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Grafite (l.) erzielte gegen Leverkusen seine Saisontreffer Nummer 21 und 22 © getty

Wolfsburg profitiert beim Erfolg gegen Leverkusen von zwei umstrittenen Schiedrichterentscheidungen und stapelt weiter tief.

Von Martin van de Flierdt

München/Wolfsburg - Es wäre eine nette Pointe im Meisterschaftsrennen gewesen:

Toni Kroos schießt sein erstes Bundesliga-Tor zum 1:1 für Bayer Leverkusen beim VfL Wolfsburg (53.).

Der Tabellenführer lässt Federn und der FC Bayern, der Kroos an Leverkusen verliehen hat, rückt bis auf einen Punkt an die Niedersachsen heran.

Doch aus Letzterem wurde nichts.

Denn Wolfsburg hatte beim 2:1-Erfolg (SPIELBERICHT: Grafite hält VfL im Rennen) gegen die zunehmend gebeutelten Rheinländer das, was einen kommenden Meister ausmacht: Die nötige Portion Dusel.

Zweimal Glück für die "Wölfe"

Dem Elfmetertor zum 1:0 durch Grafite (23.) ging ein Foul des Brasilianers an Bayer-Verteidiger Manuel Friedrich voraus.

Das übersah Schiedsrichter Jochen Drees ebenso wie das Handspiel von VfL-Abwehrmann Jan Simunek im eigenen Strafraum in der Nachspielzeit.

"Ich frage mich, wie ich diesen 130-Kilo-Mann eigentlich umgerissen haben soll", meinte Friedrich sarkastisch. "Ich bin wohl doch stärker, als ich gedacht habe."

Weil Drees auch die Szene in der Schlussphase zu Gunsten des VfL entschied, verteidigten die "Wölfe" ihren Vorsprung von drei Punkten auf die Bayern (DATENCENTER: Der 28. Spieltag).

Mit ihrem zehnten Sieg in Folge stellten sie zudem die bislang längste derartige Serie von Borussia Mönchengladbach (Saison 1986/87) ein.

Saisonübergreifend hält der FC Bayern des Jahres 2005 mit 15 Erfolgen am Stück die Bestmarke. Trainer war dort damals Felix Magath.

Magath stört "die Passivität"

Den stellte nun der Auftritt seiner Wolfsburger gegen Leverkusen alles andere als zufrieden. "In den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit waren wir gar nicht so richtig auf dem Platz", bemängelte der Coach.

"Mich stört diese Passivität, die wir oftmals an den Tag legen. Statt aktiv weiter nach vorne zu spielen, überlassen wir dem Gegner das Feld und reagieren nur darauf, was er macht. Das ist mir zu wenig."

Auch dass der VfL durch Grafites 22. Saisontreffer wie zuletzt in Mönchengladbach noch spät den Sieg herausschoss (85.), wollte Magath nicht als Qualität eines künftigen Meisters durchgehen lassen.

Wochenweise in Schwierigkeiten

"Man hat gesehen, dass wir noch Schwierigkeiten haben mit dieser Situation, in der Tabelle vorne zu sein und gejagt zu werden", meinte er stattdessen.

"Wir haben uns letzte Woche schwer getan, jetzt schon wieder und wir werden uns auch weiter schwer tun."

Der überragende Zvjezdan Misimovic, der mit seiner 19. Torvorlage innerhalb einer Saison nun in der ewigen Bundesliga-Bestenliste alleine vorne steht, pflichtete seinem Trainer bei.

"Die erste Halbzeit war okay, aber dann haben wir wieder den Faden verloren", räumte der Spielmacher ein.

"Eine Spitzenmannschaft gerät vielleicht einmal unter Druck, aber bei uns war es nach dem Spiel in Gladbach schon die zweite Woche hintereinander. Wir dürfen das Glück nicht überstrapazieren. Das geht auf Dauer nicht gut."

Wetten nur mit Erlaubnis des DFB

Während Misimovic sich bei der Meisterschaftsprognose zurückhielt ("Ich kann nicht hellsehen"), wälzt Magath die Favoritenrolle weiter auf seinen Ex-Verein ab.

"Ich würde auch Geld auf den Meister München setzen", behauptete er. "Allerdings müsste ich erst einmal beim DFB anfragen, ob das überhaupt erlaubt ist. Sonst komme ich womöglich in Teufels Küche."

Die bleibt auch Leverkusens Rene Adler erspart. Der Nationaltorhüter hatte Grafite kurz vor der Halbzeit weit vor dem Strafraum rotwürdig gebremst, erhielt aber nicht einmal eine Verwarnung.

Es war die einzige wesentliche Schiedsrichterentscheidung des Tages, an der Bayer nichts auszusetzen hatte.

Bayer setzt auf "Spiel des Jahres"

An dem fortschreitenden Negativtrend von nur einem Sieg aus den jüngsten acht Spielen änderte sie allerdings auch nichts.

Die Leverkusener Hoffnung auf eine UEFA-Cup-Teilnahme konzentriert sich nun auf das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Mainz am Dienstag, das Sportdirektor Rudi Völler zum "Spiel des Jahres" erklärte.

"Diese große Chance", mahnte Kapitän Simon Rolfes, "müssen wir jetzt nutzen."

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