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Grund zu Feiern: Martin Lanig, Khalid Boulahrouz, Mario Gomez (v.l.n.r.) © getty

Stuttgart rückt immer näher ans Titelrennen, doch der VfB versucht die Euphorie gemeinschaftlich auf kleiner Flamme zu halten.

Von Martin Hoffmann

München - Meisterschaft kein Thema. Champions League auch nicht. Nächstes Spiel in Bielefeld sehr schwer.

Die Statements der Stuttgarter nach dem 2:0 gegen Frankfurt (SPIELBERICHT: Stuttgarts Höhenflug hält an) - ob sie vom Trainer kamen, vom Manager, von den Spielern - glichen sich.

Mit vereinten Kräften mühten die Schwaben sich, die aufkommende Euphorie nach dem fünften Sieg in Folge auf kleiner Flamme zu halten - obwohl der VfB nun mit den Bayern gleichgezogen und vorübergehend nur noch drei Punkte von der Tabellenspitze weg ist (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch die Stuttgarter betonten kollektiv, dass sie nur die UEFA-Cup-Qualifikation und den Abstand zu den Verfolgern Schalke und Dortmund im Blick haben, der - fürs Protokoll - bei fünf Punkten geblieben ist.

Nur die Fans wollten da nicht mitspielen und stimmten schon kurz vor dem Abpfiff den allseits bekannten Gesang an, dass der Deutsche Meister lediglich ihr Verein sein kann (96831DIASHOW: Der 29. Spieltag).

"Im Moment einfach eiskalt"

Dabei hatte der Sieg gegen Frankfurt eigentlich nichts Berauschendes.

"Wir haben nicht gut gespielt", gab Sportdirektor Horst Heldt unumwunden zu. Berauscht konnten die Fans allenfalls von der Kaltschnäuzigkeit ihres Teams sein.

"Aus drei Chancen haben die Stuttgarter zwei Tore gemacht", erkannte Frankfurts Michael Fink, selbst beim VfB groß geworden, an: "Da sind sie im Moment einfach eiskalt."

Ein Schuss, ein Tor von Gomez

Diese kühle Effizienz verkörperte an diesem Samstag einmal mehr Mario Gomez wie kein Zweiter.

Aus seinem einzigen Torschuss machte er in der 48. Minute das 2:0, dass die Begegnung endgültig für sein Team entschied.

Kurz vor Schluss gönnte ihm Markus Babbel dafür einen Gänsehaut-Moment und ließ ihn unter "Gomez-Gomez"-Sprechchören vorzeitig vom Feld gehen.

Cacau drückt den Stempel auf

Dabei war es diesmal weniger Gomez, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte, es war sein Sturmkollege Cacau.

Der Brasilianer kann sich immer mehr Anteile an dem Stuttgarter Aufschwung zuschreiben lassen.

Dabei war der Schütze zum 1:0 vor kurzem noch in einem scheinbar essenziellen Tief.

Unter Babbel hatte er seinen Stammplatz zeitweise an Ciprian Marica verloren und schmorte oft 90 Minuten auf der Bank, weil der Teamchef in Youngster Julian Schieber den wirkungsvolleren Joker sieht.

Kilometer gefressen

Doch Cacau hat sich das Vertrauen Babbels zurückerarbeitet und rechtfertigt es derzeit von Woche zu Woche.

Der Führungstreffer des 28-Jährigen in der 33. Minute war sein viertes Tor in seinen letzten sechs Einsätzen, nachdem er zuvor in 14 Saisonspielen lediglich einmal getroffen hatte.

Dazu gab er auch die meisten Torschüsse ab und fraß mal wieder Kilometer um Kilometer. "Er hat unheimlich viel gearbeitet", zollte Heldt Cacau seinen Respekt.

Babbel erhört die Fans nicht

Einen Extra-Jubel wollten die Fans hinterher aber nicht Cacau, sondern dem Urheber der Stuttgarter Erfolgsgeschichte gönnen. "Wir wollen den Trainer sehen", skandierte die VfB-Fankurve.

Babbel aber erhörte seinen Anhang nicht. Nicht etwa, weil er sich in seiner offiziellen Berufsbezeichnung als Teamchef vom Wort "Trainer" nicht angesprochen fühlte: Er war nach eigenen Angaben schon in der Kabine.

Und überhaupt: "Wenn ich in die Kurve gehe, will ich auch etwas präsentieren können."

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