Matthias Becker fühlt sich bei der Pressekonferenz zur Entlassung Jürgen Klinsmanns an die Vergangenheit des FC Bayern erinnert.

Es ist fast ein bisschen wie früher, an diesem Montagnachmittag beim FC Bayern.

In der Zeit vor Jürgen Klinsmann.

Da drängten sich Reporter und Kameraleute regelmäßig in einen winzigen Pressepavillon, direkte am Rande des Trainingsplatzes gelegen.

Enger Körperkontakt und muffige Luft charaktisierten die Arbeitsatmosphäre.

Es war die Zeit vor Mediencenter, Leistungszentrum und computergesteuerter Tagesplanung beim Rekordmeister.

Aber auch im neuen, modernen Mediencenter ist an diesem Montag der Platz knapp bemessen:

[image id="10247ae2-65ed-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Gut 70 Journalisten versuchen sich im grau gehaltenen Presseraum des Rekordmeisters Platz zu verschaffen, zwölf Kamerteams positionieren sich.

Vier TV-Sender übertragen sogar live, als Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Finanzchef Karl Hopfner am Montagmittag die Trennung der Münchner von Projektleiter Klinsmann erläutern. (Bayern feuern Klinsmann)

Die Bayern-Presseabteilung musste eigens die Bänke aus der angrenzenden Kantine herüberschaffen, damit auch jeder einen Sitzplatz erhaschen kann. Und trotzdem müssen einige Kollegen das Schauspiel im Stehen verfolgen.

Man sollte annehmen, dass dies ein dunkler Tag in der Vereinshistorie von Deutschlands bekanntesten und erfolgreichsten Fußballklub ist.

Immerhin markiert dieser Tag an der Säbener Straße den Abschied vom Gedanken, binnen kürzester Zeit ein topmoderner europäischer Trendsetter zu werden.

Doch weit gefehlt. Wenn an diesem angenehmen Frühlingstag etwas greifbar ist, dann ist es vor allem die Erleichterung aller Beteiligten, endlich einen Schlussstrich unter das vielleicht größte Missverständnis der Klubgeschichte gezogen zu haben.

Ehrenpräsident Dr. Fritz Scherer schaut bei der Pressekonferenz vorbei, scherzt mit altgedienten Reportern und verfolgt den Auftritt von Hoeneß und Co. interessiert aus dem Plenum.

Der Manager versprüht auf dem Podium fast schon die altbekannte Kampfkraft und Wortgewalt, als er von der Interimslösung mit seinem guten Freund Jupp Heynckes redet.

Nichts mehr zu sehen vom in sich zusammengesackten Hoeneß, wie er noch am Samstag bei der Heimniederlage gegen Schalke auf der Bayern-Bank zu sehen war. (Diskutieren Sie mit: Rettet Heynckes die Bayern?)

Draußen scherzt Stürmer-Legende Gerd Müller mit einer Anwohnerin, die passierenden Rentner analysieren mit dem Bayern-Wachpersonal die Schwächen im Kader und das Abwehrverhalten von Christian Lell.

Es ist, als wäre der FC Bayern nach 302 Tagen Jürgen Klinsmann wieder bei sich selbst angekommen.

Es ist fast wieder wie früher.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel