vergrößernverkleinern
Mittendrin und noch dabei: Jürgen Klinsmann beim Auslaufen am Sonntag © getty

Der umstrittene Bayern-Coach leitet auch nach der Schalke-Pleite das Training. Zumal nach der Wolfsburger Pleite alles offen bleibt.

Von Martin Volkmar und Mathias Frohnapfel

München - Der Auftrieb war enorm, doch den "Katastrophen-Touristen" wurde am Sonntag an der Säbener Straße wenig geboten.

Nicht mal 20 Minuten drehten die Bayern-Spieler vor rund 1000 Fans sowie zahlreichen Journalisten und Kamerateams ihre Runden.

Vorne weg lief allen Spekulationen zum Trotz auch am Tag nach der 0:1-Heimpleite gegen Schalke 04 Jürgen Klinsmann. (NACHBERICHT: Ohne Hirn und Chance auf den Titel)

Der umstrittene Trainer musste sich zwar einige "Klinsmann raus"-Rufe gefallen lassen, erhielt aber auch Zuspruch von einigen Anhängern.

Ob er noch mal öffentliche Rückendeckung für die Endphase der Saison vom Vorstand erhält, ist fraglich.

Krisengipfel der Bayern-Führung

Angeblich traf sich das Bayern-Führungstrio Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner noch am Sonntag zum Krisengipfel.

Zuletzt hatten sich alle einen Maulkorb auferlegt, nach dem erneuten Rückschlag im Titelkampf gegen die Schalker herrschte ebenfalls kollektives Schweigen.

Auch die Spieler und Klinsmann selber, der gegen 12.30 Uhr mit Teammanager Christian Nerlinger das Vereinsgelände verließ, gaben keine Stellungnahmen mehr ab.

Am Samstag hatte man dem glücklosen Coach seinen Frust deutlich angemerkt, gleichzeitig hatte er aber einen Rücktritt ausgeschlossen.

"Ich bin ein Kämpfer"

"Ich bin ein Kämpfer. Wir wollen das mit aller Energie durchziehen", hatte Klinsmann erklärt.

"Die Arbeit mit der Mannschaft funktioniert und macht Spaß. Die Chemie stimmt."

Der erneut enttäuschende Auftritt in der Allianz Arena vermittelte allerdings einen völlig gegenteiligen Eindruck. Nach der bereits siebten Saisonniederlage wird auch die direkte Qualifikation für die Champions League immer unsicherer. (SPIELBERICHT: Schalker Tiefschlag für Bayern)

Das war Anfang 2007 genau der Grund für die überraschende Entlassung von Felix Magath gewesen. Von daher ist auch diesmal denkbar, dass der Rekordmeister bei Klinsmann die Reißleine zieht.

Alles offen im Titelkampf

Gegen eine sofortige Trennung spricht allerdings die Tatsache, dass im Kampf um die Meisterschaft nach der Wolfsburger Niederlage in Cottbus alles offen bleibt. 96831(DIASHOW: Der 29. Spieltag)

"Die Wahrscheinlichkeit auf den Titel ist natürlich wesentlich kleiner geworden", hatte Klinsmann noch am Samstag gesagt. "Wir lassen trotzdem nicht locker. Aber die Qualifikation für die Champions League ist das absolute Muss."

Oliver Kahn hatte hingegen schon vor dem Sonntagsspiel bei Sport1.de erklärt, dass "Bayern doch noch Meister wird".

Denn der "Titan" war von einem Heimsieg der Cottbusser ausgegangen - und behielt Recht.

Gleichzeitig konnte Kahn aber seine Unzufriedenheit über die enttäuschende Saison des Rekordmeisters kaum verbergen.

"Das ist doch klar bei diesen Entscheidungen, die getroffen wurden", meinte er vielsagend.

Beckenbauer lobt Klinsmanns Engagement

Auch Bayern-Präsident Franz Beckenbauer hatte herbe Kritik an den Leistungen des Teams geübt, gleichzeitig aber das Engagement des Trainers gelobt.

"Es wäre jammerschade, wenn es nicht funktioniert. Der FC Bayern hat so viel investiert, Klinsmann hat so viel investiert", sagte er.

Der "Kaiser" machte jedoch deutlich, dass spätestens das nächste Heimspiel über das Schicksal des Chefcoaches entscheidet:

"Man kann noch so viel Ruhe ausstrahlen, entscheidend sind die Ergebnisse. Gegen Mönchengladbach muss gewonnen werden, sonst wird es auch für Jürgen eng."

Kaum Alternativen für Klinsmann

Gegen eine Trainerwechsel spricht aber auch der Mangel an Alternativen:

Da Ottmar Hitzfeld eine erneute Rückkehr kategorisch ausgeschlossen hat, kommt für die letzten fünf Spiele vermutlich nur noch ein Ex-Münchner wie Klaus Augenthaler oder eine interne Lösung in Frage.

Schon vor einigen Wochen kursierte ein Notfallmodell mit Hitzfelds Ex-Assistent Michael Henke, derzeit bei Bayern Chefanalytiker, und Vorstandsberater Paul Breitner. Auch Mehmet Scholl könnte dann eine Rolle spielen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel