mal läuft es unter dem Trainertrio Büskens/Mulder/Reck erfolgreich. Wäre ein Verbleib dieser "Ur-Schalker" aus Fan-Sicht über die Runde hinaus nicht wünschenswert?

Rojek: Für mich gibt es keinen guten Trainer oder Manager, sondern nur den, der Erfolg hat. Wenn es nicht läuft, ist es egal, ob es ein Schalker ist oder nicht, dann wird gemeckert. Holt man einen Star und der gewinnt alles, heißt es: "Genau so einen haben wir gebraucht. Ich hab mir abgewöhnt zu sagen, wer der Richtige ist. Dafür gibt es zum Glück die sportlich Verantwortlichen.

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