Der Fan des Bundesliga-Klubs 1. FC Nürnberg, der am Samstag im Kölner Hauptbahnhof von einem ICE überrollt wurde und seinen rechten Arm verlor, ist nach Vereinsangaben kein Hooligan.

"Nach unseren Informationen gehört Andre nicht der Hooligan-Szene an", sagte Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader in einem am Montag auf der Vereinswebseite veröffentlichten Interview. In Medienberichten war der Fan als "Hooligan" bezeichnet worden.

"Ich glaube, allen ist damit gedient, in der aktuellen Debatte zum Thema 'Gewalt im Fußball' zu mehr Sachlichkeit zurück zu kehren. Pauschale Vorverurteilungen helfen niemandem weiter", sagte Bader weiter und fügte hinzu, der Verein habe die Nachricht "mit Fassungslosigkeit und tiefer Betroffenheit aufgenommen".

Zuvor hatte bereits die Ultra-Bewegung "Banda di Amici", zu der der 19-Jährige gehört, gegen die Vorverurteilung protestiert:

"Unser Gruppenmitglied Andre war weder einer, der körperliche Gewalt gesucht hat, noch war er in irgendeiner Weise vorbestraft", hieß es in einer Mitteilung.

Wie der Nürnberg-Fan vor den einfahrenden Zug geraten ist, ist weiter unklar.

Die Polizei und Staatsanwaltschaft Köln begannen zunächst wegen eines versuchten Tötungsdelikts zu ermitteln. Mittlerweile haben sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Zeugen gemeldet, die auf einen anderen Hergang hinweisen:

"Sie haben ausgesagt, dass der 19-Jährige über die Bahngleise gelaufen war und dabei vor den Zug gefallen sei", sagte Oberstaatsanwalt Alf Willwacher der "Nürnberger Zeitung" (Dienstagsausgabe).

Der Nürnberg-Anhänger befand sich mit anderen Fans auf der Rückfahrt vom Bundesliga-Spiel beim FC Schalke 04 (0:4).

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