Nach dem Suizidversuch des Schiedsrichters Babak Rafati fordert Herbert Fandel ein kollektives Umdenken der "Trainer, Manager und Spieler."

Der Chef der Kommission für die Unparteiischen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sagte der "Bild"-Zeitung: "Ich kenne keinen Personenkreis, der höherem Druck ausgesetzt ist, als Bundesligaschiedsrichter."

Seit einigen Jahren würden die Entscheidungen der Schiedsrichter in den medialen Mittelpunkt rücken.

Durch "das teilweise respektlose" Verhalten der "Beteiligten" entstehe eine "schlimme Außenwirkung." "Dadurch verlieren auch die Fans die Nerven und die Schiedsrichter kommen sich wie Gejagte vor", sagte der ehemalige Schiedsrichter.

Der 47-Jährige forderte zudem das Sportmagazin "Kicker" auf, die Wahl zum "schlechtesten Schiedsrichter der Saison" einzustellen: "Diese Wahl ist demütigend. Sie gehört sofort abgeschafft."

Rafati wurde der zweifelhafte Titel mehrfach zugesprochen.

Technische Hilfsmittel seien kein Weg, den Schiedsrichtern ihre Arbeit zu erleichtern, sagte Fandel weiter: "Der eigentliche Druck entsteht nicht durch die Anforderungen während des Spiels, sondern durch die Rahmenbedingungen."

Dennoch hält er nichts von voreiligen Konsequenzen und dementierte Berichte, wonach vonseiten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine regelmäßige psychologische Betreuung der Unparteiischen sowie die Aufstockung der Mitarbeiterzahl im Schiedsrichterwesen angedacht sei.

"Das sind alles Spekulationen - die schießen derzeit von allen Seiten ins Kraut. Grundsätzlich bin ich dafür, Lehren aus solchen Geschehnissen zu ziehen, um die Dinge positiv weiterzuentwickeln. Aber das werde ich nicht jetzt in der Öffentlichkeit machen", sagte Fandel dem "SID".

Von Vorschlägen wie einem Verbot von Kommentaren aller Beteiligten zur Schiedsrichter-Leistung bis 48 Stunden nach Spielende nach Vorbild der Handball-Bundesliga hält Fandel nichts. "Ich kann mich nicht zu allem äußern - sonst werde ich gar nicht mehr fertig. Ich beschränke auf das Wesentliche und die Inhalte."

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