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Jupp Heynckes trainierte zuletzt bis 2007 Borussia Mönchengladbach © getty

Der Bayern-Vorstand hat die Ära Jürgen Klinsmann hinter sich: Jupp Heynckes übernimmt. Wirklich angriffslustig gibt er sich aber nicht.

Über den FC Bayern berichtet Christian Paschwitz

München - Er ist da, der neue Retter, der den FC Bayern nun doch noch zu einem versöhnlichen Saisonende führen soll.

Im grauen Anzug und weißen Hemd - und wie immer mit geröteten Wangen - nahm Jupp Heynckes (Das Porträt) mit Assistent Hermann Gerland und Manager Uli Hoeneß Platz bei seiner offiziellen Vorstellung an der Säbener Straße (alle wichtigen Aussagen).

Heynckes, der Nachfolger des tags zuvor geschassten Jürgen Klinsmann (Bayern feuern Klinsmann). "Don Jupp", wie sie den 63-Jährigen auch nennen. Weil er 1998 mit strenger Hand Real Madrid zum Champions-League-Gewinn führte.

Heynckes, der 1974 mit Bayern-Manager Uli Hoeneß gar Weltmeister wurde.

Und der nicht zuletzt - schon einmal bei den Bayern - 1989 und 1990 die Meisterschaft an die Isar holte.

Heynckes stellte bei seinem Amtsantritt allerdings schnell klar, dass Wunderdinge von ihm nun keineswegs zu erwarten sind (Diskutieren Sie mit: Rettet Heynckes die Bayern?).

Ein Job als Blockade-Löser

Natürlich: Er traue sich zu, "die psychische Blockade der Spieler" zu lösen, die tags zuvor auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge moniert hatte.

"Die Spieler müssen wieder frei sein in den Köpfen. Ich kann dem Klub helfen, ich habe sehr viel Erfahrung mit solchen Dingen." Heynckes Lösungsansatz dafür klingt jedoch wenig innovativ: Einzelgespräche und der Gruppen-Dialog.

Kampfansage? Fehlanzeige

Und die große Kampfansage an die Konkurrenz im Titelkampf? Die blieb Heynckes ganz schuldig.

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"Über den Meistertitel soll man gar nicht nachdenken und nicht darüber sprechen. Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren: das nächste Spiel", sagte er vor dem Duell.

Das steigt ausgerechnet bei Heynckes? Ex-Klub Borussia Mönchengladbach (Sa., ab 15 Uhr LIVE).

Champions League, mehr nicht

Immerhin einmal zeigte sich Heynckes ein wenig angriffslustig: ?Bayern München muss nächstes Jahr in der Champions League dabei sein. Und das muss das Ziel sein."

Heynckes selbst muss eigentlich gar nichts mehr. Auch sein Spontan-Engagement, bei den Bayern für die verbleibenden fünf Partien in die Bresche zu springen, sei eher aus Nettigkeit für seinen alten Weggefährten Hoeneß zustande gekommen.

Der gab die Komplimente gern zurückgab ("Jupp, mein alter Kumpel").

"Ein Freundschaftsdienst"

"Ein Freundschaftsdienst" quasi, wie Heynckes zugab: "Es ist nicht meine Lebensplanung gewesen, noch mal beim FC Bayern auszuhelfen. Meine Frau hat mir dann geraten, es zu machen."

Zumal Heynckes nach vier Operationen "auch gesundheitlich wieder vollständig hergestellt" sei. Ganz anders als zum Ende seines letzten Bundesliga-Engagements vor zwei Jahren in Gladbach.

Heynckes weiß trotzdem, dass seine Aufgabe keineswegs leicht wird. Und über das Saisonende hinausgehen soll sie ohnehin nicht ("Das ist kein Thema").

Erstes Training

Die Bayern-Profis werden ihren neuen Coach in Aktion erstmals am Dienstag-Nachmittag ab 16 Uhr kennenlernen.

Eine halbe Stunde, nachdem sich Klinsmann von ihnen verabschiedet, steigt das erste Training unter Heynckes' Leitung.

Mehr als 1000 Zuschauer werden erwartet, Reporter und Kameras in Massen berichten.

Entscheidende Phase

Fünf Partien bleiben Heynckes, um den FC Bayern zumindest in die Champions League zu führen. Besser gar noch zur Meisterschaft.

"Da werden wir auf erfahrene Spieler setzen", verriet Gerland, der in seiner ihm eigenen Art etwas Pep in die Pressekonferenz brachte.

Das heißt auch: Jörg Butt bleibt im Tor, Mark van Bommel der Kapitän.

Dass er jeden Spieler jeden (Spiel-)Tag ein bisschen besser machen wolle, hat Heynckes bei seinem Amtsantritt immerhin nicht gesagt.

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