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Frank Rost bekam beim 0:1 den Ball von Sebastian Kehl durch die Beine gespielt © getty

Nach der zweiten Pleite in vier Tagen droht dem HSV auch das Verpassen der zweiten Titelchance. Dortmund hofft auf den UEFA-Cup.

Von Matthias Becker

München/Dortmund - Sie gaben sich beim Hamburger SV alle erdenkliche Mühe, die bösen Geister nicht an sicher heran zu lassen.

2:0 hatte der HSV gerade in Dortmund verloren und droht nach dem bitteren Pokalaus gegen Werder Bremen auch die Titelchance in der Bundesliga liegen zu lassen. (SPIELBERICHT: Herber Rückschlag für den HSV)

Doch Trainer Martin Jol will von alledem nichts wissen.

"Noch können wir viel erreichen, haben es sogar selbst in der Hand", sagte der Niederländer, bezog aber auch den Worst Case in seine Überlegungen ein:

"Wenn es nicht sein soll, dann müssen wir wenigstens Platz fünf sichern. Wir wollen ins europäische Geschäft." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Beiersdorfer: Trotzdem alle Möglichkeiten

Offiziell lässt sich der HSV beim Versuch, den ersten Titel seit 22 Jahren (Pokalsieg 1987) zu gewinnen, auch vom zweiten Rückschlag binnen vier Tagen nicht aus der Bahn werfen.

Man habe "trotzdem noch die Möglichkeiten in der Meisterschaft unser Ziel zu erreichen und stehen im Halbfinale des UEFA-Cups", hielt etwa Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer fest.

400. Bundesliga-Heimsieg des BVB

Bei allen Durchhalteparolen dürfte der Auftritt in Dortmund den Hamburgern aber die Augen über ihre derzeitige Situation geöffnet haben.

Nach einem guten Start mit einigen ansehnlichen Angriffen ging dem HSV beim 400. Bundesliga-Heimsieg des BVB buchstäblich die Luft aus.

"Regenerieren und die letzten Kräfte sammeln"

In Nebensätzen ließ sich heraushören, dass dies auch Spielern und Verantwortlichen bewusst war.

Man müsse das Spiel "abhaken, abschalten regenieren und die letzten Kräfte sammeln", stellte Piotr Trochowski fest.

Beiersdorfer war sich derweil "sicher, dass wir die Spieler wieder hinkriegen und die Saison zu einem guten Ende führen."

Zu viele Fehler für die Meisterschaft?

Auch wenn Coach Jol darauf bestand, dass die Mannschaft "nicht platt, aber auch nicht konsequent genug war", ahnte auch er, dass das Ziel Meisterschaft für sein Team in diesem Jahr noch zu hoch hängen könnte:

"Die jungen Spieler lernen schnell, aber nicht schnell genug. Man kann Fehler machen, aber nicht, wenn man den Titel holen will."

Jol baut die Mannschaft um

Ob Jol diese Erkenntnis nach dem Pokal-Aus gekommen war?

Jedenfalls reagierte er auf die Kritik an seiner Startaufstellung gegen Werder und baute sein Team vom 4-3-3 auf ein 4-5-1 mit den offensiven Außen Jonathan Pitroipa und Trochowski um.

Beide konnten aber nicht verhindern, dass Dortmund nach etwa 25 Minuten das Kommando übernahm und nach wunderbarem Pass von Nuri Sahin durch Sebastian Kehls Direktabnahme (32.) zur Führung kam.

Bei zahlreichen Konterchancen in Halbzeit zwei hätte der BVB den Sack zu machen müssen, musste bis zum 2:0 in der Schlussminute durch Freis Elfmeter aber auch nur einmal zittern. Der eingewechselte Albert Streit traf für den HSV per Kopf die Latte.

Dortmund will nach oben

Die Borussia erhielt sich durch den fünften Sieg in Folge die Chance, doch noch auf einen UEFA-Cup-Platz zu stürmen.

"Man will als Spieler immer viel erreichen. Im Moment haben wir die Hoffnung, dass nach oben noch was passieren kann", sagte Patrick Owomoyela.

Dass Dortmund in der Tabelle weiterhin auf Platz sieben liegt, brachte den von den Fans stürmisch gefeierten BVB-Trainer Jürgen Klopp nicht aus der Ruhe:

"Arbeit wird nicht immer sofort belohnt. Vielleicht zahlt die sich nach dem sechsten oder siebten Sieg auch tabellarisch aus."

Wochen der Wahrheit gehen weiter

In Hamburg hoffen sie derweil, dass sich die Arbeit der bislang so positiv verlaufenen Saison überhaupt noch auszahlt.

Am kommenden Sonntag kommt Hertha BSC zum vielleicht schon vorentscheidenden Spiel in der Liga.

Schon am Donnerstag steht das UEFA-Cup-Hinspiel in Bremen an.

Die bösen Geister des Scheiterns schweben weiter über dem HSV.

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