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Josep Guardiola (r.) trainiert den FC Bayern München seit 2013
Xabi Alonso wechselte kurz vor Ende der Transferphase zum FC Bayern © getty

Die erneute Verletzung von Guardiolas Wunschspieler birgt Gefahren für den FC Bayern. Die Allzwecklösung ist 32 Jahre alt.

Von Julian Ignatowitsch

München - Am Dienstag war die Welt beim FC Bayern noch in Ordnung.

Vor dem Spiel gegen Werder Bremen (Sa. 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) trainierte Thiago Alcantara zusammen mit der Mannschaft auf dem Rasen an der Säbener Straße.

Und Mitspieler Xabi Alonso sagte, angesprochen auf ein eventuelles Comeback seines Landsmanns, Sätze wie: "Das sind großartige Neuigkeiten. Er ist sehr wichtig für die Mannschaft."

Wenige Tage später ist alles anders: Thiago hat sich im Training erneut das Innenband im rechten Knie angerissen und muss operiert werden (News). Er fällt mindestens bis zum Jahresende aus.

Die Frage um die richtige Behandlungsmethode und der Konflikt zwischen Trainer Pep Guardiola und Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt werden damit zum Politikum bei den Bayern (BERICHT: Verletzter Thiago wird zum Politikum).

Die Teamkollegen sendeten Thiago sofort aufmunternde Genesungswünsche.

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Thiago fehlt bereits seit Ende März

Aber was bedeutet der Ausfall im System des FC Bayern?

Auf den ersten Blick wenig, schließlich fehlt Thiago bereits seit Ende März, und doch liegen die Bayern in allen Wettbewerben auf Kurs (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Kurzfristig ist Thiago, dessen Innenband nun schon zum dritten Mal innerhalb von sieben Monaten geschädigt wurde, also zu ersetzen.

Mittelfristig stellt der Ausfall des Mittelfeldspielers die Bayern aber durchaus vor Probleme und könnte den Erfolg in dieser Saison gefährden.

Xabi Alonso, die Ein-Mann-Lösung

Weil derzeit auch Bastian Schweinsteiger (Patellasehnenprobleme) und Javier Martinez (Knie-OP) verletzt sind, ist die Personaldecke im defensiven Mittelfeld extrem dünn.

Der kurz vor der Transferphase verpflichtete Xabi Alonso ist derzeit faktisch der einzige gelernte defensive Mittelfeldspieler beim FC Bayern, der einsatzbereit ist. Dass Guardiola Philipp Lahm gerne auf dieser Position spielen lässt und auch David Alaba als Option für diese Position sieht, eröffnet immerhin Alternativen.

Trotzdem wird den Bayern ein Antreiber wie Thiago, der schnell, trickreich und auch offensivstark ist, mit jeder Woche mehr abgehen.

Bisher fängt Alonso all die Ausfälle erstaunlich gut alleine ab, vereint die Stärken von Thiago, Schweinsteiger und dem abgewanderten Toni Kroos in einer Person.

[kaltura id="0_f2i60aif" class="full_size" title="Lahm bedauert Thiago Ausfall"]

Guardiola muss auf Rotation verzichten

Gegen Köln stellte er mit 206 Ballkontakten gar einen neuen Ligarekord auf - und löste ausgerechnet Thiago (187 Ballkontakte gegen Frankfurt im Februar) ab. Kein Spieler in Europa spielt im Schnitt mehr Pässe als Alonso, nämlich 125 pro Spiel.

Doch wie lange das funktionieren kann, ist fraglich. Schließlich ist Alonso mit fast 33 Jahren nicht mehr der Jüngste und wird seine Pausen benötigen - von Formschwankungen ganz zu schweigen.

Guardiola muss aufgrund der Verletzten erst einmal in weiten Teilen auf Rotation verzichten, womit die Bayern sehr abhängig vom anfangs noch kontrovers diskutierten Neuzugang sind.

Alonso verteidigt kurz vor der Abwehrkette und ist für den Spielaufbau zuständig, gleichzeitig soll er derjenige sein, der vorne den entscheidenden Pass in die Lücke spielt.

Kunststück unter dreifacher Belastung

Und dieses Kunststück muss dem Europameister bei der dreifachen Belastung von Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal gelingen.

Immerhin: Franck Ribery steht kurz vor seinem Comeback und wird zumindest in der Offensive die angespannte Personallage verbessern.

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Bei den beiden CL-Spielen gegen Manchester und in Moskau (je 1:0) ging Bayern zweimal als glücklicher Sieger vom Platz. In der Liga leistete man sich die einzigen beiden kleinen Ausrutscher auf Schalke (1:1) und in Hamburg (0:0).

Noch ist alles relativ in Ordnung

Auch die neue Hiobsbotschaft erschüttert die Münchner nicht bis ins Mark. Noch deutet wenig auf einen Leistungsabfall beim Rekordmeister hin.

Insofern ist die Welt aus Klubsicht auch noch am Freitag relativ in Ordnung.

Doch der Blick von Pep Guardiola dürfte noch öfter ins Lazarett schweifen. Zur K.o.-Runde in der Champions League und zur heißen Saisonphase in der Bundesliga hätte er seine erste Wunschverpflichtung sicher gerne wieder dabei.

[kaltura id="0_fqrt4b9i" class="full_size" title="Mediziner r t Thiago zu psychologischer Hilfe"]

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