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Luca Toni blieb gegen die beste Abwehr der Liga ohne nennenswerte Möglichkeit © getty

Nach dem bitteren 0:1 gegen Schalke haken die Bayern die Meisterschaft ab. Trainer Klinsmann steht wieder heftig in der Kritik.

Von Martin van de Flierdt und Daniel Rathjen

München - Nun wissen es auch die Bayern. Wie es ist, wenn Meisterschaftsträume jäh zerplatzen.

Und vor ihren Augen der Torwart des Gegners jubelnd die Eckfahne aus der Verankerung reißt, sich auf den Boden wirft und seine Freude rausschreit.

"Ich war 2001 im Parkstadion und habe auf der Videoleinwand aus Schalker Sicht unschöne Dinge mitansehen müssen", begründete Manuel Neuer seine Reminiszenz an Oliver Kahns Hamburger Meisterjubel jenes Jahres nach dem 1:0-Erfolg seiner "Knappen" bei Bayern München (SPIELBERICHT: Schalker Tiefschlag für Bayern).

Neuers Königsblaue haben sich nun auf ihre Weise revanchiert. "Nach so einem Spiel brauchen wir nicht mehr an die Meisterschaft zu denken", räumte Philipp Lahm Sport1.de gegenüber ein.

"Sollten die Wolfsburger in Cottbus gewinnen, kann man ihnen zur Meisterschaft gratulieren", meinte auch Bayerns Aufsichtsratsboss Franz Beckenbauer bei "Premiere".

"Dann hätten sie sechs Punkte Vorsprung plus das bessere Torverhältnis."

Aus im Champions-League-Viertelfinale gegen Barcelona, Aus im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Leverkusen, und nun das Aus im Titelkampf?

Bloß nicht nach Braga

"Wenn ich nicht mehr Meister werden kann, weil die anderen zu weit weg sind, muss ich mich auf das nächste Ziel konzentrieren. Und das ist der zweite Platz", findet zumindest Beckenbauer. "Denn ich habe keine Lust, in der nächsten Saison wieder im UEFA-Cup nach Braga zu reisen, wo man auf zwei Felsen zuspielen muss."

Für das Zustandekommen der Niederlage gegen Schalke, die Halil Altintop mit seinem Treffer herbeiführte (21.), hatte der "Kaiser" wenig Verständnis.

"Sie gehen raus und wollen immer in den ersten 15, 20 Minuten das Spiel entscheiden", bemängelte er die Spielweise der Münchner. "Und am Ende haben sie nichts mehr zuzusetzen. Es fehlt mir ein bisschen Kalkül, das Nüchterne. Fußball hat auch ein bisschen was mit Hirn zu tun." 96831(DIASHOW: Der 29. Spieltag)

Klinsmann nach außen gelassen

Eine Breitseite gegen Jürgen Klinsmann und dessen ausgegebene Marschroute. "Das muss ich schlucken", gab sich der Trainer äußerlich gelassen. "Wenn man mit dem FC Bayern nicht oben steht, gibt es Kritik, Pfiffe und Diskussionen um die Trainerposition." Der Druck sei in München eben "ständiger Begleiter".

Er werde seine Sache dennoch "bis zum Ende durchziehen. Und in vier Wochen wissen wir dann mehr." Dass Klinsmann diese Zeit in München noch eingeräumt wird, bezweifelt offenbar sogar Beckenbauer. "Es nützt nichts: Er kann noch so viel Ruhe ausstrahlen. Es fehlen die Ergebnisse."

Gegen Mönchengladbach müsse in der nächsten Woche gewonnen werden, "sonst wird es für Jürgen eng". Dass dabei Franck Ribery nach überflüssiger Gelb-Roter Karte (76.) und Tim Borowski wegen einer Gelbsperre nicht helfen können, macht die Angelegenheit nicht einfacher.

"Keine Sorgen um meine Zukunft"

Des Rückhalts von Manager Uli Hoeneß, der ebenso wie Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge am Samstag wortlos aus der Arena stapfte, ist sich Klinsmann aber nach wie vor sicher.

"Ich mache mir keine Sorgen um meine Zukunft", behauptete er. "Denn es geht ja nicht um meine Person, sondern um den FC Bayern." Doch dieser Klub hat bekanntlich besondere Ambitionen. "Hier musst du Meister werden", meinte Kapitän Mark van Bommel. "Sonst hast du deine Sache nicht gut gemacht."

Auf Schalke würde dagegen schon ein UEFA-Cup-Platz für große Freude sorgen, dem die "Knappen" mit dem vierten Erfolg in Serie wieder näher gekommen sind.

Das Interims-Trainertrio Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck hat nun bei zehn Spielen neun Zu-Null-Siege und ein Remis eingefahren. Das ist vereinsinterner Startrekord.

Büskens bleibt nüchtern

"Wir haben sehr viel investiert und sind dafür auch belohnt worden", blieb Büskens gewohnt nüchtern. Die Erfolgsbilanz und eine enorme Popularität der drei Trainer machen es Schalkes Klubverantwortlichen allerdings zunehmend schwer, sie im Sommer abzulösen.

Daran verschwendet Büskens offiziell genauso wenig einen Gedanken ("Wir wollen nur unsere Arbeit vernünftig machen") wie die Spieler an einen UEFA-Cup-Platz.

"Vor ein paar Wochen hieß es noch, bei uns sei die Luft raus", sagte Gerald Asamoah zu Sport1.de. "Also müssen wir jetzt auch nicht gleich wieder anfangen zu träumen."

Jones fällt unangenehm auf

Zumal die Schalker bei einem Handspiel von Vicente Sanchez und einem Trikotzupfer von Mladen Krstajic gegen Luca Toni das Glück der Tüchtigen hatten, dass ein Elfmeterpfiff ausblieb.

Unschön war aus ihrer Sicht lediglich die gelb-rote Karte für Jermaine Jones (70.), der zuvor schon durch eine Handgreiflichkeit gegen van Bommel aufgefallen war.

"In der Situation versuche ich ihn nur von mir fernzuhalten", erklärte der Mittelfeldmann. "Wer mich kennt, weiß, dass ich keine Angst habe. Wenn ich ihn hätte schlagen wollen, dann hätte ich das getan." Für van Bommel war der Nachmittag aber auch so wohl schon unangenehm genug.

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