Nach der geplatzten Vertragsverlängerung für Klubchef Bernd Hoffmann beim Bundesligisten Hamburger SV hat HSV-Aufsichtsrat Marek Erhardt anonyme Morddrohungen erhalten.

"Die Anrufer sprachen mit verstellten Stimmen, richteten ihre Drohungen gegen meine Familie und mich. Mir wurde klargemacht, dass sie es ernst meinen", sagte der 41-Jährige dem "Hamburger Abendblatt" und erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt.

Schauspieler Erhardt war bis vor gut zwei Jahren Stadionsprecher bei den Hanseaten und erst im Januar 2011 in der Kontrollgremium gewählt worden. Bei der Abstimmung über Hoffmanns Zukunft galt der Enkel des verstorbenen deutschen Komikers Heinz Erhardt als Zünglein an der Waage.

Hoffmann hätte für die Verlängerung seines bis zum 31. Dezember 2012 datierten Vertrages eine Zwei-Drittel-Mehrheit aus den Reihen des Aufsichtsrats benötigt. Erhardt stimmte gegen den Klubboss. Die Wahl ging zwar mit 7:5 Stimmen für Hoffmann aus, für seinen Verbleib beim HSV war dies jedoch nicht ausreichend.

Kritiker warfen Erhardt anschließend einen persönlichen Feldzug gegen den Vorstandsboss vor, weil er von diesem einst als Stadionsprecher abgesetzt worden war. Erhardt wies die Vorwürfe entschieden zurück.

"Ich empfinde es schon als diskriminierend, dass das Ergebnis der Wahl überhaupt öffentlich geworden ist. So etwas muss aufhören", echauffierte sich HSV-Ikone Uwe Seeler.

Auch Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff zeigte sich erbost. "Es ist für mich absolut inakzeptabel, einzelnen Aufsichtsräten öffentlich unlautere Motive oder sogar persönliche Einzelinteressen zu unterstellen", meinte der 59-Jährige: "Das ist nicht Stil des HSV. Das hat in unserem Verein nichts zu suchen. Die Grenzen des Zumutbaren sind deutlich überschritten worden."

Neben Erhardt wurden auch andere Mitglieder des Kontrollgremiums, die für einen Abschied Hoffmanns votiert hatten, in E-Mails bedroht und beschimpft.

"Es wird immer unterschiedliche Auffassungen geben in einem Verein. Aber dass wir jetzt in eine Ebene mit massiven Bedrohungen gegen Aufsichtsräte kommen, hatten wir so extrem noch nie. Da müssen wir aufpassen", sagte der ebenfalls betroffene Kontrolleur Jürgen Hunke.

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