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Michael Frontzeck ist seit Januar 2008 Cheftrainer der Arminia © getty

Michael Frontzeck spricht bei Sport1.de über das Spiel in Gladbach und den Reiz des Trainerjobs bei einem Abstiegskandidaten.

Von Daniel Rathjen

München - Michael Frontzeck reist am Sonntag mit seiner Arminia zum vorentscheidenden Duell um den Klassenerhalt nach Mönchengladbach (ab 16.30 Uhr LIVE ).

Für den 45-Jährigen ist es ein besonderes Spiel: Er kehrt in seinen Geburts- und Wohnort zurück, zudem war er als Profi und als Co-Trainer bei den Borussen tätig.

Als Assistent hatte er seine Lehrjahre zudem beim jetzigen Gladbacher Coach Hans Meyer in dessen erster Amtszeit, damals noch auf dem Bökelberg.

Doch statt wie von Meyer vorgesehen dessen Erbe am Niederrhein anzutreten, landete Frontzeck in Bielefeld. Dort rettete er die Arminen im Vorjahr vor dem Abstieg und will das auch in dieser Saison wiederholen.

Schlechte Vorzeichen für Bielefeld

Die Vorzeichen für die Ostwestfalen stehen allerdings alles andere als gut. Die letzten sechs Spiele gewann Gladbach zu Null gegen Bielefeld, zu Hause ließ die Borussia in der Bundesliga sogar in den letzten neun Spielen (sieben Siege) keinen Gegentreffer zu.

Noch dazu fällt Arminias Topstürmer Artur Wichniarek wegen einer Oberschenkelverletzung fast sicher aus.

Über all diese Themen äußert sich Frontzeck im Gespräch mit Sport1.de .

Sport1.de: Herr Frontzeck, am Sonntag kehren Sie in Ihren Geburtsort zurück - als Gegner. Was bedeutet das für Sie?

Michael Frontzeck: Es ist immer etwas Besonderes, nach Hause zu kommen. Ich bin sehr heimatverbunden. Ich bin in Gladbach aufgewachsen und die Borussia ist meine fußballerische Heimat. Andererseits fühle ich mich in Bielefeld auch seit anderthalb Jahren richtig wohl.

Sport1.de: Sie gingen vor neun Jahren bei Hans Meyer in die Lehre. Ist er Ihnen noch überlegen?

Frontzeck: Jede Mannschaft tritt an, um zu gewinnen. Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass unsere Teams gegeneinander spielen. Ich hatte mit Hans Meyer eine fantastische, lehrreiche und erfolgreiche Zeit. Wir hatten viel Spaß zusammen. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Sport1.de: Sie sind in der alten Heimat topmotiviert, wie geben Sie das an Ihre Spieler weiter?

Frontzeck: Ich glaube nicht, dass meine Spieler noch eine Extra-Motivation brauchen. Jeder weiß, worum es geht. Nämlich um alles. Es war von Anfang an klar, dass es für uns eng wird. Wenn ich jetzt noch zusätzlich motivieren müsste, würde etwas Grundsätzliches nicht stimmen.

Sport1.de: Warum schafft die Arminia trotz allem den Klassenerhalt?

Frontzeck: Es geht nur über das Kollektiv. Das ist das A und O. Wir haben einen Etat von 15 Millionen Euro, vor dem Hintergrund ist sicherlich keine individuelle Qualität entscheidend. Wir treten geschlossen auf. Das gilt nicht nur unbedingt für die Mannschaft, sondern für den gesamten Klub.

Sport1.de: Was reizt Sie daran, ständig eine Gratwanderung an der Abstiegszone zu vollziehen?

Frontzeck: Ich würde es nicht als Reiz definieren. Ich hätte durchaus nichts dagegen, wenn wir den einen oder anderen Punkt mehr auf dem Konto hätten. Aber ich wusste von Beginn an, worauf ich mich einlasse. Deshalb habe ich auch kein Problem damit.

Sport1.de: Frustriert es Sie nicht, dass kein Geld da ist, wenn eigentlich dringend Verstärkungen nötig wären?

Frontzeck: Mich hat ja niemand gezwungen, Trainer in Bielefeld zu werden. Ich mache das gerne und identifiziere mich mit der Vereinsphilosophie. Es ist eine sagenhafte Leistung und alles andere als selbstverständlich, dass man mit diesem Etat seit fünf Jahren in der Bundesliga spielt. Um das zu schaffen, muss sich jeder im Verein bis zur Decke strecken.

Sport1.de: Werden Sie wütend, wenn Ihre Stürmer trotz bester Chancen dann einfach das Tor nicht treffen?

Frontzeck: Leider fehlt uns momentan das letzte Quäntchen Glück. Das müssen wir wieder erzwingen. Da hilft kein Lamentieren und kein Rumjammern, sondern nur Arbeit. Insgesamt haben wir uns spielerisch weiterentwickelt. Chancen hatten wir in allen Spielen.

Sport1.de: Sie haben Ihr Team unter der Woche für drei Tage ins Trainingslager nach Herzlake geschickt. Was versprechen Sie sich davon?

Frontzeck: Wir haben das nicht gemacht, weil die Ergebnisse so schlecht sind oder weil wir irgendetwas Besonderes aushecken wollen. Wir wären auch nach Herzlake gefahren, wenn wir gegen Bayern gewonnen hätten. Wir haben dort optimale Bedingungen und fahren dort meist mit einem guten Gefühl wieder weg.

Sport1.de: Der "Geist von Herzlake" hat Artur Wichniarek offenbar aber nicht gut getan. Er kam verletzt zurück. Kann er gegen Mönchengladbach spielen?

Frontzeck: Wir fahren mit 19 Mann nach Gladbach. Es ist unwahrscheinlich, dass Artur spielt. Er hat am Samstag nicht trainiert. Er hat Probleme im Oberschenkel, die vom Rücken her kommen. Es ist jedenfalls kein Faserriss. Wenn er gegen Gladbach nicht auf dem Feld steht, sind die Chancen sehr groß, dass er gegen Stuttgart wieder dabei ist.

Sport1.de: Inwiefern planen Sie bereits die nächste Saison?

Frontzeck: Die Planungen laufen. Aber in erster Linie fokussieren wir uns auf das große Ziel Klassenerhalt.

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