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Klinsmann (M.) im Gespräch mit den Sport1- Redakteuren M. Volkmar (l.) und D. Rathjen © SPORT1

Jürgen Klinsmann spricht im Interview mit Sport1.de über den Fehlstart des FC Bayern und wo er den Rekordmeister hinführen will.

Von Daniel Rathjen und Martin Volkmar

München - Der Erwartungsdruck, der mit der Ankunft von Jürgen Klinsmann beim FC Bayern aufkam, war enorm.

Bislang aber ist der Rekordmeister unter seinem neuen Coach noch nicht so recht in die Gänge gekommen.

Nur zwei Punkte aus den beiden Auftaktspielen gegen Hamburg und in Dortmund bedeuten den schwächsten Start des FCB seit neun Jahren - und entsprechend gibt es auch schon die erste Kritik am früheren Bundestrainer.

Bayern Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach dem Coach daher demonstrativ das Vertrauen aus. "Wir haben absolute Geduld. Wir sind überzeugt, dass wir mit Jürgen Klinsmann den richtigen Mann haben und dass wir auch den richtigen Weg gehen", sagte er im "Blickpunkt Sport" des Bayrischen Fernsehens.

"Ich bin überhaupt nicht hektisch, sondern völlig ruhig."

Auch Klinsmann zeigt sich beim Gespräch mit Sport1.de an der Säbener Straße fast demonstrativ gelassen.

Im exklusiven Interview mit Sport1.de erklärt der 44-Jährige, weshalb ihn der Stotter-Start nicht beunruhigt, warum er sich bewusst für den Job beim "FC Hollywood" entschieden hat und welche großen Ziele er mit dem FC Bayern hat.

Sport1: Jürgen Klinsmann, nach zwei Spielen warten Sie weiter auf Ihren ersten Bundesliga-Sieg als Trainer. Wie sehen Sie die Situation?

Jürgen Klinsmann: Keineswegs negativ. Die Mannschaft findet immer mehr zu sich, die Leistung in Unterzahl war absolut in Ordnung. Natürlich wollten wir in Dortmund gewinnen, jetzt müssen wir nächsten Sonntag den Dreier landen. Ich bin mir ganz sicher, dass wir schon bald ins Rollen kommen werden.

Sport1: Trotzdem gibt es schon Kritik und viele fragen sich bis heute, warum Sie sich diesen Job beim FC Bayern "angetan" haben.

Klinsmann: Für mich ist das eine Möglichkeit, die nie mehr wieder kommen wird. Ich weiß sehr wohl, was ich damit auf mich genommen habe, schließlich habe ich hier selbst gespielt. Es war damals sicher nicht alles rosig. Aber das waren alles Dinge, aus denen ich gelernt und Erfahrungswerte mitgenommen habe. Das kommt mir jetzt zugute.

Sport1: Dennoch stehen Sie als Trainer des FC Bayern noch mehr unter Druck als als Spieler. Haben Sie keine Sorge, dass es Ihnen zu viel werden könnte?

Klinsmann: Nein. Ich glaube, dass mir die Erfahrung als Bundestrainer da unheimlich hilft. Deswegen haben wir bei Bayern auch von Anfang an Strukturen festgelegt, in denen wir uns wohl fühlen. Ob das nun andere Abläufe sind wie die Abschaffung des Trainingslagers vor Heimspielen, ob das interne Arbeit ist oder das Leistungszentrum generell.

Sport1: Aber als Bundestrainer haben Sie sich nach der WM 2006 ausgebrannt gefühlt und nicht mehr weitergemacht.

Klinsmann: Es stimmt, dass ich damals eine Pause gebraucht habe. Was mit der WM in Deutschland ablief, konnte eigentlich keiner richtig greifen und hat viel Kraft gekostet. Im Verband ging es nach der EM 2004 drunter und drüber, da hatten wir auf einmal zwei Präsidenten. Der eine sagte dies, der andere sagte jenes. Und jedes kleine Thema wurde zu einer Grundsatzdiskussion im deutschen Bundestag. Und meine Aufgabe beim DFB war eine ganz andere als jetzt.

Sport1: Inwiefern?

Klinsmann: Als Bundestrainer habe ich die Spieler eingefangen wie sie gerade kamen. Je nachdem, auf welchem Leistungsstand sie in ihren Klubs waren, musste ich das Beste daraus machen. Das Schöne an dieser neuen Herausforderung beim FC Bayern ist, dass ich jetzt mitentwickeln kann, wie ein Spieler zur Nationalmannschaft geht. Wobei das in erster Linie von einem Spieler selbst abhängt - von seiner Einstellung und von seiner eigenen Auffassung.

Sport1: Wie wichtig ist dafür die Rückendeckung der Vereinsführung?

Klinsmann: Die Strukturen, die wir beim FC Bayern haben, sind hochprofessionell - gerade durch die Stärke der drei Führungskräfte. Alle haben ein offenes Ohr, wenn ich etwas Neues ausprobieren will. Wobei sie von mir erwarten, dass ich immer wieder neue Elemente reinbringe.

Sport1: Woran orientieren Sie sich dabei?

Klinsmann: An der Champions League und den Top-Klubs der Welt wie Real Madrid und Manchester United. Denn daran orientieren sich auch die Nationalmannschaften ? und nicht umgekehrt. Der FC Bayern erhofft sich von unserer Arbeit, dass wir die Entwicklung so vorantreiben, dass wir möglichst bald mit den großen Klubs wieder auf Augenhöhe sind. Und das ist natürlich auch unser Ziel.

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