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Schon 18 Tore in dieser Saison: Stuttgarts Mario Gomez ist zweitbester Liga-Schütze © getty

Jedes Tor ihres Ausnahmestürmers bringt die Stuttgarter der Champions League näher - und macht Mario Gomez' Abschied wahrscheinlicher.

Von Christian Paschwitz

München - Er trifft nach Belieben. Schon 18mal in dieser Saison. Dreimal sogar zuletzt beim 3:0 über den 1. FC Köln. (zum Artikel: Stuttgarts meisterliches Deja-Vu)

Jedes Tor hilft: Mit dem zweiten Dreierpack seiner Karriere bringt Mario Gomez den VfB Stuttgart (zur Vereinsseite) der Champions League immer näher.

Das Problem dabei: Mit jedem Tor entfernt sich der 23-Jährige zugleich immer weiter von den Schwaben, was eine Beschäftigung auch in der kommenden Saison betrifft. Denn: Mit jedem Gomez-Streich steigt die Bereitschaft der Interessenten, die auf 35 Millionen Euro festgeschriebene Ablösesumme tatsächlich zu investieren.

Wirtschaftskrise hin oder her: Spitzenvereine in England oder Spanien schrecken vor solchen Transfers nach wie vor wenig zurück - und sind heiß auf Gomez. Real Madrid klopft unter anderem immer wieder an, auch beim FC Barcelona soll der Halb-Iberer auf der Liste stehen.

Magnin glaubt an Abschied

Der Fluch eines Vereins, bei dem vor allem ein Einzelkönner heraussticht? VfB-Teamkollege und Gomez-Kumpel Ludovic Magnin ist sich dessen sicher, hatte bei Sport1.de bereits vor Monaten gesagt: "Dass er uns noch lang erhalten bleibt, glaube ich nicht. Aber ich verstehe, dass er irgendwann sein Ding machen wird."

Bleiben oder gehen, ja oder nein - Stuttgarts Manager Horst Heldt ("Er spielt eine bockstarke Saison") fühlt sich jedenfalls für alle Fälle gewappnet: "Wir sind auf den Tag X vorbereitet."

Als heißer Nachfolgekandidat gilt der Kölner Milivoje Novakovic (14 Saisontore) - der im Duell der beiden Klubs und Torjäger am Wochenende leer ausgegangen war.

Babbel sieht es anders

Wesentlich gelassener geht Markus Babbel mit den Begehrlichkeiten um Gomez um (Spielerporträt). Mehr noch: Der Teamchef sieht die Situation genau gegensätzlich.

"Je erfolgreicher wir spielen und je mehr Mario sieht, dass sich hier etwas entwickelt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er zumindest noch nächste Saison hier bleibt", sagt der 36-Jährige.

Babbel meint demnach: Sollte die Qualifikation für die nur noch drei Zähler entfernte Königsklasse gelingen, stehen die Chancen für Gomez' Verbleib in der schwäbischen Heimat recht gut.

Traumverein Barcelona

Gomez' Spielerberater Uli Ferber drückt es diplomatisch so aus: "Wir sind da nicht unter Druck." Bedeutet: Man wartet ab, wie die Stuttgarter, aktuell Fünfter, abschneiden.

Am letzten Bundesliga-Spieltag reist der VfB zu den Bayern. Nach dem vermeintlichen Finale um Meisterschaft, Champions League wird entschieden - und damit auch um Gomez ("Barcelona ist mein Traumverein").

Dem zweiterfolgreichsten Angreifer der Bundesliga nach Wolfsburgs Grafite ist die Perspektive sehr wichtig, dauerhaft in der Champions League zu spielen: "Wir müssen in anderen Dingen aufholen, nicht in der Torjägerliste."

2012 ist illusorisch

Bis 2012 steht Ferbers Klient beim VfB unter Vertrag. Dass Gomez bis dahin bleibt, gilt jedoch als ausgeschlossen. "Wir tun alles, um seinen Abschied so weit wie möglich hinauszuzögern", sagt Heldt.

Zu den Interessenten zählen neben Klubs aus England, Spanien und Italien weiter die Bayern. Vor allem für den Fall, dass Franck Ribery die Münchner verlässt. Mit der Einnahme der geforderten 50 Millionen Euro für den Franzosen wäre die Verpflichtung des Stürmers gut zu bewältigen.

Bald neuer Bayern-Vorstoß?

Manager Uli Hoeneß hatte nach dem geplatzten Transfer von Gomez einen neuen Versuch für 2009 angekündigt. Angesichts von 37 Torbeteiligungen (29 Tore/8 Vorlagen) in 39 Saison-Pflichtspielen ist die Verlockung keineswegs geringer geworden.

"Ich weiß nicht, was er für Angebote hat. Sollte Mario gehen, wäre es aber schwer, so einen Spieler wieder zu finden", sagt Babbel.

Das Urteil über Gomez' Qualitäten fällt so oder so eindeutig aus: "Er ist ein toller Stürmer. Jetzt fehlt nur noch ein Tor im Nationalteam, dann klappt es auch da mit dem Durchbruch. Dann gehört er zur absoluten Weltklasse", sagt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.

Nur im DFB-Team hapert's

Der Angreifer, in der DFB-Auswahl zuletzt verunsichert, glaubt an das Ende seiner 733 Minuten andauernden Torflaute bei schwarz-rot-gold: "Wenn ich gesund und fit bin, mache ich meine Tore. Auch in der Nationalelf."

Doch zunächst entscheidet Gomez mit seinen Treffern über die Zukunft des VfB - und über seine eigene.

Und macht wohl auch noch seinen Ex-Trainer reich: Der im November entlassene Armin Veh soll 150.000 Euro Erfolgsprämie erhalten, wenn die Stuttgarter Rang fünf erreichen. Für jeden besseren Platz sind es jeweils noch 50.000 Euro mehr.

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