Noch läuft die Saison - und noch hat der VfB Stuttgart sogar die Chance auf einen Titel.

Doch schon jetzt laufen bei den Schwaben nach unruhigen Monaten die Planungen für das kommende Spieljahr auf Hochtouren. Mittendrin: Fredi Bobic. Der bisherige Manager ist nach dem angekündigten Rücktritt von Präsident Gerd E. Mäuser und seinem Aufstieg zum Sport-Vorstand der neue starke Mann beim VfB.

Für den 41-Jährigen gilt es nun, nicht nur sportlich die Weichen zu stellen. Bobic will vor allem die vielen Gräben zuschütten, die sich in den letzten Monaten aufgetan und den Verein schwer belastet hatten.

Der VfB dürfe "nicht weiter beschädigt werden", machte er vor dem Bundesliga-Heimspiel der Stuttgarter am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach deutlich. Es biete sich für den VfB in der Ära nach Mäuser "eine Riesenchance für einen Neuanfang".

Auf diesem Weg scheut Bobic wie schon als ehemaliger Stürmer keine Konfrontation - auch nicht mit Aufsichtsratschef Dieter Hundt, der den umstrittenen Mäuser bei der Wahl vor zwei Jahren gegen alle Widerstände durchgedrückt hatte.

"Alle müssen hinter der Person stehen. Es darf keinen Alleingang geben. Es muss eine Entscheidung von allen sein", sagte Bobic bestimmt. Er habe Hundt in einem "sehr positiven Gespräch" bereits mitgeteilt, "dass man auch die anderen hören muss".

Die Neuwahl des Präsidenten erfolgt auf einer ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins am 22. Juli. Bis dahin hofft Bobic, dass der VfB die Amtszeit von Mäuser "sauber und respektvoll zu Ende bringt". Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich aber äußerst schwierig.

Ex-Präsident Erwin Staudt hatte bereits abgewunken, auch die Kandidaten Wolfgang Kuhn, Hermann Ohlicher und Dieter Hoeneß stehen einem Bericht der Stuttgarter Nachrichten zufolge nicht zur Verfügung. Doch egal wer es letztendlich macht, Bobic hat schon klare Vorstellungen vom neuen Präsidenten: "Die Person muss zum VfB passen, gut vernetzt sein und Ruhe in den Verein bringen."

Ruhe, die es zuletzt nicht gab, nachdem der VfB auch sportlich nicht zu überzeugen wusste. In der Europa League scheiterten die Schwaben im Achtelfinale an Lazio Rom, in der Liga sind sie graues Mittelmaß. Bleibt noch der DFB-Pokal, in dem der VfB am Mittwoch im Halbfinale den SC Freiburg erwartet. Mit dem Einzug ins Finale würden sich die Schwaben sogar erneut für das internationale Geschäft qualifizieren, sollte Bayern München das zweite Halbfinale gegen Wolfsburg für sich entscheiden.

Schon jetzt steht fest, dass unter Bobic der strikte Sparkurs der Schwaben etwas gelockert wird. Es werde nun an ihm liegen, "dass wir in der neuen Saison mehr Quantität und Qualität haben", unterstrich Bobic.

Er werde zwar keine Dinge machen, "die den Verein an die Wand fahren", aber der VfB könne künftig "einige Sachen schneller vorantreiben". Um künftig mehr Mittel zur Verfügung zu haben, werde es im Ringen mit seinem für die Finanzen zuständigen Vorstandspartner Ulrich Ruf "auch einmal knirschen und rauchen".

Die Stuttgarter hatten vor der laufenden Saison nur 300.000 Euro für neue Spieler ausgegeben, die niedrigste Summe aller Bundesligisten, und sie mussten zuletzt der Dreifachbelastung mit Liga, Pokal und Europa League Tribut zollen. Bobic dazu: "Die Saison hat gezeigt, was wir im Sommer befürchtet hatten."

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