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Pure Enttäuschung in Grün: Josue (l.) und Jan Simunek trauern der vergebenen Chance nach © getty

Wolfsburgs Siegesserie endet in Cottbus. Trainer Felix Magath reagiert mit Galgenhumor und kritisiert seine Spieler.

Von Mathias Frohnapfel

München/Cottbus - Egal, ob Sieg oder Niederlage, die Wolfsburger Profis müssen nach jeder Partie im Stadion auslaufen und ein Dehnprogramm absolvieren.

Eine Pflichtübung, die die "Wölfe" am Sonntagabend in Cottbus ziemlich genervt haben dürfte.

Schließlich feierten während der niedersächsischen Gymnastikstunde die Lausitzer mit ihren Fans euphorisch den 2:0-Sieg (Tore: Dimitar Rangelov, Ervin Skelva) über den Tabellenführer.

Und die Wolfsburger ärgerten sich über eine verpasste Riesengelegenheit.

Die verpasste Riesenchance

Fünf Punkte hätte bei einem Erfolg der Abstand auf den Tabellenzweiten Hertha BSC betragen können, sechs gar auf den FC Bayern. Die Meisterschaft wäre noch ein wenig näher gerückt. Hätte, wäre.

Stattdesssen befinden Trainer Felix Magath und seine Mannen auf dem Boden der Realität.

Doch der Coach ging betont gelassen mit der ersten Schlappe nach zehn Siegen in Serie um.

"Wir haben große Chancen vergeben, deshalb haben wir heute nicht gewonnen." Besonders Grafite, aber auch Edin Dzeko spielten deutlich unter ihren Möglichkeiten. (zum Spielbericht)

Kaltschnäuzigkeit fehlte

Eine Wolfsburger Tugend der vergangenen Spiele fehlte sowieso gänzlich: der Killerinstinkt. Nervenflattern? Das mochte Magath nicht bewerten.

Immerhin gestand er, dass die Situation in Cottbus Eindruck auf seine Spieler gemacht haben mochte. Nach der 0:4-Niederlage gegen Schalke war ziemlich viel Feuer bei den Cottbusern, Entschuldigung und Versöhnung mit den Fans inklusive.

"Die Zuschauer waren vom ersten Moment hinter ihrer Mannschaft und unsere junge Truppe war da schon ein bisschen durcheinander", analysierte Magath.

Und der Meister der Tiefstapelei wiederholte beschwörend sein Sprüchlein der vergangenen Wochen: Man wolle nur unter die ersten fünf Teams kommen.

"Da sehen wir doch ganz gut aus", sagte der VfL-Coach spitzbübisch.

Nichtsdestotrotz: Dass Magath nicht Meister werden möchte, glaubt wohl ohnehin niemand.

Letztlich steht der VfL als ein, wenn nicht als der Verlierer des Spieltags da. Die Bayern (Niederlage gegen Schalke) und der HSV (Niederlage gegen Dortmund) hatten scheinbar alles dafür getan, um Wolfsburg den Weg zu ebnen.

"Mannschaft hat Herz gezeigt"

Doch die Cottbuser bekämpften die Niedersachsen mit einfachen, aber effektiven Mitteln. Vor allem mit schier unglaublicher Kampfkraft stemmte sich der Außenseiter gegen den Tabellenersten. Wolfsburg offenbarte, dass es eben doch verletztlich ist.

Coach Bojan Prasnikar sah sich in seiner Arbeit bestätigt und freute sich, denn: "sicher ist ein Sieg gegen Wolfsburg, den Ersten, etwas Besonderes. Die Mannschaft hat Herz gezeigt. Nur so haben wir gegen bessere Mannschaften eine Chance."

Cottbus steht nach dem Dreier nun auf Tabellenplatz 15.

Misimovic macht Team Mut

Bei den Cottbusern war es insbesondere Gerhard Tremmel, der zum Held des Spiels avancierte. Der Keeper trieb mit seinen Glanzparaden die Wolfsburger zum Verzweifeln.

Magath kommentierte: "Tremmel hat alles gehalten", fügte aber auch selbstkritisch hinzu: "Auch unsere Stürmer haben nicht ihren besten Tag gemacht. Der Abschluss war ungenügend."

Marcel Schäfer gab hernach im Stadion der Freundschaft zu, dass der Tabellenführer letztlich "den Kampf nicht angenommen" habe. "Natürlich sind wir enttäuscht."

Und Mittelfeld-Wirbler Zvjezdan Misimovic, der in der Nachspielzeit einen Ball an den Pfosten setzte, bemühte sich aus der bitteren Pleite etwas Positives zu ziehen.

"Vielleicht war es eine Niederlage zum richtigen Zeitpunkt", sagte er. Schließlich soll das Dehnprogramm am nächsten Wochenende nach dem Spiel gegen Hoffenheim entspannter ausfallen.

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