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Während die KSC-Profis feiern, herrscht bei Bayer Leverkusen (hinten) Tristesse © getty

Nach dem Coup gegen Leverkusen will der KSC prompt nachlegen. Derweil holt Bayer-Sportchef Rudi Völler zum Rundumschlag aus.

Düsseldorf - Mit seinem Traumtor wider Willen hat ausgerechnet Innenverteidiger Sebastian Langkamp dem Karlsruher SC im Abstiegskampf neues Leben eingehaucht.

"Eigentlich wollte ich klären, dass der Ball dann so ins Tor reinfällt - dagegen habe ich nichts", kommentierte der 21-Jährige sein kurioses erstes Bundesliga-Tor (72.) aus genau 46,5 Metern, das den unerwarteten 1: 0 (0:0)-Erfolg (zum Spielbericht) bei Pokalfinalist Bayer Leverkusen in Düsseldorf sicherstellte.

Durch den ersten Dreier nach neun Spielen ohne Sieg hat das Schlusslicht den Anschluss an die anderen Teams im Tabellenkeller wieder hergestellt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) .

Glück auf Seiten des KSC

Langkamp grätschte im Mittelkreis den Ball in Richtung des Bayer-Tores.

"Ich wollte mich schon abdrehen, dann sehe ich, dass der Ball drin ist. Dass ich so ein glückliches Tor mache, ist einmalig", sagte der Defensivspezialist, der mit seinem Grätschtreffer sogar Nationaltorwart Rene Adler überraschte, der keine Abwehrchance hatte.

Oft hatten die Badener in den letzten Wochen und Monaten kein Fortune, diesmal stand ihnen die Glücksgöttin gegen Bayer zur Seite.

KSC-Kapitän Christian Eichner wittert nun wie das ganze Karlsruher Team wieder Morgenluft.

"Wir haben gezeigt, dass der KSC lebt. Wir brauchen drei Siege, um die Liga zu erhalten. Heute haben wir als Mannschaft, als Kollektiv gewonnen", sagte der Außenverteidiger.

Letztmals hatten die Karlsruher am 7. Februar nach dem Sieg gegen den Hamburger SV (3:2) jubeln dürfen.

Big Point gegen Cottbus?

Allerdings weiß Trainer Edmund Becker auch, dass nun der nächste Schritt folgen muss: "Wenn wir am Samstag gegen Cottbus nicht nachlegen, dann war dieser Sieg für die Katz!"

Manager Rolf Dohmen ergänzte: "Wir müssen die drei Punkte gegen Cottbus holen, dann werden die anderen nervös."

Nach dem Sieg vor 23.500 Zuschauern war beim Ex-Profi unterdessen der Bart ab. "Seit dem Schalke-Spiel vor zwei Wochen habe ich den Bart wachsen lassen, jetzt wird er nach dem Sieg abrasiert", kündigte Dohmen an.

Pfiffe gegen Werkself

Während die Karlsruher Fans jubelten, musste sich die Werkself Pfiffe der Anhänger gefallen lassen. Vier Tage nach dem 120-Minuten-Pokalkrimi gegen den FSV Mainz 05 (4:1 n.V.) war die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia von allen guten Geistern verlassen.

"Man kann verlieren, aber so nicht", schimpfte Sportchef Rudi Völler mit aschfahlem Gesicht und drohte einigen Assen:

"Wir werden die Leistungen der Spieler in den nächsten Wochen genau beobachten. Einige waren dabei, die haben nicht begriffen, was Profifußball bedeutet."

Breitseite gegen Duo

Die Verlängerung gegen Mainz wollte der ehemalige DFB-Teamchef auf keinen Fall als Entschuldigung gelten lassen: "Nicht alle hatten 120 Minuten auf dem Buckel."

Eine deutliche verbale Breitseite wohl vor allem in Richtung von Torjäger Patrick Helmes (18 Saisontreffer) - der wurde gegen Karlsruhe zur Pause ausgewechselt - und des Schweizer Nationalspielers Tranquillo Barnetta.

Beide hatten im Pokal nicht das komplette Pensum absolvieren müssen und blieben dennoch gegen den KSC deutlich unter ihren Möglichkeiten.

"Blutleere Vorstellung"

Labbadia umschrieb den grausamen Auftritt seiner Truppe mit Worten wie "Bankrotterklärung" und "blutleere Vorstellung": "Kein Spieler auf dem Platz hat Verantwortung übernommen."

Statt mit Euphorie nach dem Einzug ins Pokalfinale zu operieren, zeigte Bayer Beamtenfußball und wollte mit geringst möglichem Aufwand siegen. Das ging ins Auge, womit die Negativserie im "Exil" Düsseldorf weiter Bestand hat.

Sechs Bundesliga-Spiele wurden im Ausweichquartier bestritten, kein Sieg eingefahren und drei Niederlagen kassiert. Das Spiel gegen Karlsruhe bedeutete den vorläufigen Tiefpunkt.

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