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War vor seinem Club-Engagement von 2004 bis 2007 Trainer in Bielefeld: Thomas von Heesen © getty

Der zuletzt immer heftiger in der Kritik stehende Trainer kam mit diesem Schritt offenbar seinem geplanten Rauswurf zuvor.

Nürnberg - Thomas von Heesen ist als Trainer des 1. FC Nürnberg zurückgetreten.

Der zuletzt immer heftiger in der Kritik stehende Ex-Profi kam mit diesem Schritt offenbar seinem bereits für den Abend geplanten Rauswurf zuvor.

Das zumindest hatten die "Nürnberger Nachrichten" berichtet.

"Aufgrund der jetzigen Situation, die eine von mir nie für möglich gehaltene Eigendynamik entwickelt hat, habe ich mich dazu entschlossen, meinen Posten zur Verfügung zu stellen", erklärte von Heesen.

"Nicht nachvollziehbar für mich"

"Nicht nachvollziehbar für mich ist, nach zwei Spieltagen einen Trainer komplett in Frage zu stellen - wider besseren Wissen, dass eine neu formierte, verjüngte Mannschaft Zeit zur Entwicklung braucht."

Im Umfeld und anscheinend auch in der Vereinsfürhung sah man das zunehmend anders.

So sollte bei einer Aufsichtsratssitzung als einziger Tagesordnungspunkt die Personalie von Heesen theamtisiert werden.

Erst im Februar von Hans Meyer übernommen

Der 46-Jährige hatte erst am 12. Februar dieses Jahres das Amt von Hans Meyer beim neunmaligen Meister übernommen, den Club aber nicht vom Abstieg retten können.

"Der Trainer hat ja deutlich genug kund getan, dass er sich hier nicht so wohlfühlt", sagte Michael A. Roth.

Der Präsident befindet sich derzeit am Gardasee im Urlaub. "Auf jeden Fall große Unruhe" im Klub bekam Roth aber selbst aus Italien mit und sagte am Donnerstagmittag: "Mit dieser Sache ist Herr Bader beschäftigt."

Fehlende Identifikation

Vor allem die geringe Identifikationsbereitschaft mit dem Club machte man von Heesen zum Vorwurf. Er sei nicht in der Lage, eine Aufbruchstimmung zu vermitteln.

Roth führte auch den sportlichen Misserfolg an.

"Dass er den Abstieg aus der Bundesliga nicht verhindern konnte, war die erste große Enttäuschung", erklärte Roth. "Der Start in die zweite Liga war die zweite Enttäuschung."

Die Nürnberger hatten am vergangenen Montag beim 1. FC Kaiserslauteren nach eine ganz schwachen Vorstellung 1:2 verloren.

Auch zum Saisonstart beim 2:1 gegen den FC Ausgburg hatte der Pokalsieger von 2007 nicht überzeugen können.

Oenning übernimmt zunächst

Ein Nachfolger für von Heesen steht noch nicht fest und soll sorgfältig ausgewählt werden. Zunächst betreut übergangsweise von Heesens bisheriger Assistent Michael Oenning die Mannschaft.

"Ich hoffe und wünsche der Mannschaft, dass sie trotz aller Widerstände ihre unbezweifelten Qualitäten so schnell wie möglich in sportlichen Erfolg umsetzen kann, damit der Club den Erfolg erreicht, den alle sich wünschen", erklärte von Heesen zum Abschied.

Zwei Spieler gehen

Zudem hat sich der Club von zwei seiner Spieler getrennt.

Angreifer Robert Vittek wechselt zum OSC Lille in die erste französische Liga, Abwehrspieler Jacques Abardonado verlässt den Zweitligisten ebenfalls in Richtung Frankreich und Angelos Charisteas soll bis Sonntag noch abgegeben werden.

Sportdirektor Martin Bader hat einen Wechsel von Marek Mintal zum Bundesligisten VfL Wolfsburg ausgeschlossen.

"Wir geben Marek definitiv nicht ab. Er ist ein wichtiger Eckpfeiler in unseren Planungen", sagte Bader am Donnerstag nach einem Gespräch mit Mintal.

Vittek "flüchtet" aus Nürnberg

Dagegen konnte Bader den zweiten slowakischen Nationalspieler nicht zu einem Verbleib in Nürnberg überreden.

Vittek wird in Lille einen Vertrag unterschreiben, die Ablöse beträgt zwischen drei und vier Millionen Euro.

"Das ist bedauerlich. Aber Robert wollte unbedingt weg, er war nicht umzustimmen", erklärte der FCN-Manager.

Abardonado in die Heimat

Bei Abardonado, den von Heesen nach dem Lautern-Spiel heftig kritisiert hatte, würden laut Bader neben sportlichen Gründen vor allem persönliche Dinge eine Rolle für seinen plötzlichen Abgang spielen.

Man werde ihm keine Steine in den Weg legen. Das Ziel des Abwehrspielers ist unbekannt.

Noch offen ist die Zukunft des griechischen Nationalspielers Charisteas, für den es bisher noch keine konkreten Angebote gibt.

Noch eine Neuverpflichtung?

Sollte der Angreifer den neunmaligen deutschen Meister verlassen, "dann würden wir im Angriff wohl noch was machen", meinte Bader.

Auch in der Abwehr ist nach dem Abschied von Abardonado und der Verletzung von Kapitän Andreas Wolf noch ein Transfer möglich, auch wenn Präsident Roth dies zuletzt noch ausgeschlossen hatte.

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