In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Keiner wird Deutscher Meister!

Oder besser: Jetzt hat es keiner mehr wirklich verdient, wirklich gewollt. Die Meisterfeier ? wird einfach abgesagt?

Dabei hatte ich schon alles für dieses Wochenende vorbereitet für meinen Lieblingstrainer Felix Magath. Eiskalt.

Denn: Felix liebt Eis, Joghurt-Eis in rauen Mengen. Also: einen Berg Joghurt-Eis nach VW-City, für Felix, den Meister-Macher.

Nichts da, es wird aufgetaut oder ich esse es selbst! Nach der Pleite in Cottbus muss ich leider schreiben: Selber schuld.

Nur und ausschließlich nach dem Triumph über Bayern kamen aus Golf-Town verbale Meister-Zeichen, danach hat Magath nur davon geredet, dass seine Mannschaft noch nicht so weit sei...

Wer diesen Titel mit Worten verschenkt, darf nicht erwarten, dass dann im Stadion der Freundschaft echte "Meister-Monster" aus dem Kabinen-Tunnel kommen und nach der Schale greifen!

Mann, Felix, den Meister-Wimpel vom DFB gibt es dieses Jahr im Sonder-Angebot!

Die schwächsten Bayern seit ich Fußball lebe, schwächeln immer weiter vor sich hin, der Rest der Liga fühlt sich - dito - noch "nicht reif genug" - siehe Hertha, siehe HSV (zu müde von der Dreifach-Belastung).

Es bleibt: der VfB Stuttgart. Aber auch dort wird langsam gegeizt mit Anspruch. In Worte gefasst: "mal abwarten, wenn keiner will". Blablabla.

Steht doch mal auf, wenn IHR Meister werden wollt, könnt und SAGT es: Ja, wir holen den Titel! Was soll denn passieren, wenn nicht?

Nur wer sagt, was er denkt, glaubt, kann auch damit rechnen, dass er es bekommt. WAS ER WILL. Nur Meister werden will gar keiner. Nur die Bayern. Aber das wäre nicht mehr verdient.

Aus diesem Grund: DANKE, Cottbus. Danke für Charakter, für Willen, für Kampf bis zum Letzten. Ich mag diesen Klub!

Seit 1999. Damals war ich Trainer von Fortuna Köln und wir verloren am ersten Spieltag der Zweien Liga in Cottbus mit 0:2.

Was ich mitgenommen habe: ENERGIE. Dort wird mit sehr begrenzten Mitteln seit Jahren ein Super-Job gemacht.

Ob Ede Geyer, ob Petrik Sander, ob heute. In Cottbus gibt es keine "Knete" von einem lokalen, regionalen Groß-Konzern als Hauptsponsor, dort wird alles von ALLEN irgendwie getragen.

Cottbus ist für mich Fußball pur. Geben und Nehmen in Balance. Bodenständigkeit. Mit allen Nachteilen, aber eben auch Vorteilen.

Der Sieg gegen Wolfsburg war der gefühlte Klassenerhalt. Denn immer zum Schluss der Saison gewinnt Energie zu Hause.

Das macht diese Mannschaft - egal mit wie vielen Ausländern auch immer gespickt - so anders: der Charakter.

Cottbus heißt kämpfen! Nie aufgeben. Und wenn man abgeht, dann mit Fight bis zur letzten Patrone. Diese Gnadenlosigkeit vermisse ich im Abstiegskampf, vor allem in Gladbach. Neuerdings auch in Bielefeld.

In einem Finale um die Liga darf es kein Unentschieden geben. Vor allem die Borussia darf nicht weinen, wenn es nach Spieltag 24 heißt: Und tschüss!

Wer solch ein "Sechs-Punkte-Spiel" nicht mit dem Mut und dem Charakter zum Sieg angeht (siehe Cottbus), landet unten oder in der Hölle der Relegation.

Was ganz Persönliches zum Schluss: Ich habe - egal wie auch immer diese verrückte Saison auch ausgeht - einen neuen Lieblingstrainer: Mike Büskens und seine Crew.

Was dieser "Schalke-Typ" leistet, ist wirklich unglaublich. Auch wenn viele Kommentare wieder kommen werden "was sind denn zehn Spiele..."

Eine EWIGKEIT in dieser Situation. Fakt ist: Büskens und Co können was, ziemlich gut sogar. Schade nur, dass es nicht die richtigen oderwichtigen merken.

Bis nächste Woche!Euer Toni Schumacher

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