Einen Tag nach der 0:3-Niederlage beim FC Augsburg, äußerte sich SPORT1-Experte Thomas Strunz im KIA Doppelpass kritisch über die taktische Einstellung von Hertha BSC Berlin und den neuen Trainer Otto Rehhagel.

"Er (Otto Rehhagel; Anm. d. Red.) hat keine Führungsqualität", so Strunz. "Ich war von Anfang an kritisch, das hat auch das Spiel gezeigt. Das ist eine Medienverpflichtung gewesen, um Ruhe ins Umfeld zu bekommen und um den Druck von der Mannschaft zu nehmen."

Durch die Tatsache, dass Rehhagel mit zwei Stürmern spielen ließ, seien bei den Berlinern Lücken im Mittelfeld entstanden.

"Deswegen hat Augsburg durch diesen, im Nachhinein taktischen Fehler, das spielerische Übergewicht bekommen", erklärte der ehemalige Spieler des FC Bayern München. "Schon zu meiner Zeit 1996, als Otto Rehhagel mein Trainer war, haben wir sehr sehr wenig im taktischen Bereich gearbeitet. Da ist nicht sehr auf taktische Dinge geachtet worden. Und wenn man die Interviews nach dem Spiel hört, dann sind das nur Plattitüden. Damit kann eine Mannschaft heutzutage nichts mehr anfangen. Sie braucht klare Vorgaben. Und da glaube ich, wird es große Probleme bei Hertha geben."

Auch im Hinblick auf die Fähigkeiten des 73-Jährigen, den verunsicherten Berlinern frisches Selbstbewusstsein einzuhauchen, zeigte sich Strunz skeptisch.

"Ich glaube, das große Problem ist, dass er lange nicht mehr in der Bundesliga gearbeitet hat. Auch trotz erfolgreicher Historie. Früher hat die Mannschaft auch viele Sachen allein gemacht, ohne dass der Trainer eingreifen musste. Heutzutage ist Kommunikation gefragt. Dass sich ein Vertrauensverhältnis aufbaut zwischen Trainer und Mannschaft. Das führt dann auch zu einer Gemeinsamkeit auf dem Platz und nicht zu dieser Verfallserscheinung wie nach dem 0:3", so Strunz.

Über Rehhagels Beweggründe für den Vertragsabschluss sagte Strunz: "Ich denke es geht ihm um Anerkennung in der Bundesliga, nachdem er Kaiserslautern 2000 verlassen musste. Die endgültige Schluss-Anerkennung zum Abschluss seiner Karriere als Kind der Bundesliga ist ihm bis jetzt verwehrt geblieben. Als die Anfrage kam, war da auch eine gewisse Eitelkeit vorhanden, um diesen Abschluss zu haben."

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