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Mark van Bommel (r.) sah in den letzten zehn Bundesliga-Spielen dreimal Gelb-Rot © getty

Hat Klinsmann bei der Kapitäns-Wahl danebengegriffen? Van Bommel sieht sich nach seinem Platzverweis nicht als Alleinschuldiger.

Von Andreas Messmer

München - Nach diesem Wochenende dürfte Mark van Bommel seinen Ruf als Fußball-Rüpel wohl endgültig weghaben.

Der Niederländer wurde beim 1:1 bei Borussia Dortmund nach 23 Minuten von Schiedsrichter Herbert Fandel mit Gelb-Rot vom Platz gestellt.

Nachdem er für ein rüdes Foul an Sebastian Kehl bereits Gelb gesehen hatte, traf er nur drei Minuten später Tamas Hajnal mit dem Unterarm am Kopf.

"Ich hatte überhaupt nicht die Absicht, ihn zu treffen", verteidigte sich der 31-Jährige, dem Ottmar Hitzfeld zum "Aggressiv-Leader" des Meisters bestimmt hatte.

"Wenn ein anderer so ein Foul macht, wird einfach weitergespielt. Das ist auch eine Imagegeschichte."

"In keiner Weise ein Problem"

So gesehen war van Bommel zuletzt sehr um Imagepflege bemüht. Es war für den Routinier, der privat als freundlich, besonnen und zuvorkommend gilt, bereits die dritte Ampelkarte in den letzten zehn Ligaspielen.

"Mark ist in keiner Weise ein Problem", betont sein Trainer Jürgen Klinsmann, der den bissigen Mittelfeldspieler vor der Saison zum Kapitän kürte.

Der Coach glaubt, dass van Bommel unter dem schlechten Ruf bei den Unparteiischen leidet. "Man wartet schon darauf, dass automatisch die Gelbe Karte kommt, wenn Mark ein Foul macht", sagte der ehemalige Bundestrainer: "Das ist nicht einfach für ihn."

Fandel widersprach dem erwartungsgemäß: "Völliger Unsinn" sei diese Theorie, sagte der Fifa-Referee dem "kicker".

Lahm die bessere Wahl?

Ähnlich sieht das DSF-Experte Udo Lattek. "Das Problem dabei ist, dass er die Schiedsrichter mit seinen Aktionen schon grundsätzlich gegen sich aufgebracht hat", sagte die Trainer-Ikone.

Deshalb sei die Klinsmanns Spielführer-Wahl auch problematisch, so Lattek: "Philipp Lahm wäre sicherlich der bessere Kapitän gewesen, weil er als fairer und sauberer Sportsmann einen ganz anderen Stellenwert bei den Schiedsrichtern hat."

Gute Vorsätze nicht erkennbar

Van Bommel sei für diese Aufgabe prädestiniert, hatte Jürgen Klinsmann bei der Ernennung des Niederländers zum Spielführer gesagt.

Und van Bommel selbst betonte damals: "Nur wegen der Binde darf ich mir nicht mehr erlauben. Im Gegenteil: Jetzt muss ich noch mehr Vorbild sein, mich noch mehr im Griff haben."

Letzteres muss der Defensiv-Abräumer laut Bayern-Präsident Franz Beckenbauer erst lernen. "Er ist ein unbeherrschter Charakter, der sich nicht im Griff hat und damit sich und der Mannschaft keinen Gefallen tut", rüffelte der "Kaiser". ",

"Eine falsche Entscheidung"

Van Bommel selbst zeigte sich nur teilweise einsichtig. Eine Mitschuld wollte er auch beim Schiedsrichtergespann erkannt haben.

Die erste Gelbe sei berechtigt gewesen, aber "die zweite war eine falsche Entscheidung", so der Kapitän.

Schiedsrichter Fandel hatte den Vorfall vor der zweiten Gelben Karte nicht selbst gesehen. Erst sein Assistent Mike Pickel (Fandel: "Ich gehe davon aus, dass er mir keinen Scheiß erzählt") hatte ihn alarmiert.

Nach seinen Vorwürfen gab sich van Bommel dann doch versöhnlich "Schiedsrichter und Assistenten sind auch nur Menschen", befand er.

Gleiches gilt wohl für Bundesliga-Kapitäne.

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