Präsident Martin Kind von Hannover 96 hat erstmals vorsichtige Kritik am Umfeld des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke geübt, der im vergangenen November Selbstmord begangen hatte.

"Ich habe menschlich zwar Verständnis, dass das persönliche Umfeld, das von der Krankheit wusste, ihn geschützt hat. Aber ich denke, hätten sie anders gehandelt, hätte man vielleicht andere Optionen haben können. Vielleicht sogar, dass Robert Enke heute noch leben würde", sagte Kind im "NDR"-Sportclub.

"Diese Fragen müssen wir uns doch stellen. Auch im Sinne der Aufarbeitung und der Lehren aus dem Schicksal Robert Enkes. Das ist ja auch das Anliegen der Robert-Enke-Stiftung. Ich habe nur die Wahrheit gesagt. Wenn man das nicht sagen darf, habe ich dafür kein Verständnis", erklärte Kind gegenüber "Bild".

Der Unternehmer räumte aber auch eigene Fehler rund um das tragische Ereignis ein:

"Für die Trauerfeier gab es kein Lehrbuch und keinen Ordner. Im Nachhinein würde ich empfehlen, einiges anders zu machen. Zum Beispiel, dass die Spieler den Sarg getragen haben, war eine zu große Belastung für sie."

Die Zeremonie fand seinerzeit vor 40.000 Zuschauern in der Hannoveraner WM-Arena statt und wurde von fünf TV-Sendern live übertragen.

Hannovers Präsident will seine Aussagen nicht als Schuldzuweisungen gelten lassen: "Nein, es geht überhaupt nicht um die Frage der Schuld. Es geht um die Frage: 'Haben wir es richtig gemacht?' Diese Frage werden sich alle Betroffenen stellen. Wer sich diese Frage nicht stellt, akzeptiert das Geschehene einfach."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel