Manager Dieter Hoeneß vom VfL Wolfsburg hält das zunehmende Ost-West-Gefälle im deutschen Profi-Fußball für eine "fatale Entwicklung". Der frühere Nationalspieler forderte einen Transfer von Management-Know-How, um Ost-Vereine zurück auf die Bundesliga-Landkarte zu holen.

"Viele Vereine im Osten wurden Opfer von nur nach kurzfristigem Profit gierenden Raubrittern, obwohl sie eigentlich eine hervorragende Infrastruktur und Substanz hatten. Darunter leiden sie bis heute, aber es ist noch nicht zu spät", sagte Hoeneß der "Super Illu".

In der kommenden Saison ist erstmals seit dem sportlichen Zusammenschluss 1991 kein Klub aus Berlin oder den neuen Bundesländern in der Bundesliga vertreten.

Hoeneß, bis 2009 selbst 13 Jahre Manager beim Erstliga-Absteiger Hertha BSC, sieht eine besorgniserregende Entwicklung. "Erstliga-Fußball sorgt für eine regelmäßige, meist positive öffentliche Wahrnehmung, die sich nicht nur auf den sportlichen Bereich begrenzt. Städte und Regionen, die regelmäßig in den Medien präsent sind, haben auch größere Chancen, für potenzielle Investoren interessant zu werden." Auch mache es die Menschen stolz, wenn ihre Stadt im Konzert der Großen mitspiele. Das, so Hoeneß, habe "eine hohe soziale Bedeutung".

Nach Meinung des 57-Jährigen haben Klubs in Ostdeutschland zu wenig in die Nachwuchsarbeit investiert. "Nachwuchsarbeit kostet Geld. Und ein Verein, dem es wirtschaftlich nicht so gut geht, kürzt als erstes die Investitionen im Jugendbereich."

Ausdrücklich begrüßte der Wolfsburger Manager das Engagement des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull in Leipzig als "klugen Schachzug". Hoeneß weiter: "Aber ich möchte auch Berlin nicht abschreiben. Hertha steigt in der nächsten Saison hoffentlich wieder auf. Auch mit Union ist zu rechnen. Die Region wird nicht lange auf Erstliga-Fußball verzichten müssen."

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