vergrößernverkleinern
Uli Hoeneß holte zum zweiten Mal Jupp Heynckes zum FCB zurück © getty

Die Lage hatte sich zugespitzt, nun ist es offenbar beschlossene Sache: Der FC Bayern feuert seinen Trainer Jürgen Klinsmann.

Über den FC Bayern berichtenDaniel Rathjen und Matthias Becker

München - Jürgen Klinsmann ist nach nicht einmal zehn Monaten als Trainer beim FC Bayern gescheitert.

Am Montag, zwei Tage nach der 0:1-Niederlage gegen Schalke 04 (NACHBERICHT: Ohne Hirn und Chance auf den Titel), zog der Vorstand die Notbremse, nachdem die Bayern zuletzt auch in der Bundesliga die hochgesteckten Erwartungen nicht mehr erfüllen konnten.

Dies gilt auch für die Assistenztrainer Martin Vasquez und Nick Theslof. Bis zum Saisonende übernimmt Jupp Heynckes die Nachfolge von Klinsmann.

Heynckes und Gerland übernehmen

Als Ex-Bayern-Trainer und Freund von Manager Uli Hoeneß kennt er den Verein bestens.

Zudem wird ihm Amateur-Coach Hermann Gerland an die Seite gestellt. (Diskutieren Sie mit: Rettet Heynckes die Bayern?)

"Wir brauchen jetzt Aufbruchstimmung", erklärte Manager Uli Hoeneß am Nachmittag auf einer 30-minütigen Pressekonferenz.

"Wir hatten so viele Bremsen drin. Heynckes ist der Richtige. Er ist ein Fußballlehrer. Das brauchen wir jetzt."

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenige versicherte: "Wir haben uns diese Entscheidung sehr schwer gemacht."

Doch der Klub sah sich zu einer Reaktion genötigt. "Die Ergebnisse der vergangenen Wochen, die Art und Weise wie diese zustande kamen und vor allem die Situation fünf Spieltage vor Saisonende zwangen uns aus Verantwortung dem Klub gegenüber zu handeln", erklärte er.

Mit Heynckes und Gerland hätte der Klub nun zwei erfahrene Trainer, denen die Leitung der Mannschaft bis zum Saisonende übertragen werde.

Elan ohne Wirkung

Heynckes war bereits von 1987 bis 1991 Trainer des Rekordmeisters. Gerland trainiert seit 2001 die zweite Mannschaft des Klubs, war davor bereits von 1990 bis 1995 Amateurtrainer an der Säbener Straße.

Klinsmanns Vertrag wäre noch bis zum 30. Juni 2010 gelaufen. Der 44-Jährige war noch am Samstag von einer Fortsetzung seiner Arbeit beim Rekordmeister überzeugt.

Er sehe durchaus eine Zukunft, zumal die Chemie zur Mannschaft nach seiner Aussage stimmen würde.

"Sehr enttäuscht"

Kurz nach dem Rauswurf reagierte er geknickt. "Natürlich bin ich im Moment sehr enttäuscht", sagte Klinsmann.

"Trotzdem möchte ich mich von Herzen beim FC Bayern, seinen Fans, den Trainern, den Spielern und den Mitarbeitern für eine ereignisreiche Zeit bedanken."

Er stellte klar: "Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft. Ich glaube noch immer daran, dass die Mannschaft in dieser Saison Deutscher Meister werden kann."

Nur 302 Tage im Amt

Am 30. Juni 2008 war der ehemalige Bundestrainer beim FC Bayern mit hohen Ansprüchen und viel Elan in seine erste Amtszeit als Vereinstrainer gestartet.

Jeden Spieler wollte der 44-Jährige besser machen, eine neue Spielphilosophie entwickeln und zudem möglichst viele Titel gewinnen - doch nach exakt 302 Tagen ist davon nicht viel übrig geblieben.

In der Champions League und im DFB-Pokal war für die Münchner im Viertelfinale Endstation gewesen.

Massive Kritik

Immer mehr Auflösungserscheinungen machten sich breit, schon seit Wochen stand der frühere Torjäger massiv in der Kritik. Bei den Fans hatte Klinsmann schon länger jeden Kredit verspielt.

Tiefpunkte waren zuletzt das 0:4 in der Champions League beim FC Barcelona und das 1:5 in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg.

Nach dem 0:1 gegen Schalke war auch der Vorstand mit seiner Geduld am Ende.

"Am Ende zählt nur das, was wir auf dem Platz sehen. In der letzten Saison waren wir an 34 Spieltagen Tabellenführer, in dieser Saison noch nie", analysierte Rummenigge.

Schlechte Bilanz

Rummenigge, Hoeneß und Finanzvorstand Karl Hopfner beschlossen in einer mehrstündigen Krisensitzung gemeinsam mit Teammanager Christian Nerlinger den Rauswurf von Klinsmann.

Am Montagfrüh wurde der Weltmeister von 1990 von diesem Entschluss unterrichtet.

"Viele hatten wohl damit gerechnet, dass wir nachdem Wolfsburg in Cottbus verloren hatte, wir Klinsmann noch eine Chance geben. Aber wir wollen jetzt ein Zeichen setzen", so Hoeneß.

In der Bundesliga gab es unter Klinsmann in 29 Spielen bereits sieben Niederlagen.

Für die Bayern ist es schon jetzt die zweitschlechteste Liga-Bilanz der vergangenen zehn Jahre. Nur 2006/07 hatte es zehn Pleiten in einer Saison gegeben.

Wer in der kommenden Saison den FC Bayern führt, ist noch nicht klar. Darüber kann von jetzt an wild spekuliert werden. "Heynckes wird definitiv nur bis Saisonende bleiben", stellte Hoeneß klar.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel