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Miroslav Klose (l.) und Lukas Podolski haben derzeit wenig Grund zur Freude © imago

Bankdrücker-Frust bei Podolski, Ladehemmung bei Klose: Die gefeierten WM-Stürmer von 2006 sind aktuell die Sorgenkinder des FC Bayern.

Von Martin Hoffmann

München - Jürgen Klinsmanns Begründung, warum er Lukas Podolski beim 1:1 in Dortmund auf die Bank setzte, war denkbar lapidar.

"Wenn man drei tolle Stürmer hat, dann muss einer auf die Bank", meinte der Bayern-Coach nur: "Diesmal habe ich mich für Lukas entschieden."

Banale Sache: Aus drei wird erst zwei, wenn man eins abzieht.

Aber dass Fußball mehr als Mathematik ist, musste sich ja schon Klinsis Vorgänger Ottmar Hitzfeld vorhalten lassen.

Klose weiter im Formtief

Die mathematische Entscheidung, "Prinz Poldi" aus dem Bayern-Angriff abzuziehen, hat Podolski schwer verärgert und nichts daran geändert, dass Miroslav Klose weiter seiner Form hinterher läuft.

"Der trifft momentan ja gar nichts. Da muss etwas anderes sein. Das gibt es nicht, dass ein Mann wie er, der nur Torjäger war, der kopfballstark ist und links wie rechts schießt, keinen mehr rein bringt", sagte Bayerns Rekord-Torjäger Gerd Müller im DSF. Für den Fall, dass er Klose Hilfe benötige, stehe er ihm zur Verfügung.

Vielleicht nützt das ja etwas, denn die Verantwortlichen und der Nationalstürmer selbst wirken auf Grund andauernden Torflaute ratlos.

Und auch mit der Rückkehr von Luca Toni sind Bayerns Sturmsorgen nicht geringer geworden, denn der Italiener ist nach seiner Verletzung noch weit von der Topform der vergangenen Saison entfernt.

Entsprechend harmlos präsentierte sich das frühere Erfolgs-Duo "Kloni" in Dortmund - entsprechend genervt war Podolski über die Verbannung auf die Bank.

Frust beim Edel-Reservisten

Den ganzen Frust bekamen am Samstag die Hausreporter des Rekordmeisters zu spüren.

"Hab' ich von Beginn an gespielt oder was? Sucht euch einen anderen", fauchte Podolski die Reporter des vereinseigenen FCB-TV nach seinem 13-minütigen Kurzeinsatz an und verschwand im Mannschaftsbus.

Schließlich hatte der 23-Jährige lange auch öffentlich über einen Wechsel nachgedacht, am liebsten zurück zu seinem Heimatverein 1. FC Köln, ehe ihn Klinsmann schließlich zum Bleiben überredete.

Aber Podolski betonte es immer wieder: "Die Reservistenrolle ist nicht mein Anspruch. Das kann es nicht noch ein drittes Jahr sein für mich."

Köln buhlt weiter um "Prinz Poldi"

Nun droht der Knatsch von vorne loszugehen - und Podolskis Ex-Klub wirft auch schon wieder die Angel nach ihm aus.

"Wenn es die Möglichkeit geben würde, ihn zu holen, würden wir alles daran setzen", erklärte FC-Präsident Wolfgang Overath in der "Welt am Sonntag".

"Wir werden immer um ihn kämpfen und versuchen, ihn zurückzuholen. In jeder Transferperiode. Ich bin mir ganz sicher, dass er irgendwann zum FC zurückkommt."

Verärgerung bei Rummenigge

Mittlerweile sorgt das Dauerwerben in der Bayern-Führung allerdings für zunehmende Verärgerung, da man weitere Unruhe befürchtet.

"Bis auf große Ankündigungen war da bis jetzt nichts. Es gab keine Taten des 1. FC Köln", sagte FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge der "Bild".

"Besonders amüsiert es mich, wenn ich immer höre, dass der FC Bayern den ersten Schritt machen müsse. Jetzt ist das sowieso überhaupt kein Thema."

Den Münchnern ist klar, dass sie mit gerade mal drei Stürmern ohnehin für die Dreifachbelastung in Meisterschaft, Pokal und Champions League nicht optimal besetzt sind. Doch den, der auf die Bank muss, wird diese Wertschätzung nicht trösten.

Wechsel im Sturm?

Allerdings hat Podolski gute Chancen, schon bald in die Startelf zurückzukehren, wenn Klose weiter nicht auf die Beine kommt.

"Miro ist in einer Aufbauphase. Bei ihm fehlt es noch im Eins-gegen-eins und bei der Explosivität. Aber das ist nach so einer EM ganz normal", verteidigt Klinsmann ihn zwar.

Aber Kloses Krise ist nicht erst nach der EM über ihn hereingebrochen. Sie reicht zurück bis in die vergangene Saison und zieht sich konstant durch Länder- und Vereinsspiele.

Seit 559 Spielminuten wartet er mittlerweile auf einen Bundesliga-Treffer, der bislang letzte gelang ihm am 1. März beim 1:0-Sieg auf Schalke.

"Torjäger a.D."

Als "Torjäger a.D." verspottete die "Welt" Klose gar schon. Böse, aber derzeit entspricht es der Faktenlage.

Das Duo Podolski/Klose, 2006 noch gefeierter WM-Sturm, macht den Bayern also weiter Sorgen.

Dabei war mit der Ankunft Klinsmanns die Hoffnung verbunden, dass gerade er doch seine Sommermärchen-Helden wieder auf Vordermann bringen muss.

Bislang ist diese allzu einfache Formel nicht aufgegangen. Fußball ist eben mehr als Mathematik.

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