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Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß gehen hart mit Klinsmann ins Gericht © getty

Rummenigge und Hoeneß sind wieder frohen Mutes: Heynckes und Gerland treten am Dienstag ihren Job als Trainer des FC Bayern an.

Über den FC Bayern berichtenDaniel Rathjen und Matthias Becker

München - 2006 war er der Held des WM-Sommermärchens.

Jetzt wurde Jürgen Klinsmann zum Sündenbock beim FC Bayern (Kommentar: Überschätzt von allen Seiten).

Der 44-Jährige ist nach nicht einmal zehn Monaten als Trainer beim deutschen Rekordmeister gescheitert (Bayern feuern Klinsmann).

Das Experiment mit dem selbst ernannten Reformer ist nach 302 Tagen beendet. Nun soll Jupp Heynckes die Bayern in die Erfolgsspur zurückführen (Diskutieren Sie mit: Rettet Heynckes die Bayern?).

Der 63-Jährige, 1998 mit Real Madrid Champions-League-Sieger, war seit seinem Abgang bei Borussia Mönchengladbach am 31. Januar 2007 ohne Job und wird nun bis zum Saisonende Chefcoach.

"Ich tue das für den FC Bayern, der mir das Sprungbrett in den internationalen Fußball gegeben hat, und aus Freundschaft zu Uli Hoeneß", sagte Heynckes der "Rheinischen Post".

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach nach der schon länger erwarteten Trennung von einem notwendig gewordenen "Befreiungsschlag".

Es sei ein Moment entstanden, "an dem wir eine psychologische Barriere zur Seite räumen mussten, um unsere Ziele zu erreichen".

Der FC Bayern brauche eine "Aufbruchstimmung", unterstrich Manager Uli Hoeneß.

Ein längerfristiges Engagement von "Don Jupp" (Das Porträt) schlossen die Bayern-Verantwortlichen bereits aus, sie wollen "zeitnah" für die kommende Saison eine "überzeugende Lösung" präsentieren.

Am Montagmorgen wurde Klinsmann von seinem Rauswurf unterrichtet. Er sei "überrascht", ja sogar "schockiert" gewesen sein, berichtete Hoeneß.

Die vorzeitige Trennung von Klinsmann, dessen Vertrag noch bis zum 30. Juni 2010 gelaufen wäre, sowie von dessen Assistenten Martin Vasquez und Nick Theslof soll die Münchner angeblich rund zehn Millionen Euro an Abfindungen kosten.

"Natürlich bin ich im Moment sehr enttäuscht", hatte Klinsmann nach einer "ereignisreichen Zeit" gesagt 98604(Diashow: Am Ende bleibt Chaos).

"Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft. Ich glaube noch immer daran, dass die Mannschaft in dieser Saison deutscher Meister werden kann."

Dieses Ziel sahen die Verantwortlichen allerdings gefährdet, deshalb sahen sie sich zum Handeln gezwungen.

Auf einer Pressekonferenz im Mediencenter an der Säbener Straße erklärten sich Hoeneß, Rummenigge und Finanzvorstand Karl Hopfner.

Sport1.de fasst die wichtigsten Aussagen zusammen (alle Reaktionen):

Uli Hoeneß:

"Wir müssen uns die Frage stellen: Was passiert auf dem Platz? Das war seit Wochen bis auf wenige Ausnahmen nicht gut genug. Wir waren in dieser Saison noch nicht einmal Tabellenführer. Wir haben gehandelt, weil wir die Ziele gefährdet sahen."

"Wir sehen jetzt die Chance, mit neuem Schwung noch das Unglaubliche zu schaffen."

"Heynckes ist ein Fußballlehrer. Das ist es, was wir jetzt brauchen."

"Jürgen Klinsmann war sehr enttäuscht. Wir werden in keiner Weise schmutzige Wäsche waschen und erwarten dies auch von Jürgen."

"Wir konnten uns sehr schnell auf Jupp Heynckes einigen. Trotz der Entlassung 1991 hat meine Freundschaft mit ihm nicht gelitten. Wir haben beide geweint wie die Schlosshunde. Es geht aber nicht darum, alte Freundschaften zu pflegen, sondern darum, dass er der richtige Mann ist."

"Wir brauchen Aufbruchstimmung. Wir hatten so viele Bremsen drin."

"Vielleicht beziehen wir Jupp Heynckes in die Trainerfindung mit ein. Wir wollen die Trainerfrage in vier bis sechs Wochen klären."

"Das Konzept von Klinsmann hat uns auf dem Papier überzeugt. Aber auch das beste Konzept nützt nichts, wenn die Ergebnisse nicht stimmen."

Karl-Heinz Rummenigge:

"Die Buh-Rufe gegen Jürgen Klinsmann waren belastend."

"Wir haben uns diese Entscheidung sehr schwer gemacht. Aber die Ergebnisse der vergangenen Wochen, die Art und Weise, wie diese zustande kamen, und vor allem die Situation fünf Spieltage vor Saisonende, zwangen uns aus Verantwortung dem Klub gegenüber zu handeln."

"Wir trauen Jupp zu, mit seiner Erfahrung und seiner Ruhe die Dinge in die richtige Richtung zu lenken."

"Die Mannschaft hat die Entscheidung ziemlich neutral aufgenommen. Aber eines ist klar: Ab sofort ist die Mannschaft gefragt, Vollgas zu geben. Für den einen oder anderen war Jürgen immer ein Alibi. Das gibt es jetzt nicht mehr. Wir werden die Situation jetzt genau verfolgen und sehen, wer bereit ist, sich für den Verein zu zerreißen."

"Vergessen Sie alles, was sie bisher vernommen haben. Wir hatten bis Sonntagabend, als wir Jupp anriefen, noch keinen anderen Trainer kontaktiert. Das wird aber ab jetzt passieren."

"Wir waren gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Ich möchte aber auch betonen, dass uns positive Dinge bleiben vom Konzept Jürgen Klinsmann. Zum Beispiel das Leistungszentrum, um das uns auch ein Jose Mourinho beneidet."

"Wir werden uns viele Gedanken über den Trainer der neuen Saison machen und entsprechende Gespräche mit potenziellen Kandidaten führen."

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