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Mark van Bommel wurde vor Saison von Trainer Jürgen Klinsmann zum Kapitän ernannt. Er wurde als erster Ausländer Spielführer beim FC Bayern. © getty

Mark van Bommel spaltet die Fußball-Fans. Ist er noch der richtige Bayern-Kapitän? Auch die Sport1-Redaktion teilt sich in Pro und Contra.

Pro: Gefürchtet - und teambildend

Von Michael Spandern

Dreimal Gelb-Rot für Mark van Bommel in den vergangenen zehn Bundesliga-Spielen - das ist natürlich (zu) viel. Aber die Quote ist erstens nicht repräsentativ für seine Karriere und zweitens auch seinem unvorteilhaften Kampfnamen "Aggressiv-Leader" geschuldet.

Die Schiedsrichter wissen, dass der Niederländer auf dem Rasen nicht zu den Lämmern gehört. Sein Ruf mag van Bommel bei den Unparteiischen schaden - bei Mit- und Gegenspielern jedoch ist er von Vorteil. Er ist der Haudegen, der sich für keinen Zweikampf zu schade ist und auch mal einen Mitspieler rächt, wenn diesem überhart zugesetzt wird.

Diese "Teamjustiz" ist zwar nicht im Sinne des Fairplays, stärkt jedoch das seelische Gleichgewicht und den Zusammenhalt einer Mannschaft. Andere richten sich an ihm auf, einen wie ihn brauchen die Bayern.

Darum hat van Bommel mannschaftsintern trotz seiner Feldverweise wohl genügend Fürsprecher. Und die Gegner fürchten seine Attacken und ziehen im Zweifel lieber mal zurück. Darum ist er der richtige Kapitän.

Grob unsportliche Aktionen sind zudem bei van Bommel die große Ausnahme. International wird der Wert eines solchen Kämpfers daher viel höher geschätzt.

Contra: Vom Aggressiv-Leader zum Problem-Fall

Von Frank Oettl

Keine Frage: Bayern hat nach dem Abgang von "enfant terrible" Stefan Effenberg keinen Feldspieler als Aggressiv-Leader gehabt. Einen Mann, der auf dem Platz seine Mitspieler mitreißt und auch einmal ein Zeichen setzt - und wenn es durch ein Foul ist.

Natürlich haben Effenberg und auch Oliver Kahn hin und wieder über die Stränge geschlagen, unnötige Platzverweise kassiert und für unschöne Szenen auf dem Platz gesorgt. Aber sie hielten dem Druck stand. Van Bommel muss das erst beweisen. Drei Platzverweise in zehn Partien sprechen allerdings eine andere Sprache:

Entweder ist van Bommel dem Druck als erster ausländischer Kapitän der Bayern nicht gewachsen oder der Niederländer hat seinen Zenit einfach überschritten und kann die Gegner nur noch durch unnötige Fouls stoppen.

So oder so, spätestens bis zur Winterpause muss van Bommel zeigen, dass er die Bayern anführen kann - sonst ist die Kapitänsbinde ganz schnell woanders.

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