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Danke Luca: Toni erzielte für Bayern seinen zwölften Saisontreffer © getty

Bayern besiegt Bielefeld und nimmt Anlauf im Meisterendspurt. Auch Trainer Jürgen Klinsmann atmet auf und bedankt sich beim Team.

Von Mathias Frohnapfel und Jessica Pulter

München/Bielefeld - Erst wirbelte er die Arme vier, fünf Mal im höchsten Tempo durch die Luft, dann herzte Jürgen Klinsmann Bayern-Manager Uli Hoeneß.

64 Minuten hatte der FCB-Trainer warten müssen bis zu diesem Glücksmoment gegen Arminia Bielefeld.

Der Freudenbote hieß Luca Toni. Und der Italiener schraubte nach seinem Siegtreffer so entzückt am Ohr wie zu besten Zeiten.

Trainer und Mannschaft haben (mal wieder) eine Reifeprüfung bewältigt.

Bereits in der Hinrunde gegen Karlsruhe wie auch im Jahr 2009 gegen Hannover und Frankfurt stand ja bereits Klinsmanns Zukunft auf dem Spiel.

"Stimmung war bestens"

Doch jedes Mal siegte der FC Bayern. Big Points auch für den Trainer, der sich nach Abpfiff betont cool gab.

"Die Stimmung war bestens in der Kabine", berichtet er den Reportern im Bauch der Schüco-Arena.

Und erzählte von seiner Erleichterung nach der Führung: Man habe gewusst, "nach dem Tor würde es schwer für die Arminia, gegen uns einen Treffer zu erzielen".

So bleiben die Münchner auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze und zeigen sich wieder äußerst selbstbewusst.

Philipp Lahm machte gegenüber Sport1.de eine ebenso einfache wie erfolgsversprechende Rechnung auf. "Wenn wir alle Spiele gewinnen, bin ich sicher, dass wir am Ende ganz oben stehen werden."

Lahm lobt Verhältnis zum Trainer

Dabei lässt der 1:0-Sieg die Roten auf der Stelle verharren, schließlich gewann Spitzenreiter Wolfsburg ebenfalls gegen Leverkusen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dem Nationalspieler war das einerlei: "Egal wie. Hauptsache wir haben die Punkte." Und außerdem teilte Lahm jeden mit, der das wissen wollte: "Das Verhältnis zwischen Spielern und Trainer ist gut, das hat man heute gesehen."

Derweil schritt Luca Toni wie ein stolzer Gladiator in Richtung Bayern-Bus. Seine Heldentat, sprich den Kopfballtreffer nach Ribery-Vorlage, wollte er nicht mehr besprechen.

Vielleicht nagten an dem Weltmeister noch zu sehr die zwei vergebenen Großchancen in der Nachspielzeit. Oder Toni freute sich innerlich über die gewonnene Privatfehde gegen Arminia-Verteidiger Markus Bollmann.

Tonis Privatfehde mit Bollmann

Der Bielefelder hatte ohnehin Glück, dass er nicht schon frühzeitig nach einem Ellbogencheck gegen Martin Demichelis Rot sah (18.). Toni, der Bollmann bei den permanenten Hakeleien einmal auf dem Fuß stieg, hielt für den FCB dagegen. (zum Spielbericht: Bayern wahren Titelchance dank Toni)

"Hochärgerlich ist das, unsportlich fast", wetterte Arminia-Geschäftsführer Roland Kentsch über den Bayern-Matchwinner, der immer wieder gestenreich lamentierte: "Aber gut, dieser Italiener ist halt ein Schlitzohr."

Der dafür sorgte, dass in München vorerst wieder Ruhe einkehrt. "Die Erleichterung ist groß", gestand Uli Hoeneß daher ein, "denn es wäre fatal gewesen nicht zu gewinnen."

Die Chancen auf die nächste Meisterfeier auf dem Marienplatz sind für den Manager nun wieder gestiegen. Und auch sonst sei alles beim Rekordmeister nicht so schlecht wie es gemacht werde, so Hoeneß.

Hoeneß wehrt sich

Ständig werde "von außen erzählt werden, dass wir in einem Chaos sind. Es heißt, dass wir eine katastrophale Saison spielen würden, ich sehe das nicht ganz so".

Denn: "Wir haben das Viertelfinale der Champions League erreicht, sind in der Meisterschaft mit dabei."

Die Bielefelder mussten derweil ihre sechste Heimpleite verkraften. Trainer Michael Frontzeck verzichtete aber auf starke Worte. Stattdessen lobte er sein Team, das 90 Minuten "fantastisch gegen den Ball gearbeitet" habe.

"Die Spielleistung war völlig okay, das müssen wir aber in den kommenden Spielen auch in Punkte umsetzen."

Sammer: Kein Kontakt zum FCB

Sein Bayern-Kollege, für den Frontzeck vor der Begegnung Partie ergriffen hatte, wünschte allen ein schönes Wochenende und gab seinem Team zwei Tage trainingsfrei.

Ein wenig Abkühlung ins aufgeheizte Bayern-Lager hatte vermutlich auch die Meldung vom Samstagnachmittag gebracht. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer dementierte da bei "Premiere" öffentlichkeitswirksam Kontakte zum FC Bayern.

Es werde derzeit "ehr viel spekuliert und einiges geschrieben. Ich finde die Diskussion unsäglich", sagte Sammer.

"Bisher hat noch niemand geäußert, dass Jürgen Klinsmann nicht mehr Trainer sein wird. Das sind alles Spekulationen. Das ist gegenüber den handelnden Personen unsäglich."

Doch aus der Schusslinie ist Klinsmann nur vorübergehend. Denn die nächste Reifeprüfung wartet schon: Am nächsten Samstag kommt der FC Schalke in die Allianz Arena.

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