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Uli Stein, hier im Trikot der Allstars, spielte insgesamt sechs Jahre bei Arminia © imago

Uli Stein spricht bei Sport1.de über Bielefelds Chancen, die Abwehrprobleme der Münchner und die Situation von Jürgen Klinsmann.

Von Thorsten Mesch

München - Wenn der FC Bayern am Samstag in Bielefeld (ab 15 Uhr LIVE) antritt, ist für die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann im Rennen um die Meisterschaft ein Sieg Pflicht.

Doch auch Bielefeld braucht im Kampf gegen den Abstieg jeden Punkt.

Der letzte Heimerfolg der Arminia liegt schon fast fünf Monate zurück, und gegen die Bayern gelangen den Ostwestfalen in der Bundesliga überhaupt erst fünf Siege.

Uli Stein weiß, wie man die Münchner schlägt. Der ehemalige Nationaltorwart stand 1979 beim 4:0-Sieg in München und 1997 beim 2:0 auf der Alm im Kasten der Bielefelder.

Im Sport1.de-Interview spricht Stein, der mit dem Hamburger SV nationale und internationale Titel gewann und mit Eintracht Frankfurt DFB-Pokalsieger wurde, über Bielefelds Chancen gegen die Bayern, die Abwehrprobleme der Münchner und die Situation von Trainer Jürgen Klinsmann.

Sport1.de: Herr Stein, Bielefeld hat in der Bundesliga erst fünf Mal gegen den FC Bayern gewonnen. Sie standen bei zwei Siegen im Arminia-Tor. Wie sehen Sie die Chancen auf den sechsten Sieg am Samstag?

Uli Stein: Im Moment sehe ich die Chancen nicht so hoch. Wenn die Bayern in der Champions League weitergekommen wären, wäre es sicherlich für Arminia einfacher gewesen. Jetzt haben die Bayern nur noch die eine Chance in der Meisterschaft, und da dürfen sie sich keine Blöße mehr geben. Jeder Punktverlust wäre tödlich, und von daher werden die Bayern hundertprozentig zur Sache gehen.

Sport1.de: Bielefeld hat seit dem 22. November (2:1 gegen Leverkusen) nicht mehr zu Hause gewonnen. Wie erklären Sie sich die Heimschwäche?

Stein: Dass die Bielefelder in dieser Saison und besonders in der Rückrunde in Heimspielen Probleme haben, erstaunt mich. Denn Bielefeld hat sonst seine Punkte in erster Linie zu Hause geholt.

Sport1.de: Gibt es irgendetwas, was Bielefeld von Barcelonas 4:0 gegen die Bayern für das Spiel mitnehmen kann?

Stein: Wenn überhaupt, dass Angriff gegen die Bayern die beste Verteidigung ist.

Sport1.de: Aber Bielefeld schießt kaum Tore. Artur Wichniarek hat eine schon lang anhaltende eine Torflaute?

Stein: Das stimmt, aber trotzdem würde ich versuchen, mein Heil in der Offensive zu suchen. Die Bielefelder haben eine große Chance, weil die Bayern-Abwehr alles andere als sattelfest ist. Im Defensivverhalten haben die Münchner große Probleme. Das ist die Chance für Bielefeld, wenn sie überhaupt eine Chance haben.

Sport1.de: Wie beurteilen Sie Klinsmanns Maßnahme, die Torhüter zu tauschen?

Stein: Ich kann sie nachvollziehen. Michael Rensing hat ein dreiviertel Jahr lang die Chance bekommen, sich durchzusetzen. Er hat seine Chance nicht genutzt, dass muss man klipp und klar sagen. Ich habe es vor der Saison schon nicht verstanden, dass die Bayern bei ihren Ansprüchen mit dem Risiko eines unerfahrenen Torwarts in die Saison zu gehen. Das hat sich im Nachhinein bewahrheitet. Insofern ist es richtig, dass Klinsmann auf die Erfahrung eines Jörg Butt setzt. Schade ist nur, dass es bis jetzt nicht gezündet hat und dieser Effekt in Barcelona schon verpufft ist.

Sport1.de: Arminia-Trainer Michael Frontzeck hat sich in der Pressekonferenz vor dem Bayern-Spiel pro Jürgen Klinsmann geäußert. Er hoffe, Klinsmanns Weg bei den Bayern sei noch nicht zu Ende. Wie sehen Sie die Chance, dass Klinsmanns Weg bei den Bayern auch über die Saison hinaus weitergehen wird?

Stein: Klinsmann hat als Neuling gleich die Nationalmannschaft und dann die beste Vereinsmannschaft Deutschlands trainieren dürfen. Deutschland ist beim "Sommermärchen" im eigenen Land Dritter geworden. Ich weiß nicht, was daran ein großartiger Erfolg sein soll. Ich sehe das etwas differenzierter. Meiner Meinung nach ist er bei der Nationalmannschaft schon gescheitert. Und so, wie es im Moment aussieht, ist er beim FC Bayern in dieser Saison auch gescheitert. Die Frage ist, ob er die Chance bekommt zu beweisen, dass es an mangelnder Erfahrung liegt, oder ob die Bayern die Reißleine ziehen.

Sport1.de: Es könnte ja auch sein, dass die Bayern alle ausstehenden Spiele gewinnen und es am Ende doch nicht zur Meisterschaft reicht.

Stein: Die Bayern haben es nicht mehr selber in der Hand. Früher haben die Bayern die Entscheidungen diktiert, jetzt sind andere dran.

Sport1.de: Wer wird Meister?

Stein: Mein Favorit ist Wolfsburg. Das habe ich aber schon gesagt, als sie noch Vierter waren.

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