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Jürgen Klinsmann (l.) und Uli Hoeneß bejubeln den Sieg in Bielefeld © getty

Klinsmann spricht im Interview über den Sieg in Bielefeld, die verzwickte Situation im Sturm und die negative Stimmung von Außen.

Aus Bielefeld berichtet Jessica Pulter

Bielefeld - Mund abputzen, weitermachen:

Der FC Bayern München hat das Spiel bei der Bielefelder Arminia knapp mit 1:0 gewonnen und damit auch vorerst Jürgen Klinsmann den Job gesichert. (zum Spielbericht: Bayern wahren Titelchance dank Toni)

Der Titelverteidiger bleibt Tabellenführer VfL Wolfsburg auf den Fersen und der Trainer ist sich sicher, dass die Bayern die Niedersachen noch abfangen werden. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir haben noch sechs Spiele vor uns und müssen annähernd die maximale Punktzahl daraus holen, um an Wolfsburg vorbeizuziehen", sagte der FCB-Coach Sport1.de. "Aber das werden wir tun."

Im Interview spricht Klinsmann über den Sieg in Bielefeld (NACHBERICHT: Erleichterter "Klinsi" verteilt Geschenke), seine Situation, die verzwickte Situation im Bayern-Sturm und die negative Stimmung von Außen.

Frage: Herr Klinsmann, Uli Hoeneß und Sie haben an der Seitenlinie mitgefiebert wie selten. War ihnen klar, dass dieses Spiel ein Schicksalsspiel sein könnte?

Klinsmann: Das ist klar, der Uli und ich hätten die Kugel am liebsten selbst über die Linie gedrückt. Aber meine Mannschaft hat das super gemacht.

Frage: Wie ordnen Sie den Sieg ein?

Jürgen Klinsmann: Es war ein Geduldsspiel, denn wir hätten gerne schon das Tor in der ersten Halbzeit gemacht. Durch Luca Tonis Tor war uns aber klar, dass wir auf der Siegerstraße sind. Im Anschluss hätten wir noch nachlegen können, da waren wir aber zu nachlässig.

Frage: Was nehmen Sie aus der Partie mit?

Klinsmann: Das Wichtigste ist, dass wir mit einem Dreier zurück nach München fahren. Wir wollten nah dran bleiben an den Wolfsburgern. Leider haben sie noch zum Schluss ein Tor gemacht (2:1 gegen Leverkusen, Anm. d. Red.). Trotzdem werden wir da nachlegen. Auch in den beiden Heimspielen, die wir jetzt haben. Und irgendwann kommen wir auch an Wolfsburg vorbei. Und wenn es am 34. Spieltag ist!

Frage: Aber Wolfsburg hat immer noch drei Punkte Vorsprung...

Klinsmann: Das ist schon eine phänomenale Serie, die die Wolfsburger haben. Die aber auch irgendwann zu Ende ist. Da warten wir drauf. Auf der anderen Seite ist das Wichtigste für uns, auf uns selbst zu schauen und sehr konzentriert und mit aller Energie die Spiele anzugehen. Dann machen wir auch unsere Punkte und gehen irgendwann vorbei. Wir wollen Deutscher Meister werden, und wir werden Deutscher Meister.

Frage: Luca Toni hat sich aufgerieben, wurde dann auch belohnt, doch dass er vorne alleine arbeiten muss, wird wohl noch ein paar Wochen andauern. Wie sehen Sie die Personalsituation?

Klinsmann: Im Moment ist Toni ein Einzelkämpfer und all seine Wucht und Energie ist mehr als lobenswert. Mit einem Miro Klose daneben wäre es natürlich eine ganz andere Kiste, doch das ist leider nicht so. Insgesamt haben wir eine Saison voller Verletzungsprobleme, voller Ausfälle. Das ging schon mit den Verletzungen von Franck Ribery und Hamit Altintop los, die noch aus der Europameisterschaft resultierten. Toni macht das momentan super alleine im Sturm, und wir gehen weiter von Partie zu Partie mit allem was zur Verfügung steht. Das ist mal mehr, mal weniger.

Frage: Da hofft man doch, dass Toni nicht auch noch ausfällt, oder?

Klinsmann: Ja, das ist klar, wir wandern auf einem schmalen Grat. Ich habe nicht einmal Lukas Podolski zur Verfügung, und der Ausfall von Miro wiegt natürlich schwer. Aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen.

Frage: Ein Sieg gegen die Arminia ist zwar nur ein Pflichtsieg, wenn man Meister werden will. Meinen Sie dennoch, dass Sie nun in den nächsten Wochen ruhiger arbeiten können?

Klinsmann: Bei uns ist es natürlich so, dass die Erwartungshaltung gegenüber der Mannschaft so ausschaut, dass sie Deutscher Meister wird. Das wird beim FC Bayern automatisch vorgegeben und daran orientieren wir uns. Das heißt natürlich auch, dass wir noch sechs Spiele vor uns haben und annähernd die maximale Punktzahl daraus holen müssen, um an Wolfsburg vorbeizuziehen. Aber das werden wir tun und dabei nicht locker lassen.

Frage: In den letzten Wochen kam aber doch viel Kritik von Außen...

Klinsmann: Alles was sonst diskutiert wird, da stecke ich nicht drin. Das ist eine externe Situation. Intern machen wir unsere Arbeit, wir bleiben ruhig, wir bleiben besonnen und gehen von Spiel zu Spiel. Klar, würden wir jetzt auch gerne im Champions-League-Halbfinale stehen, doch gegen Barcelona sind wir an unsere Grenzen gestoßen. Deshalb wollen wir umso mehr den Meistertitel und mit dem Sieg gegen Bielefeld haben wir den ersten Schritt dazu gemacht.

Frage: Wie geht es jetzt weiter?

Klinsmann: Die Mannschaft hat erstmal zwei Tage frei. Das hat sie sich auch mehr als verdient nach diesen strapaziösen Wochen mit Europa-Pokal und dergleichen. Und dann freuen wir uns auf Schalke.

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