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Markus Miller kam 2003 vom FC Augsburg zum Karlsruher SC © getty

Das Remis im Derby gegen Hoffenheim zeigt Karlsruhes Trainer Edmund Becker, dass "die Mannschaft lebt". Ralf Rangnick ist traurig.

Karlsruhe - Während sich Giovanni Federico nach seinem Pfostenschuss in der Nachspielzeit die Haare raufte, sank Manager Rolf Dohmen an der Seitenlinie auf die Knie und trommelte mit beiden Fäusten auf den Boden.

Nach dem 2:2 (1:1) im badischen Derby gegen 1899 Hoffenheim waren Spieler und Verantwortliche des Karlsruher SC der Verzweiflung nah. (Spielbericht)

Doch beim Tabellenletzten hat man aus dem Punktgewinn nach zweimaligem Rückstand und dem Ende der Torflaute nach 752 Minuten auch ein Fünkchen Hoffnung für den Endspurt im Abstiegskampf gezogen. (DATENCENTER: Ergebnisse)

"Die Mannschaft lebt", sagte KSC-Trainer Edmund Becker und wertete das Remis als "ganz, ganz kleinen Schritt" zum doch noch möglichen Klassenerhalt.

"Wie ein Eichhörnchen"

Den Rückstand auf Borussia Mönchengladbach auf Relegationsplatz 16 hat der KSC immerhin auf vier Punkte verkürzt.

"Wir sind wie ein Eichhörnchen. Am 34. Spieltag wird man wissen, ob es verhungert ist oder nicht", sagte der diesmal glänzend parierende Torhüter Markus Miller.

Trotz der neunten Partie in Folge ohne Sieg versuchten die Gastgeber das Positive in den Vordergrund zu stellen.

Freis beendet Leidenszeit

Sebastian Freis (33.) (Spielerportrait) glich den 0:1-Rückstand durch Sejad Salihovic (28.) postwendend aus, beendete die Karlsruher Leidenszeit nach 752 Minuten ohne Tor und fühlte sich "um Zentnerlasten erleichtert".

Federico (65.) sorgte nach dem Gegentreffer durch den in die Startelf gerückten Hoffenheimer Kapitän Selim Teber (48.) für den erneuten Ausgleich.

"Natürlich ist es bitter, dass der Schuss von Giovanni in der Nachspielzeit vom Pfosten nicht ins Tor springt, aber die Spieler haben gezeigt, dass Moral und Leidenschaft weiter intakt sind", erklärte Becker.

Dennoch sah sich der Coach beim Wechselbad der Gefühle vor 29.054 Zuschauern im Wildparkstadion zwischenzeitlich erstmals mit "Becker-Raus"-Rufen der eigenen Fans konfrontiert.

Comebach von Franz

Für einen zusätzlichen Schub soll im Endspurt Maik Franz sorgen. Der Kapitän wurde in der 77. Minute eingewechselt und feierte damit nach fünfmonatiger Verletzungszeit sein Comeback.

Zwar sah Franz in der 86. Minute seine fünfte Gelbe Karte und wird dem KSC beim nächsten Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen fehlen, doch will der Innenverteidiger seinem Klub danach mit aller Macht helfen:

"Ich werde alles geben, damit wir die Klasse noch halten."

Rangnick ist traurig

Bei Hoffenheim als schlechtestem Herbstmeister aller Zeiten war man nach dem zehnten Spiel in Serie ohne Sieg, dem Absturz auf Rang acht und dem wohl endgültig zerplatzten Traum vom Europapokal ernüchtert.

"Kämpferisch kann ich meinen Spielern heute keinen Vorwurf machen. Aber wenn man zweimal führt, ist man natürlich schon traurig, wenn es am Ende nicht zum Sieg reicht", erklärte Coach Ralf Rangnick, der ohne sieben Stammspieler auskommen musste.

Der eigentlich schon ausgemusterte Torhüter Ramazan Özcan, der wegen der Verletzung von Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand und der Rot-Sperre von Daniel Haas zwischen den Pfosten stand, war im "Rückrunden-Kellerduell" aber an beiden Gegentreffern machtlos. 93447(Bilder des Spieltags)

Platzverweis für Gustavo

Zu allem Überfluss sah der gerade erst nach abgelaufener Sperre ins Team zurückgekehrte Luiz Gustavo in der 89. Minute nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte und wird Hoffenheim am kommenden Freitag gegen Hertha BSC Berlin erneut fehlen.

Luiz Gustavo sah zuvor bereits in dieser Saison zwei Ampelkarten, eine Rote Karte und 10 Gelbe Karten. Insgesamt musste der Brasilianer schon sechs Spiele pausieren.

Obwohl die Hoffenheimer ihrem "Rambo-Ruf" damit erneut gerecht wurden, wollte Rangnick mit seinem defensiven Mittelfeldspieler diesmal nicht hart ins Gericht gehen.

"So etwas passiert schon mal in so einem hitzigen Derby", sagte Rangnick. "Diese Aktion war ja nicht vergleichbar mit anderen Platzverweisen von uns."

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