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Freude über das 2:0: Torschütze Naldo, Özil, Pizarro und Diego (v.l.) © getty

Nach einer katastrophalen ersten Halbzeit kriegt Bremen gegen Bochum gerade noch die Kurve. Tim Wiese ist dennoch stocksauer.

Bremen - Der Pokalheld von Hamburg war so richtig geladen.

"Das war peinlich, grottenschlecht und grenzte an Arbeitsverweigerung", fauchte Werder Bremens Torhüter Tim Wiese und redete sich nach dem mühsamen 3:2 (0:2)-Arbeitsieg gegen den VfL Bochum weiter in Rage.

"Wenn es in der zweiten Halbzeit so weitergegangen wäre, hätten wir den Zuschauern das Eintrittsgeld zurückzahlen müssen."

Ging es aber nicht, und so konnte man beim Vize-Meister erste Mutmaßungen der Konkurrenz, beim Tabellen-Zehnten nehme man die Liga nicht mehr so richtig ernst, zunächst einmal kontern.

"Durfte so nicht weiterlaufen"

Sportdirektor Klaus Allofs hatte dabei aber die Gefahr eines empfindlichen Imageschadens durchaus erkannt: "So wie in den ersten 45 Minuten durfte unser Spiel nicht weiterlaufen."

Die stark beanspruchten Stammspieler Claudio Pizarro, Mesut Özil und Clemens Fritz fehlten in der Startformation.

Erst nach der Einwechslung dieses Trios fanden die Hanseaten zu einer Leistung, die zumindest ansatzweise an die Klasse des siegreichen Auftritts in Hamburg heranreichte.

Coach Thomas Schaaf allerdings machte den blamablen Start nicht an der Qualität seiner Spieler, sondern an deren Einstellung fest: "Alle haben am Anfang zu wenig getan."

Wende in 25 Minuten

Eine intensive Pausenansprache des Trainers und die beiden Treffer des Bochumer Torjägers Stanislav Sestak in der 16. und 44. Minute weckten den Ehrgeiz der Platzherren.

"Manchmal vergisst man schon binnen drei Tagen, wie es geht", sagte Allofs und kritisierte den arg späten Sinneswandel der Bremer.

Innerhalb von 25 Minuten drehten sie dann aber durch die Tore von Hugo Almeida (54.), Naldo (70.) und Diego (79.) das enge Spiel.

"Kann mich über Tore nicht mehr freuen"

Und so wurde aus dem erhofften Befreiungsschlag des Tabellen-14. im Kampf um den Klassenerhalt vor 39.303 Zuschauern im Weserstadion am Ende doch nichts.

"Ich kann mich über meine beiden Tore jetzt nicht mehr freuen. Wir hätten einen dritten Treffer erzielen müssen, dann hätten wir etwas mitgenommen", sagte Sestak.

VfL-Trainer Marcel Koller ergänzte: "Wir haben die Bremer mit unserem 2:0-Vorsprung gereizt."

Warnung für den UEFA-Cup

Dem wollte Kollege Schaaf nicht widersprechen, von leisen Hoffnungen auf einen ruhigen und geordneten Nachmittag musste sich der 47-Jährige aber schnell verabschieden: "So etwas scheint es bei uns nicht zu geben. Wir haben mehr Kraft als nötig gebraucht, um wieder den richtigen Weg einzuschlagen."

Vor dem zweiten Nordderby gegen den Hamburger SV im Halbfinale des UEFA-Pokals am Donnerstag empfand Allofs das hart umkämpfte Spiel als einen die Sinne schärfenden Weckruf.

"Die Finalstimmung, die von außen an die Mannschaft herangetragen wurde, hat sie ein bisschen abschweifen lassen", sagte der Werder-Manager:

"So gesehen war es ein warnendes Beispiel dafür, wie schnell es in die falsche Richtung laufen kann."

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