vergrößernverkleinern
Die Eckpfeiler des Schalker Aufschwungs: Kevin Kuranyi (o.), Jermain Jones (r.) © getty

Die 4:0-Gala gegen Cottbus lässt die Herzen der Anhänger höher schlagen. Ein Bekenntnis zum Trainergespannt bleibt dennoch aus.

Gelsenkirchen - Die leidgeprüften Fans sangen nach dem ersten Fußball-Fest seit Monaten "Oh, wie ist das schön!", die Spieler feierten Mike Büskens und sein Team als Heilsbringer.

In nur drei Wochen hat Schalke 04 mit der Zwischenlösung auf der Trainerbank den Weg aus der Krise gefunden und darf nach dem überzeugenden 4:0 (2:0) gegen Energie Cottbus (Schalker Interims-Trio marschiert weiter) wieder von Europa träumen.

Einen Freifahrtsschein für die kommende Saison bekamen die Väter des Erfolges aber auch nach dem dritten Sieg ohne Gegentor nicht, und Büskens reagierte auf Fragen nach seiner Zukunft sogar etwas gereizt.

Büskens genervt

"Ich weiß nicht, wie oft ich es schon gesagt habe: Es interessiert mich wirklich nicht, was nach der Saison passiert", sagte Büskens.

Stattdessen legt er das Augenmerk auf die erste große Bewährungsprobe in seiner zweiten Amtszeit, das Auswärtsspiel bei Titelverteidiger Bayern München am kommenden Samstag: "Ich freue mich auf die Allianz-Arena. Da war ich noch nie."

Schalke will Verhandlungen mit Kuranyi

Im Gegensatz zum Schalker Vorstand haben die Spieler ihr Urteil längst gefällt.

"Wir haben wieder frischen Wind reinbekommen. Jeder sieht ihre Arbeit. Ich hoffe, sie bekommen ihre Chance. Und ich hoffe, dass die oben mal merken, dass das passt", sagte Kevin Kuranyi mit Blick auf die Schalker Chefetage.

Der zuletzt oft kritisierte Angreifer blüht unter Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck förmlich auf und erzielte sein drittes Tor im dritten Spiel.

Nicht von ungefähr sollen die Verhandlungen über eine Verlängerung seines 2010 auslaufenden Vertrages, die ursprünglich auf die Sommerpause vertagt waren, nun schon in Kürze wieder aufgenommen werden.

Jones auf der Sechs überragend

Ein ähnlich flammendes Plädoyer für das Trainer-Trio hielt der erneut überragende Nationalspieler Jermaine Jones, der in dieser Form für Bundestrainer Joachim Löw wohl wieder eine feste Größe sein dürfte.

"Sie machen eine super Arbeit, die Mannschaft steht voll hinter ihnen. Es macht wieder Riesenspaß, und sie haben daran großen Anteil", sagte der Mittelfeldspieler.

Jones geht fest davon aus, dass die Aufholjagd auf einen Europacup-Platz am Saisonende noch von Erfolg gekrönt sein wird: "Wo wir jetzt stehen, werden wir am Ende sicher nicht stehen."

Sogar Engelaar gefeiert

Neben Jones (60.) und Kuranyi (88.) erzielten gegen unfassbar schlechte Cottbuser (26 Prozent Ballbesitz!) Christian Pander (4.) und Halil Altintop (23.) die Tore (DATENCENTER: Der 28. Spieltag) zum höchsten Saisonsieg für eine durch die Bank starke Schalker Mannschaft, die den begeisterten Fans phasenweise sogar den lange vermissten Hochgeschwindigkeits-Fußball bot.

Die Fans hatten so viel Spaß, dass sie sogar den ungeliebten Orlando Engelaar bei dessen Einwechslung in der 72. Minute mit demonstrativem Applaus begrüßten.

Der Niederländer bedankte sich mit einer sehenswerten Vorarbeit zum 4:0.

Keine Lösung für Managerfrage in Sicht

Dies alles reicht den Schalker Bossen nicht, sich ohne Wenn und Aber zu den Trainern, die inklusive ihrer ersten Amtszeit 25 von 27 möglichen Punkten holten, zu bekennen.

"Wir sehen das genauso wie Mike Büskens. Die Trainerfrage stellt sich momentan nicht. Wir haben eine klare Vereinbarung bis zum Saisonende. Hätte, wenn und aber oder irgendwelche Wasserstandsmeldungen gibt es bei uns nicht mehr", sagte Geschäftsführer Peter Peters.

Dasselbe Prinzip gilt in der Managerfrage. Für Aufsichtsrats-Boss Clemens Tönnies ist bei der Suche nach einem Nachfolger für Andreas Müller allerdings keine Eile geboten:

"Wir lassen uns in der Managerfrage Zeit. Das kann auch noch bis zum Anfang der neuen Saison dauern."

Cottbuser Fans erhalten Eintrittsgeld zurück

Die Cottbuser Spieler reagierten mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die blamable Vorstellung. Sämtlichen rund 600 mitgereisten Fans wollen die Profis das Eintrittsgeld erstatten und sich so für die schlechte Leistung entschuldigen.

"Im Abstiegskampf kann nur bestehen, wer die Zweikämpfe annimmt. Das haben wir vollkommen vermissen lassen. Deshalb begrüße ich die entschuldigende Geste des Teams an seine Fans", sagte Manager Steffen Heidrich.

Geschockte Fans

Direkt nach dem Spiel hatten die Energie-Fans auf die katastrophale Vorstellung ihres Teams geschockt reagiert. Etwa 150 von ihnen schickten den Mannschaftsbus mit "Absteiger!"-Rufen auf die Heimfahrt. Trainer Bojan Prasnikar wirkte ratlos und meinte angesichts der Horror-Bilanz (sechs Spiele, sechs Niederlagen, 0:19 Tore) seines Teams auf Schalke: "Die Arena ist etwas Unglaubliches für uns."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel