vergrößernverkleinern
Frank Rost (l.) kam 2007 vom FC Schalke 04 zum Hamburger SV © getty

Die Hamburger tanzen weiterhin auf drei Hochzeiten in vorderster Reihe und freuen sich auf die englischen Wochen. Robert Enke ist sauer.

Von Felix Götz und Björn Huth

München - Während man andernorts über eine Mehrfach-Belastung gerne jammert, kommen dem Hamburger SV die englischen Wochen gerade recht.

"Wir freuen uns über die vielen tollen Spiele und schwimmen derzeit auf einer Welle der Glückseligkeit", sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann.

Der HSV tanzt nach dem 2:1-Sieg gegen Hannover 96 (Spielbericht) weiterhin auf drei Hochzeiten in vorderster Reihe, hat gleich viel Punkte auf dem Konto wie der FC Bayern und nur drei Zähler Rückstand auf Spitzenreiter VfL Wolfsburg. (DATENCENTER: Tabelle)

Beste Voraussetzungen also, um auch die "Werder-Wochen" erfolgreich zu meistern. "Es war erfreulich, dass meine Spieler vor den Partien gegen Werder Bremen auch gegen Hannover voll bei der Sache waren", lobte Jol.

Jol übt auch Kritik

Allerdings hatte der niederländische Perfektionist auch etwas zu kritisieren: "Wir hätten das 3:1 oder das 4:1 machen müssen. Dann hätte ich wechseln können, wie ich das eigentlich wollte.

Zu gerne hätte der 53-Jährige nämlich Leistungsträger wie Marcell Jansen oder Mladen Petric (Spielerportrait) vorzeitig vom Platz genommen, um sie für das DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch zu schonen.

"Es war ein Arbeitssieg"

Zunächst deutete alles daraufhin, als würde sich Jols Plan erfüllen.

Bereits nach 62 Sekunden hatte Mladen Petric die Hamburger nach einer herrlichen Flanke von Jerome Boateng in Führung gebracht - es deutete sich ein Schützenfest an.

"Solch ein frühes Tor haben wir uns natürlich gewünscht. Insgesamt war es aber ein Arbeitssieg", befand Jol.

Forssell sorgt für Spannung

Der Grund: Die Hamburger ließen reihenweise gute Chancen aus und mussten bis zur 52. Minute warten, ehe erneut Petric das 2:0 erzielte.

Nach 70 Minuten sorgte Mikael Forssell mit einem verwandelten Handelfmeter noch einmal kurzzeitig für Spannung.

"Bei so vielen Spielen ist es mit den Kräften schwer, aber wir haben das ganz gut gemacht", sagte Petric.

"Würde die Schale nehmen"

Eine schwache Leistung im Liga-Alltag hätte Jol ohnehin nicht geduldet: "Wichtig ist, dass wir in der Liga voll bei der Sache sind. Die Liga ist das Wichtigste. Die Pokale sind Träumerei und Zugabe."

Und dann verriet der Coach: "Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würde ich die Schale nehmen."

Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer schielt derweil auf das Ganze: "Wir wollen in allen drei Wettbewerben das Maximale rausholen."

Diego ist der Schlüssel

Um möglichst viel mitzunehmen muss Werder Bremen, Hamburgs Gegner in beiden Halbfinals und am 31. Spieltag in der Bundesliga, möglichst oft bezwungen werden.

An die vier Duelle gegen den Erzrivalen wollte Jol unmittelbar nach dem Erfolg gegen Hannover noch nicht wirklich denken.

Das übernahmen die Spieler für ihn. "Das Spiel gegen Hannover hat viel Kraft gekostet. Aber wenn wir Diego in den Griff bekommen, dann haben wir eine gute Chance", wagte Jansen einen Blick in die Zukunft.

Während sich die Hamburger auf dem besten Wege zu einem oder mehreren Titeln befinden, schieben die Niedersachsen Frust.

Enke wird deutlich

Hannover hat es nach den Niederlagen von Cottbus, Mönchengladbach und Bielefeld verpasst, weiter Boden im Abstiegskampf gutzumachen.

"Wir haben es dem Gegner sehr leicht gemacht. Uns fehlte einfach die nötige Konsequenz im Zweikampfverhalten", sagte 96-Coach Hecking, dessen Team somit weiterhin auswärts ohne jeglichen Sieg bleibt.

"Wenn es nach einer Minute einschlägt, dann braucht man gar nicht hier hinfahren", wurde Keeper Robert Enke deutlicher, der einmal mehr von seiner desolaten Abwehr im Stich gelassen wurde.

Immer weniger Lust auf Hannover?

Mit 58 Gegentoren steht der Nationaltorhüter in der Schießbude der Liga, und es stellt sich die Frage, wie lange sich das ein Mann von Enkes Kaliber noch antun möchte.

Zumal mit dem FC Bayern ein großer Klub am 31-Jährigen Interesse haben soll. Zwar schweigen die Bayern-Bosse genau wie Enke selbst bisher zu diesem Thema, eines dürfte aber sicher sein.

Mit jedem Spiel, das ähnlich wie in Hamburg abläuft, dürfte Enke immer weniger Lust auf Hannover haben.

Zum Forum - hier mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel